Hamburg Randale nach Anti-G-8-Demo

Rangeleien mit der Polizei, aufgeheizte Stimmung, vorzeitiges Ende: 4000 Demonstranten protestieren in Hamburg gegen das Treffen der Außenminister der EU und Asiens. Die Kundgebung gilt als Probelauf für die Proteste gegen den G-8-Gipfel in Heiligendamm - nach der Demo gab es Randale.


Hamburg - Mit Sprechchören und Transparenten hatten rund 4000 Globalisierungskritiker in Hamburg zunächst ruhig gegen den bevorstehenden G-8-Gipfel demonstriert. Der von einem massiven Polizeiaufgebot begleitete Zug hatte sich mit rund einer Stunde in Bewegung gesetzt. Nahe der U-Bahn-Station Rödingsmarkt am Rande der Innenstadt, wo eigentlich eine Zwischenkundgebung hätte stattfinden sollen, erklärten die Veranstalter die Demonstration dann vorzeitig für beendet. Begründung: Man sehe keinen Sinn darin, "in einem Polizeikessel durch eine menschenleere Innenstadt" zu marschieren, sagte ein Sprecher.

Nach der offiziellen Auflösung der Veranstaltung kam es zu Ausschreitungen. Demonstranten warfen mit Flaschen und anderen Gegenständen in Richtung der Polizei, die Beamten setzten Schlagstöcke und Wasserwerfer ein. Danach rannten jedoch hunderte Demonstranten auf die Reeperbahn. Dort wurden Autos mit Bierflaschen beschädigt, Müllcontainer landeten auf der Straße. Die Polizei setzte Wasserwerfer ein. Später verlagerte sich der Protest in das Schanzenviertel. Vor dem Linken-Treffpunkt "Rote Flora" errichteten einige Demonstranten Straßenbarrikaden.

Die Polizei richtet sich auf eine schwere Nacht ein. Mehrere Demonstranten wurden festgenommen. Die Demonstration hatte sich gegen das bis morgen in Hamburg stattfindende Treffen der europäischen Außenminister mit ihren asiatischen Amtskollegen (Asem) sowie den G-8-Gipfel kommende Woche in Heiligendamm gerichtet.

Ein Sprecher der Demo-Veranstalter kritisierte das Vorgehen der Polizei scharf. Die Lage sei eskaliert, als die in mehreren Ketten gestaffelten Einsatzkräfte die Protestteilnehmer daran gehindert hätten, den Versammlungsort zu verlassen. Das sei ein Verstoß gegen das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit.

Knallkörper, Rauchbomben, Farbeier

Bereits kurz nach Beginn der Veranstaltung war es zu ersten Rangeleien gekommen. Wegen Angriffen auf Polizisten wurden zunächst zwei Demonstranten festgenommen, eine Person kam in Gewahrsam. Außerdem flogen laut Polizei Knallkörper, Rauchbomben und Farbeier aus einer Gruppe von Demonstranten. Zudem hatten sich einige Teilnehmer des Protestzuges, die dem linken Spektrum zugerechnet werden, mit Tüchern und Kapuzen vermummt.

Im hinteren Teil des Zuges hatten sich Trommelgruppen, Tänzer und Künstler zusammengefunden. Insgesamt blieb es laut Polizei bis zum späten Nachmittag zunächst vergleichsweise ruhig, bis die Stimmung dann nach der Auflösung wieder aggressiver wurde.

Die Polizei schätzte die Zahl der Teilnehmer auf insgesamt 4000, laut Veranstalter waren es 6000. Die Beamten waren mit einem Großaufgebot im Einsatz, um gegen mögliche Randalierer vorgehen zu können. Dazu wurden zusätzliche Einheiten aus anderen Bundesländern in der Hansestadt zusammengezogen. Die Polizei hatte im Vorfeld mit einem der schwersten Einsätze der vergangenen Jahre gerechnet.

Kritik an den starken Sicherheitsvorkehrungen

Demonstranten und Polizei sahen die Proteste gegen das Asem-Treffen als Generalprobe für den G-8-Gipfel in Heiligendamm. Im Streit über die Demonstrationsroute hatten die Organisatoren gestern Abend eine Niederlage vor dem Bundesverfassungsgericht erlitten. Der Protestzug durfte nicht direkt am Asem-Tagungsort im Hamburger Rathaus vorbeiführen. Demzufolge sollten die Demonstranten maximal 500 Meter an die Konferenzteilnehmer herankommen. Der Sprecher des Bündnisses, Andreas Blechschmidt, kritisierte, dass diese Entfernung weder Sicht- noch Hörweite sei: "Das finden wir absolut versammlungsfeindlich." Zudem bemängelte er die starken Sicherheitsvorkehrungen.

Bereits gestern hatten rund hundert Menschen im Hamburger Stadtteil Altona protestiert. Die Polizei löste die nicht angemeldete Demonstration auf. Nachdem einige Teilnehmer Straßen blockiert und Bauteile auf die Fahrbahn gezogen hatten, wurden 53 Personen in Gewahrsam genommen und drei vorübergehend festgenommen.

Auf der Tagesordnung des Treffens stehen neben dem Klimaschutz unter anderem auch die Lage in Afghanistan, im Irak und im Nahen Osten, ebenso der Atomkonflikt mit Iran, die drohende Weiterverbreitung von Atomwaffen und die Lage auf der koreanischen Halbinsel. Die EU will von den Staaten Asiens mehr Anstrengungen für den Klimaschutz fordern. Außerdem wollen die EU-Außenminister ihre Kritik an der Militärjunta in Birma (Myanmar) bekräftigen und die Aufhebung des Hausarrests von Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi fordern, sagten EU-Diplomaten in Brüssel. Birma wird durch Außenminister Nyan Win vertreten.

hen/ffr/phw/dpa/AP/AFP



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