Messerattacke an der Alster Bundesanwaltschaft prüft IS-Mitteilung

Die Terrormiliz "Islamischer Staat" reklamiert einen tödlichen Messerangriff in Hamburg für sich. Nun könnte die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen übernehmen.
Polizisten an der Kennedybrücke

Polizisten an der Kennedybrücke

Foto: Daniel Reinhardt/ dpa

Zwei Wochen nach einem tödlichen Messerangriff auf einen Jugendlichen in Hamburg hat sich die Bundesanwaltschaft in die Ermittlungen eingeschaltet. Die Behörde überprüfe eine Bekennernachricht der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS). Über sein Sprachrohr Amak hatte der IS behauptet, einer seiner Kämpfer habe die Tat verübt.

"Wir nehmen die Mitteilung zur Kenntnis und müssen den Inhalt genau auf seine Verlässlichkeit hin prüfen", sagte ein Sprecher der Bundesanwaltschaft. Die Behörde prüfe die Übernahme der Ermittlungen.

Ein unbekannter Täter hatte vor zwei Wochen einen 16-Jährigen unter der Kennedybrücke in Hamburg niedergestochen. Der Jugendliche starb kurz danach im Krankenhaus. Die 15 Jahre alte Begleiterin des Opfers stieß der Täter in die Alster, sie konnte sich selbst retten.

Amak schrieb nun, ein IS-Soldat habe "am 16. dieses Monats zwei Individuen in Hamburg erstochen". Der Täter habe "mit der Operation auf den Aufruf des IS reagiert, die Bürger von Koalitionsstaaten ins Visier zu nehmen", heißt es weiter.

Das angebliche Bekenntnis des IS ist kein Beweis für eine tatsächliche Verbindung zwischen dem Täter und der Terrormiliz. Auffällig ist, dass der IS in seiner Mitteilung von zwei erstochenen Opfern spricht. Tatsächlich wurde nur der 16-jährige mit einem Messer attackiert, seine Begleiterin nicht. Auch der Zeitpunkt des Bekenntnisses ist ungewöhnlich: In der Vergangenheit hatte sich die Terrormiliz nach vergleichbaren Taten meist innerhalb von rund 48 Stunden geäußert. In diesem Fall sind nach der Tat knapp zwei Wochen vergangen.

Den bisherigen Ermittlungen soll ein Mann plötzlich von hinten an den Jugendlichen herangetreten sein und dann mehrmals auf den 16-Jährigen eingestochen haben. Der Täter ist laut Polizei zwischen 23 und 25 Jahre alt und 1,80 bis 1,90 Meter groß. Es handle sich um einen Mann mit "südländischer Erscheinung", der kurze, dunkle Haare und einen Dreitagebart habe. Der Angreifer trug demnach einen braunen Pullover und blaue Jeans. Er sei nach der Tat davongelaufen.

Die Polizei stützt sich bisher nur auf die Aussage des Mädchens. Doch es gebe keinen Grund, an ihrer Schilderung zu zweifeln, sagte eine Sprecherin kurz nach der Tat. Dutzende Polizisten fahndeten in der Umgebung nach dem Täter und der Tatwaffe; auch mehrere Taucher waren im Einsatz. Die Mordkommission ermittelt.

brk/dpa
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