Anschlag in Halle Attentäter absolvierte Waffenausbildung bei der Bundeswehr

Der antisemitische Amoklauf in Halle alarmiert auch die Bundeswehr. Nach SPIEGEL-Informationen absolvierte Stephan Balliet vor acht Jahren seinen Grundwehrdienst, dabei wurde er auch am Sturmgewehr G36 ausgebildet.


Nachdem Stephan Balliet in Halle zwei Menschen erschossen hat, laufen auch bei der Bundeswehr interne Ermittlungen. Schon kurz nach dem antisemitischen Amoklauf am Mittwoch begann der Militärische Abschirmdienst (MAD) in den eigenen Archiven zu recherchieren, ob der Stephan Balliet Verbindungen zur Bundeswehr hat, da sein Vater entsprechende Hinweise gegeben hatte.

Die Ergebnisse liegen mittlerweile vor. So leistete der damals 18-Jährige nach SPIEGEL-Informationen von Ende 2010 bis 2011 als einer der letzten Rekruten vor der Abschaffung der Wehrpflicht seinen sechsmonatigen Wehrdienst beim Panzergrenadierbetaillon 401 in Hagenow (Mecklenburg-Vorpommern) ab. Balliet absolvierte dort auch seine dreimonatige Grundausbildung, dabei wurde er am Sturmgewehr G36 und der Pistole P8 geschult.

Nach seiner Tat sichtete der MAD nun fieberhaft seine Personalakte. Die Angst war groß, dass man während seiner Zeit bei der Truppe Hinweise auf seine rechte Gesinnung übersehen haben könnte.

Doch die Bundeswehrakte des Todesschützen ist so unauffällig wie sein restlicher Lebenslauf. So schob Balliet nach der Grundausbildung in der Kaserne Dienst, fiel aber niemandem besonders auf. Besonderen Ehrgeiz zeigte er nicht, so die Akte, sonst hätte er sich in seiner Armeezeit für ein Spezialtraining wie einen Einzelkämpferlehrgang beworben.

Auch der MAD wurde während der Dienstzeit nie auf eine mögliche rechte Gesinnung des Soldaten Balliet aufmerksam. Allerdings wurden die Grundwehrdienstleistenden im Gegensatz zu Bundeswehr-Einsteigern heute keinerlei Sicherheitsüberprüfung durch den Militärgeheimdienst unterzogen.

Diese Maßnahme wurde erst kürzlich eingeführt, da man fürchtete, dass Islamisten die Bundeswehr unterwandern könnten und die dortige Ausbildung für Anschläge nutzen könnten.

Bei der Bundeswehrführung herrscht mittlerweile eine Art Erleichterung, dass der Tatverdächtige keine Spezialausbildung erhielt. "Im Nachhinein können wir froh sein, dass er bei der Bundeswehr nicht viel lernte, sonst hätte er in Halle vielleicht wesentlich mehr Menschen töten können", sagte ein Heeresgeneral.

jdl/mgb

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