Nach Parteitag Hamburger AfD-Fraktionschef nennt Programm "unsäglich"

Jörn Kruse distanziert sich erneut von seiner Partei: Die Haltung der AfD im Parteiprogramm etwa zum Klimawandel sei töricht, die zur Familienpolitik unsäglich und vorgestrig. Austreten will er dennoch nicht.
Hamburgs AfD-Chef Kruse

Hamburgs AfD-Chef Kruse

Foto: Ulrich Perrey/ dpa

Hamburgs AfD-Fraktionsvorsitzender Jörn Kruse wettert gern gegen seine Partei: Nach dem Bundesparteitag im Juli sagte er bereits der "Welt" : "Das ist nicht mehr meine Partei." Nach dem jüngsten Parteitreffen in Stuttgart sagte er derselben Zeitung, er halte das neue Grundsatzprogramm der AfD in vielen Punkten für falsch.

Die Positionen etwa zum Islam, zur Familie oder zur Umwelt sind nach Ansicht des früheren Wirtschaftsprofessors teils albern, töricht oder peinlich. Alles, was im neuen Programm über Familie und Kinder stehe, finde er unsäglich, vorgestrig und frauenfeindlich. "Und ich schäme mich dafür", so Kruse. Etwa die Behauptung, dass man keine Zuwanderung bräuchte, wenn Deutsche mehr Kinder bekämen. "Dieser Unsinn ist mir zum Teil wirklich peinlich."

Anders als die Bundespartei ist Kruse auch gegen ein Minarett-Verbot. "Ich denke nur, dass sie nicht die Gegend dominieren sollten." Alles nur eine Frage der Höhe, sagt er. Überhaupt sei der Islam als Religion in Ordnung, so Kruse. "Der Islam als eine politische, totalitäre Ideologie ist hingegen ein Problem." In Deutschland gelte das Grundgesetz. "Und wenn Muslime finden, dass sie das nicht akzeptieren wollen, müssen sie sich einen anderen Staat suchen."

Die Partei verlassen will Kruse aber nicht: Er fühle sich dem Wähler verpflichtet. "Und die Arbeit macht mir Spaß", sagte er der Zeitung. "Das ist mein persönliches Motiv."

Der Chef der Hamburger AfD-Fraktion legt Wert darauf, dass die Hamburger nicht zu den Scharfmachern gehören. Im Wahlkampf für die Bürgerschaftswahlen warb er noch mit Bernd Lucke und Hans-Olaf Henkel. Beide sind nach dem Rechtsruck und der Spaltung in der Partei ausgetreten.

vek/dpa
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