Datenanalyse Grüne und SPD überzeugten die meisten bisherigen Nichtwähler

Die Wahlbeteiligung bei der Bürgerschaftswahl in Hamburg war deutlich höher als 2015. Davon profitieren vor allem die Regierungsparteien.

Als die ersten Prognosen im Fernsehen liefen, jubelten die Anhänger von SPD und Grünen in Hamburg. Sie feierten nicht nur das Ergebnis ihrer eigenen Parteien, sondern auch das schwache Abschneiden der AfD bei der Bürgerschaftswahl. "Nazis raus", riefen sie bei ihren Wahlpartys. Sozialdemokraten und Grüne sind die Wahlsieger und haben nun die Möglichkeit, ihre Koalition fortzusetzen.

Die Sozialdemokraten verloren zwar spürbar, blieben aber mit Abstand stärkste Kraft. Die Grünen verdoppelten im Vergleich zur Wahl 2015 ihren Stimmenanteil. Die Union schnitt historisch schlecht ab.

Freiwillige sortieren Stimmzettel in der Alsterdorfer Sporthalle

Freiwillige sortieren Stimmzettel in der Alsterdorfer Sporthalle

Foto: Georg Wendt/ dpa

Wie kam dieses Ergebnis zustande? Wer gewann Stimmen von der Konkurrenz, wer überzeugte Nichtwähler? Der Überblick.

Die Wahlbeteiligung lag bei 62 Prozent und damit höher als bei den vergangenen beiden Bürgerschaftswahlen 2015 und 2011. Davon profitierten vor allem die Grünen und die SPD, die 28.000 beziehungsweise 27.000 einstige Nichtwähler mobilisieren konnten. Das geht aus einer Analyse der vorläufigen Wählerwanderung von Infratest dimap für die ARD hervor.

Die SPD jagte darüber hinaus der CDU 6000 Stimmen ab, der FDP 3000 und der AfD 1000. Die Sozialdemokraten büßten ihrerseits hingegen deutlich zugunsten der Grünen ein (32.000 Stimmen). 3000 Wähler verloren sie an Die Linke und 8000 an Kleinparteien.

Die Grünen überzeugten nicht nur die meisten Nichtwähler. Sie gewannen auch von allen anderen Parteien Wähler hinzu: am stärksten vom Koalitionspartner SPD, aber auch von der AfD sowie von Kleinparteien (jeweils 1000), der Linken (4000), der FDP (6000) und der CDU (11.000).

Die Christdemokraten verloren nicht nur an die Koalitionsparteien, sondern auch - jeweils 1000 Stimmen - an die AfD und an zuletzt nicht in der Bürgerschaft vertretene Parteien. Sie gewannen nur aus dem Lager der Liberalen (3000) und der Nichtwähler (6000) Stimmen hinzu.

Die Linke jagte den Sozialdemokraten 3000 Wähler ab. Die Partei konnte zudem 8000 einstige Nichtwähler überzeugen, verlor aber 4000 Stimmen an die Grünen.

Die Freien Demokraten verloren an Kleinparteien (2000) sowie SPD und CDU (je 3000), am stärksten aber an die Grünen (6000). An Linke und AfD gab es bei den Liberalen keine Stimmenverluste, aber auch keine Zugewinne aus diesen Lagern. 4000 frühere Nichtwähler stimmten für die FDP.

Die AfD verlor je 1000 Wähler an SPD, Grüne sowie Kleinparteien. Der CDU nahmen die Rechtspopulisten hingegen 1000 Stimmen ab. Außerdem gewannen sie 2000 einstige Nichtwähler hinzu.

SPD punktet bei den Alten, Grüne bei Jungen - Frauen und Jungwähler meiden AfD

39 Prozent der befragten Frauen wählten die SPD - verglichen mit 36 Prozent der Männer. 28 Prozent der Frauen wählten die Grünen (23 Prozent der Männer). Bei Christdemokraten und Linken besteht weitestgehend Parität zwischen den Geschlechtern. Bei den befragten Männern liegen FDP und AfD gleichauf mit je sechs Prozent. Beide Parteien schneiden bei Frauen schlechter ab als bei Männern: Die Liberalen kommen auf vier, die Rechtspopulisten auf drei Prozent.

Die Grünen punkteten bei jungen Wählern: In der Gruppe der 16- bis 24-Jährigen kommen sie auf 34 Prozent, bei Erstwählern gar auf 36 Prozent - beides Spitzenwerte. Deutlich dahinter folgt die SPD mit je 24 Prozent, weit hinter den Sozialdemokraten dann Die Linke (14 beziehungsweise 13 Prozent). Dahinter folgen FDP und Union. Noch stärker als von Frauen wird die AfD von Jungwählern gemieden: Die Rechtspopulisten kommen hier nur auf zwei Prozent.

Unter Älteren dominiert die SPD: Während sich die Partei bei Wählern unter 60 Jahren den Spitzenplatz mit den Grünen teilen muss (je 31 Prozent), holt sie in der Gruppe 60 plus die absolute Mehrheit (54 Prozent). Noch erdrückender ist die Dominanz der Sozialdemokraten bei den über 70-Jährigen (59 Prozent).

Das wichtigste Thema: Umwelt und Klima

Was Aufschluss über den Zugewinn der Grünen geben könnte: Umwelt und Klima waren das aus Sicht der Wähler wichtigste Thema (21 Prozent). Dahinter folgte eine ganze Reihe von Feldern, die die Entscheidung von Wählerinnen fast gleichermaßen stark beeinflussten: Verkehr und Infrastruktur (16 Prozent), Bildung (16 Prozent), soziale Sicherheit (16 Prozent), Wohnen und Mieten (15 Prozent). Zuwanderung spielte nur bei fünf Prozent der Befragten die größte Rolle bei der Stimmabgabe.

Die Vorgänge im Thüringer Landtag vor zweieinhalb Wochen hatten auf die Entscheidung von acht Prozent der Befragten "sehr großen Einfluss". Besonders prägten die Ereignisse von Erfurt das Abstimmungsverhalten von AfD-Anhängern (34 Prozent). Deutlich dahinter folgten Wähler der Linken (elf Prozent), der Grünen (sieben Prozent), der SPD (fünf Prozent) und der CDU (drei Prozent). Die befragten FDP-Anhänger sahen sich in ihrer Wahlentscheidung gar nicht von Thüringen beeinflusst.

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