Fotostrecke

Hambacher Forst: Widerstand gegen Abholzung und Kohleabbau

Foto: Henning Kaiser/ dpa

"Schmuggelroute für Waffen" Polizei entdeckt angeblich Tunnelsystem im Hambacher Forst

Aktivisten protestieren im Hambacher Forst seit Jahren gegen die Braunkohle, nun ist die Polizei laut einem Medienbericht auf Tunnel gestoßen, angeblich erinnern die Anlagen an den Vietnamkrieg. Die Polizei Aachen hat davon keine Kenntnis.

Im Hambacher Forst, der zum Symbol für den Kampf von Umweltschützern gegen die Kohleverstromung geworden ist, hat die Polizei einem Medienbericht zufolge angeblich ein ausgeklügeltes Tunnelsystem entdeckt. Die "Rheinische Post" berichtet unter Berufung auf Polizeidokumente, die Tunnel seien von Aktivisten angelegt worden. Sie lägen zum Teil in vier Meter Tiefe und seien über gut ausgebaute Einstiegslöcher zu erreichen.

Die Polizei Aachen schrieb auf Twitter, sie wolle den Bericht nicht kommentieren. Ihr lägen keine Erkenntnisse über solche Tunnelsysteme vor.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Die Zeitung hingegen führt die ihr vorliegenden Polizeidokumente an und zitiert einen leitenden Polizisten. Demnach dienten die Tunnel den Aktivisten "als Rückzugsort, als Schlafstätte, Versteck und vermutlich auch Schmuggelroute, um Waffen und Krawallmacher in den Forst zu bringen", sagte der Polizist laut "RP". Wie viele solcher Tunnelanlagen es gebe, wisse die Polizei nicht. Vermutet werde aber eine höhere Zahl, da die Besetzer sechs Jahre Zeit gehabt hätten, diese anzulegen.

So sei etwa am 28. August ein 60 mal 60 Zentimeter großes Erdloch an einer Wiese entdeckt worden, das in einen Tunnel Richtung Wald mündete, berichtet die Zeitung. Am selben Tag seien ganze Tunnelsysteme und Zugänge mit Beton verfüllt worden, nachdem man sich vergewissert habe, dass sich keine Menschen mehr darin aufhielten.

"Die Tunnel erinnern an die unterirdischen Anlagen während des Vietnamkriegs", zitierte die "Rheinische Post" den Polizeivertreter. "Dadurch können wir wie aus dem Nichts angegriffen werden." Zudem seien im Forst auch Erdlöcher und Waffendepots gefunden worden, in denen Zwillen und Molotowcocktails gelagert würden.

Trotz des Dementis der Polizei Aachen bleibt die "Rheinische Post" - Stand Sonntagmorgen, 9. September - bei ihrer Darstellung. Der entsprechende Artikel auf rp-online ist weiterhin live .

Die "taz" berichtet hingegen unter Berufung auf das NRW-Innenministerium, ein solches Tunnelsystem existiere nicht mehr. Der Tunnel sei bereits 2012 geräumt und verfüllt worden.

Bei Protesten im Hambacher Forst hatte 2012 ein Umweltschützer in einem Schacht die Einsatzkräfte tagelang in Atem gehalten. Nach aufwendigen Rettungsarbeiten hatte er sich zunächst noch tiefer in einen selbst gegrabenen einsturzgefährdeten Erdbunker zurückgezogen, schließlich wurde er festgenommen. Die Polizei Aachen hatte in der Vergangenheit stets davon gesprochen, dass es im Forstgebiet Erdlöcher und Depots gebe, nicht aber Tunnelsysteme.

"Wochenende des Widerstands"

Im Hambacher Forst will der Energiekonzern RWE ab Oktober hundert Hektar Wald abholzen, um einen Braunkohletagebau zu vergrößern. Aktivisten halten seit Längerem einen Teil des Gebiets besetzt. Immer wieder kommt es zu Zusammenstößen mit der Polizei. Am Mittwoch und Donnerstag hatte RWE mit Aufräumaktionen begonnen. Mitarbeiter hatten unter starkem Polizeischutz Barrikaden, Möbelstücke und vieles mehr aus dem Wald abtransportiert, den Aktivisten in Baumhäusern besetzt haben.

Am Donnerstag kündigte ein Bündnis der Protestinitiativen den Start einer bundesweiten Mobilisierung ab Freitag an. Die Initiative "Aktion Unterholz" rief zu einem "Wochenende des Widerstands" auf. Am Samstag blieb die Lage zunächst ruhig. Es habe keine Zwischenfälle gegeben, sagte ein Sprecher der Aachener Polizei am Morgen. "Wir müssen abwarten, was passiert." Für 17 Uhr sei eine Mahnwache angemeldet worden.

Die Aktivisten hatten angekündigt, sich aus Protest gegen die Rodungspläne erneut auf den Weg in das Braunkohlerevier zu machen. "Wir werden auf jeden Fall wieder in den Wald kommen", kündigte ein Sprecher der "Aktion Unterholz" an. Unter anderem gehe es darum, die Infrastruktur der Waldbesetzer wieder zu reparieren.

Die nordrhein-westfälischen Grünen kündigten unterdessen an, ihren Landesparteirat am 7. Oktober in das Gebiet verlegen zu wollen. "Wir werden mit diesem Parteitag direkt am Hambacher Wald ein deutliches Signal an RWE, Landes- und Bundesregierung für einen Rodungsstopp senden", sagte die Landesvorsitzende der NRW-Grünen, Mona Neubaur, dem "Kölner Stadt-Anzeiger".

Die Beratungen mit rund 200 Delegierten sollen demnach in einem Zelt auf einem Grundstück der Umweltschutzorganisation BUND an der Abbaukante des Tagebaus statt wie ursprünglich geplant in der Bochumer Jahrhunderthalle abgehalten werden.

IM VIDEO: Konflikt um den Hambacher Forst verschärft sich

SPIEGEL ONLINE

Anmerkung der Redaktion: Die Polizei in Aachen hat die Existenz eines Tunnelsystems im Hambacher Forst nach Veröffentlichung der Meldung nicht bestätigt. Wir haben den Artikel um die entsprechenden Angaben ergänzt. Die "Rheinische Post" äußerte sich dazu am Montag wie folgt .

abl/dpa/AFP
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.