Hackerangriff auf den Bundestag Merkel erhebt schwere Vorwürfe gegen Moskau

Kanzlerin Merkel hat Moskau wegen des vermutlich vom russischen Militärgeheimdienst verübten Hackerangriffs auf den Bundestag heftig kritisiert. "Mich schmerzt das", sagte sie zu den deutschen Ermittlungsergebnissen.
Blick auf den Bundestag

Blick auf den Bundestag

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FABRIZIO BENSCH/ REUTERS

Ein Hackerangriff legte vor fünf Jahren den Bundestag mehrere Tage lahm. Deutsche Ermittler haben nun den mutmaßlichen Haupttäter identifiziert - einen Mitarbeiter des russischen Geheimdienstes. (Lesen Sie hier mehr.) Kanzlerin Angela Merkel machte Russland deshalb jetzt schwere Vorwürfe.

Mit Blick auf die Ermittlungsergebnisse des Generalbundesanwalts sprach sie am Mittwoch im Bundestag von "harten Evidenzen" für eine russische Beteiligung und von einem "ungeheuerlichen" Vorgang. "Ich nehme diese Dinge sehr ernst, weil ich glaube, dass da sehr ordentlich recherchiert wurde", sagte Merkel. "Ich darf sehr ehrlich sagen: Mich schmerzt das." Auf die Frage nach möglichen Konsequenzen gegen Russland sagte Merkel: "Natürlich behalten wir uns immer Maßnahmen vor, auch gegen Russland."

Merkel sprach bei einer Befragung durch Abgeordnete im Bundestag von einer Strategie der "hybriden Kriegführung" Russlands, die auch "Desorientierung" und "Faktenverdrehung" beinhalte. "Die müssen wir beachten, und die können wir auch nicht einfach verdrängen", sagte die Kanzlerin. "Das ist nicht nur irgendwie ein Zufallsprodukt, das ist durchaus eine Strategie, die dort angewandt wird."

Die Kanzlerin betonte zwar, dass sie sich weiter um ein gutes Verhältnis zu Russland bemühen wolle. Eine "vertrauensvolle Zusammenarbeit" werde dadurch aber gestört.

Die Bundesanwaltschaft hatte in der vergangenen Woche einen internationalen Haftbefehl gegen einen jungen russischen Hacker namens Dimitri Badin erwirkt, nach jahrelangen Ermittlungen des Bundeskriminalamts. Ihm wird geheimdienstliche Agententätigkeit und das Ausspähen von Daten vorgeworfen.

Der Angriff hatte im Mai 2015 die IT-Infrastruktur des Bundestags komplett lahmgelegt. Um ihn zu stoppen, musste das gesamte Parlament über Tage vom Netz genommen werden. In die Systeme des Bundestags waren die Angreifer mit E-Mails gelangt, die unter anderem vorgaben, von den Vereinten Nationen abgeschickt worden zu sein. Über die auf diese Weise erbeuteten Nutzerdaten konnten sie sich im Netz des Bundestags unbemerkt ausbreiten und über Tage Dateien ausleiten.

als/dpa