Anti-Islam-Demonstration in Hannover Gewalt bei Hagida-Demo - viele Verletzte

Flaschen und Böller flogen, Pfefferspray wurde versprüht: Bei Ausschreitungen zwischen islamkritischen Hagida-Demonstranten, deren Gegnern und der Polizei wurden in Hannover Dutzende Menschen verletzt.
Polizeieinsatz in Hannover: Ausschreitung während Hagida-Demo

Polizeieinsatz in Hannover: Ausschreitung während Hagida-Demo

Foto: Julian Stratenschulte/ dpa

Hannover - Bei Demonstrationen der islamkritischen Hagida-Bewegung und deren Gegnern sind in Hannover 29 Menschen verletzt worden.

Wie die Polizei in der niedersächsischen Landeshauptstadt mitteilte , hätten sowohl Demonstranten als auch Polizisten Pfefferspray versprüht. Auch Flaschen und Böller seien geflogen. Dabei wurden 24 Beamte und fünf Demonstranten verletzt.

Etwa 240 Anhänger der Hagida-Bewegung, dem lokalen Pegida-Ableger in Hannover, hätten sich am frühen Abend auf dem Opernplatz versammelt, meldet die Polizei. Unter ihnen seien etwa 60 Personen aus dem rechten Spektrum gewesen. Einige Teilnehmer hätten sich zwischenzeitig verbotenerweise vermummt und wurden daraufhin vorläufig festgenommen.

Zeitgleich zur Hagida-Auftaktkundgebung hätten sich etwa 700 Personen aus dem linken Spektrum versammelt. Auch dabei sei es an der Absperrung zu einer Rangelei gekommen, die zu einer Festnahme führte. Bei einer Kundgebung mit 2000 Anti-Hagida-Demonstranten sei es friedlich geblieben, meldet die Polizei.

Die Bilanz der Polizei: Die Beamten leiteten insgesamt 22 Strafanzeigen gegen Teilnehmer der Hagida-Versammlung ein. Sie hätten gegen das Versammlungsgesetz oder gegen das Sprengstoffgesetz verstoßen, etwa weil sie pyrotechnische Gegenständen mitführten. Gegen Teilnehmer der Gegenveranstaltungen wurden insgesamt 29 Strafanzeigen gefertigt. Durch Übergriffe der Teilnehmer der Spontanversammlung seien am Platz der Weltausstellung vier Einsatzkräfte durch Pfefferspray und einer durch einen Tritt verletzt worden, so die Polizei.

Grönemeyer zeigt Verständnis

Auch in anderen Städten sahen sich Pegida-Anhänger mit größeren Gegenkundgebungen konfrontiert. In Frankfurt am Main verhinderten etwa 3000 Demonstranten einen Pegida-Schweigemarsch mit rund 70 Teilnehmern. In Bremen versammelten sich 7000 Menschen, um ein Zeichen für eine bunte und tolerante Stadt zu setzen, in Karlsruhe demonstrierten rund tausend Menschen für Weltoffenheit und Toleranz.

Mehr als ein Dutzend Künstler und Bands hatten sich bei einem Konzert in der Pegida-Hochburg Dresden für Toleranz und Weltoffenheit eingesetzt. Sänger Herbert Grönemeyer zeigte vor Zehntausenden Zuschauern auch Verständnis für die Politikverdrossenheit mancher Pegida-Demonstranten. Dies dürfe aber nicht dazu führen, "dass man sich als Zielscheibe und Projektion für diese Ängste, die man auch hat, plötzlich wieder eine Religion aussucht. Das hatten wir schon mal", warnte der 58-Jährige auf dem Neumarkt vor der Frauenkirche.

Fotostrecke

Anti-Pegida: Dresdner feiern Bürgerfest für mehr Weltoffenheit

Foto: Matthias Rietschel/ Getty Images
vek/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.