Haderthauer-Abgang Letzter Auftritt in Raum S103

Mit ihrem Rücktritt hat Bayerns Staatskanzleichefin Haderthauer eine wochenlange Hängepartie beendet. Die sogenannte Modellauto-Affäre ist damit aber noch lange nicht ausgestanden.
Haderthauer-Abgang: Letzter Auftritt in Raum S103

Haderthauer-Abgang: Letzter Auftritt in Raum S103

Foto: Peter Kneffel/ dpa

Christine Haderthauer steht lächelnd vor einem Mikrofon und lobt die Politik der bayerischen Staatsregierung. Sie spricht vom "Familienpakt", mit dem die Vereinbarkeit von Familie und Beruf im Freistaat noch stärker gefördert werden solle: Diese Bilder, die am Montag gegen 18.20 Uhr auf einem Bildschirm im Erdgeschoss der Münchner Staatskanzlei zu sehen sind, muten an diesem Abend besonders merkwürdig an.

Denn wenige Minuten später geht Haderthauer in Begleitung eines Sprechers der Staatskanzlei über den Flur im ersten Stock des Gebäudes, ihr Lächeln ist in diesem Moment ihrer größten politischen Niederlage verkniffen: Die Chefin der Staatskanzlei ist gekommen, um "mit sofortiger Wirkung"ihren Rücktritt zu erklären.

Der Termin war kurzfristig anberaumt worden. Tagelang hatte die CSU-Politikerin geschwiegen, nachdem Ministerpräsident und CSU-Chef Horst Seehofer Kritik an ihrem Krisenmanagement geäußert hatte.Seit Anfang August ermittelt die Münchner Staatsanwaltschaft gegen die Politikerin und ihren Mann wegen Betrugsverdachts, es geht um frühere und umstrittene Geschäfte des Ehepaares Haderthauer mit psychisch kranken Straftätern - und die gebürtige Schleswig-Holsteinerin hatte in einer ihrer letzten öffentlichen Statements gesagt, dass es sich dabei um ein "vom Idealismus" getragenes Engagement gehandelt habe.

Der Satz hatte selbst manche Parteifreunde sprachlos gemacht, ging es bei den Geschäften doch um Modellautos, die von Straftätern sehr günstig hergestellt und vom Ehepaar Haderthauer offenbar sehr gewinnbringend verkauft worden waren. Erstmals hatte der SPIEGEL im Juni 2013 darüber berichtet, dass Christine Haderthauer einst als Mitgeschäftsführerin in die Firma Sapor Modelltechnik eingebunden war, zuletzt tröpfelten nur noch Details über die unappetitlichen Geschäfte mit einem verurteilten Dreifachmörder in die Öffentlichkeit.

Und jetzt: aus und vorbei. Im Saal S103, dem Raum, in dem Haderthauer in den vergangenen Monaten die Presse nach Kabinettssitzungen informierte, zieht die CSU-Politikerin ihren Schlussstrich. Ein Fehlverhalten ihrerseits sieht sie allerdings nicht: Nach wie vor sei sie davon überzeugt, "dass ich die juristischen Vorwürfe vollständig ausräumen kann". Nach ihren Erfahrungen mit der öffentlichen Berichterstattung der vergangenen Wochen müsse sie aber befürchten, "dass das Amt und die damit verbundenen politischen Themen komplett überlagert werden würden", sagt sie in ihrer kurzen Erklärung, die sie von einem Zettel abliest. Das entspreche nicht ihrem Amtsverständnis und "nicht dem, was die Bevölkerung zu Recht erwarten darf".

"Freundschaftliches Gespräch mit dem Ministerpräsidenten"

Ausgestanden ist die Affäre damit noch lange nicht: Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft dauern an, die Opposition hält an einem Untersuchungsausschuss fest. Aber Haderthauer beendet mit ihrem Rücktritt eine Hängepartie, die längst zu einer Belastung für die Staatsregierung geworden war. Zwar betonte Seehofer auch nach Haderthauers Rücktritt in einer Erklärung, dass auch "weiterhin die Unschuldsvermutung" gelte - dennoch hatte die anhaltende öffentliche Debatte über die Causa Haderthauer an den Nerven so mancher Kabinettsmitglieder gezehrt.

Auch wenn in den vergangenen Tagen bereits öffentlich über mögliche Nachfolger spekuliert wurde - als hoch gehandelter Kandidat gilt Georg Eisenreich (Staatssekretär im Bildungsministerium) - rechneten zuletzt selbst einige erfahrene CSU-Politiker nicht mit einem baldigen Karriereende der Staatskanzleichefin. "Die kämpft das durch", hatte es bei manchen über Haderthauer geheißen.

Der Druck war dann aber offenbar doch zu groß, auch wenn Haderthauer ihre Worte am Montagabend so wählt, dass sie möglichst nicht nach einer Niederlage klingen sollen: Sie habe "heute ein sehr freundschaftliches Gespräch mit dem Ministerpräsidenten" geführt und ihm für "seine Unterstützung und das Vertrauen" gedankt, das er ihr "immer entgegengebracht" habe.

In einer Pressmitteilung der Staatskanzlei erklärt Seehofer wenig später, dass er es persönlich bedauere, mit Haderthauers Rücktritt "ein meinungsstarkes und couragiertes Kabinettsmitglied verloren zu haben". Ob er ihr am Ende vielleicht doch in einem Vier-Augen-Gespräch den Rücktritt nahelegte, wird wohl das Geheimnis der beiden bleiben.

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