Attentat von Halle Gabriel und Haseloff sehen bei AfD Mitschuld

"Rechtsradikalismus salonfähig gemacht": In einem gemeinsamen SPIEGEL-Gespräch kritisieren Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff und Ex-SPD-Chef Sigmar Gabriel die Rechtspopulisten.

Ex-SPD-Chef Sigmar Gabriel:
Omer Messinger/ EPA-EFE/ REX

Ex-SPD-Chef Sigmar Gabriel:


"Wie unter Schock" fühle er sich seit dem Attentat von Halle, sagte Sachsen-Anhalts CDU-Ministerpräsident Reiner Haseloff in einem gemeinsamen SPIEGEL-Gespräch mit dem ehemaligen SPD-Chef Sigmar Gabriel.

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Haseloff und Gabriel sind sich einig, dass die AfD eine Mitverantwortung für das Klima trage, in dem das Attentat von Halle konzipiert werden konnte. Früher, so Gabriel, hätte es als unanständig gegolten, rechtsradikal zu sein. "Seitdem Thilo Sarrazin oder ehemalige CDU-Staatssekretäre in der AfD den Rechtsradikalismus enttabuisiert und salonfähig gemacht haben, brechen diese alten braunen Ideologien sich wieder eine Bahn an die gesellschaftliche Oberfläche."

Haseloff sagte mit Blick auf die AfD, in der gegenwärtigen Parteienlandschaft gebe es "eine Partei zu viel". Im Umgang mit Rechtsextremismus empfiehlt der Ministerpräsident eine Rückbesinnung auf die politische Bekämpfung des Linksterrorismus in den Siebzigerjahren: "Der Rechtsstaat muss klare Grenzen aufzeigen. Ich kenne den Umgang des Staates in den Siebzigerjahren mit dem Linksterrorismus der RAF nur aus dem Westfernsehen, aber da hat der Staat doch Zähne gezeigt."

Für den Täter von Halle gelte: "Er war für den Staat aus dem Nichts aufgetaucht - aber er kam ja nicht aus dem Nichts, er hatte ein reales Umfeld, und er hat sich im Internet radikalisiert", so Haseloff.

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nm/sby

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