Empörung in Hamburg Staat zahlt Pflege von Kriegsgrab mit KZ-Kommandanten

Opfer aus Konzentrationslagern liegen neben SS-Männern - und um die Grabpflege kümmert sich der Staat: Die Hamburger Linke möchte das ändern. Der Plan dürfte jedoch an einem praktischen Problem scheitern.

Gräber auf dem Friedhof Ohlsdorf (Archivbild): "Keinen Cent für die Grabpflege dieses Verbrechers"
Maurizio Gambarini/picture-alliance/ dpa

Gräber auf dem Friedhof Ohlsdorf (Archivbild): "Keinen Cent für die Grabpflege dieses Verbrechers"


Die staatliche Grabpflege für einen ehemaligen KZ-Kommandanten in Hamburg stößt auf heftige Kritik. Auf eine Kleine Anfrage der Linken-Abgeordneten Christiane Schneider antwortete der Senat, der SS-Offizier Hermann Baranowski sei nach seinem Tod 1940 eingeäschert und in einem Familiengrab bestattet worden. Später sei seine Urne in ein Kriegsgrab umgebettet worden.

Der 1884 in Schwerin geborene Baranowski war erst Kommandant des Konzentrationslagers Dachau in Bayern, dann des KZ Sachsenhausen in Oranienburg bei Berlin - in beiden Lagern kamen bis zum Kriegsende Zehntausende Insassen ums Leben. Baranowski starb eines natürlichen Todes.

"Warum gilt dieser Mann, der für Leid und Tod unzähliger Menschen (...) verantwortlich ist, offiziell immer noch als "Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft" im Sinne des Gräbergesetzes?", sagte der Sprecher der Linksfraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft, Florian Kaiser. "Wir sind der Meinung, es darf keinen einzigen weiteren Cent Steuergeld für die Grabpflege dieses NS-Verbrechers geben."

SS-Männer liegen neben KZ-Opfern

Dem Kriegsgräbergesetz von 1952 zufolge konnten die Hinterbliebenen von Soldaten die dauerhafte Grabpflege aus Bundesmitteln beantragen. Voraussetzung dafür war die Umbettung in ein Kriegsgrab, um eine praktikable Pflege zu ermöglichen, wie ein Sprecher des Hamburger Friedhofs Ohlsdorf nun erläuterte.

Bis in die Sechzigerjahre habe man nicht zwischen Tätern und Opfern unterschieden. Darum gebe es auf dem Friedhof Ohlsdorf Kriegsgräber, in denen Soldaten und zivile Bombenopfer, aber auch SS-Leute und Gefangene aus dem KZ Neuengamme liegen. Eine nachträgliche Trennung der Toten sei praktisch nicht mehr möglich, weil Jahrzehnte später keine Überreste vorhanden seien.

Der Senat teilte in seiner Antwort auf die Anfrage der Linken mit, laut Kriegsgräberlisten lägen in Hamburg mehr als 50.000 Verstorbene in solchen Sammelgräbern: "Die stichprobenartige Durchsicht hat ergeben, dass sich darunter auch SS-Angehörige befinden." Die Hamburger Friedhöfe beabsichtigen demnach, "eine Information zu Umbettungen in das Tafelprogramm der Initiative "Umgang mit Weltkriegsgräbern" aufzunehmen.

mxw/dpa

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