Wählerwanderung in Hamburg Bei welchen Gruppen die Parteien punkteten

Welche Parteien jagten in Hamburg der Konkurrenz Stimmen ab? Und welchen Gruppen haben SPD und Grüne den Wahlsieg zu verdanken? Die Wählerwanderungen im Detail.

Eine gute Nachricht zur Hamburg-Wahl zeichnete sich schon im Verlauf des Sonntags ab: Die Wahlbeteiligung stieg um fast sieben Prozentpunkte, verglichen mit der Bürgerschaftswahl 2015. 63,3 Prozent der Wahlberechtigten stimmten ab.

Das kam vor allem den Regierungsparteien zugute, der SPD des Ersten Bürgermeisters Peter Tschentscher und den Grünen von Tschentschers Vize Katharina Fegebank. Das Flussdiagramm der Wählerwanderungsanalyse von Infratest dimap zeigt: Rund 100.000 Wählerinnen und Wähler mehr als im Jahr 2015 stärkten vor allem das rot-grüne Lager.

Quelle: Infratest dimap für die ARD (Schätzung auf Basis von Vor- und Nachwahlbefragungen, Wahl- und Bevölkerungsstatistiken)

Die Grünen konnten ihren Stimmenanteil fast verdoppeln. Das haben sie geschafft, indem sie Wähler aus allen anderen Lagern für sich gewannen, vor allem von der SPD.

45.000 Neu-Hamburger wählten grün

Aber auch Erst- und ehemalige Nichtwähler kamen in Scharen zu den Grünen. Das größte Plus jedoch: 45.000 Neu-Hamburger, die bei der Bürgerschaftswahl 2015 noch nicht wahlberechtigt waren, votierten für die Ökopartei.

Die großen Verluste an die Grünen konnte die SPD mit den Stimmen bisheriger Nichtwähler auffangen. Die SPD profitierte zudem von Tausenden ehemaligen CDU-Wählern. Dadurch sank die absolute Zahl der SPD-Wähler nicht so stark, wie es das Absacken des Stimmenanteils der Partei um knapp sieben Prozentpunkte vermuten lässt.

Linke legte zu, AfD verliert bei Wählern leicht

CDU und FDP verloren vor allem an die Koalitionäre SPD und Grüne. Auch die Linke verlor an die Grünen, konnte aber dank ehemaliger Nichtwähler ihre absolute Wählerzahl und ihren Stimmenanteil erhöhen.

Die AfD verlor verglichen mit der Bürgerschaftswahl 2015 leicht an Zustimmung, es stimmten rund 42.000 Hamburgerinnen und Hamburger für sie. Der Stimmenanteil der Partei reicht laut dem Ergebnis der Schnellauszählung für den erneuten Einzug in die Bürgerschaft.

Grüne punkten bei Menschen mit hohem Bildungsgrad

Bei der Analyse nach Bildungsniveau zeigt sich: Ein Drittel der Wählerinnen und Wähler mit hohem Bildungsgrad (Abitur, Hochschulreife oder Hochschulabschluss) votierte für die Grünen, also deutlich mehr als im Hamburg-Durchschnitt. Doch auch in dieser Gruppe lag Wahlgewinner SPD klar vorn.

Mit weitem Abstand schnitt die SPD am besten bei Wählern mit mittlerem (Mittlere Reife/Realschulabschluss) und niedrigem formalen Bildungsgrad (Haupt-/Volksschulabschluss oder ohne Abschluss) ab.

CDU- und FDP-Wähler waren über alle Bildungsniveaus etwa gleich verteilt, die AfD holte - wie die SPD - bei Menschen mit niedrigem Bildungsgrad die meisten Stimmen.

Was die Hamburg-Wahl auch zeigte: Wähler, die ihre wirtschaftliche Lage als schlecht einschätzen, wählten eher Linke oder AfD. Wirtschaftlich eher zufriedene Hamburger stimmten für SPD, Grüne, CDU und FDP.

Nach Berufsgruppen aufgeteilt lassen sich einige interessante Schlüsse ziehen: Die SPD ist bei allen Gruppen stark, bei Rentnern haben die Sozialdemokraten an der Elbe mit weitem Abstand die absolute Mehrheit.

Die Grünen punkten bei Selbstständigen, Angestellten und Beamten mehr als bei Arbeitern. Rentner können sich für die Ökopartei nicht erwärmen.

Die Linke konnte in allen Lagern in etwa ihr Hamburg-Ergebnis von um die neun Prozent erreichen, sogar bei den Selbstständigen. Nur Rentner waren der Linken weniger zugetan.

Die AfD war bei Arbeitern überproportional stark, bei Rentnern hingegen schwach.

Eine Betrachtung des Wahlverhaltens nach Altersgruppen und Geschlecht zeigt: Jung wählte grün, bei Frauen haben vor allem AfD und FDP einen schweren Stand.

Die Analyse zu Wählerwanderung und -gruppen erstellt das Wahlforschungsinstitut Infratest dimap aus Befragungen, dem Ergebnis der Schnellauszählung sowie amtlichen Statistiken. Eine Übersicht zum Wahlergebnis in den einzelnen Stadtteilen finden Sie hier.

Die Ergebnisse in Hamburg im Überblick:

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