Attentäter von Paris "Der IS wollte uns beeindrucken"

Zwei der Pariser Attentäter sind als Flüchtlinge nach Europa eingereist und ließen sich dort registrieren. Der deutsche Verfassungsschutz geht davon aus, dass der IS damit demonstrieren wollte, welche Möglichkeiten er hat.

Trauer in Paris: Machtdemonstration der IS-Miliz
AFP

Trauer in Paris: Machtdemonstration der IS-Miliz


Kamen einige der Attentäter von Paris als Flüchtlinge nach Europa? Diese Frage stand nach den Terroranschlägen am 13. November schnell im Raum. Nun interpretiert der deutsche Verfassungsschutz das Vorgehen der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS): Nach Einschätzung der Experten habe der IS zwei der Attentäter als Flüchtlinge einreisen und registrieren lassen, um seine Macht zu demonstrieren.

"Der IS hat hier eine 'Show of Force' gemacht. Er wollte zeigen, was er kann", sagte der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen, dem Sender Phoenix. "Er wollte uns beeindrucken. Er wollte in Teilen auch den Flüchtlingsstrom diskreditieren."

Die Identität zweier Terroristen ist bis heute nicht abschließend geklärt: Sie wollten Sprengstoff im Stade de France zünden, wo die deutsche Fußball-Nationalmannschaft am Abend des 13. November gegen Frankreich spielte, gelangten aber nicht hinein. Bei den drei Anschlägen kamen insgesamt mindestens 130 Menschen ums Leben.

"Den IS als Terrororganisation zu bezeichnen, verniedlicht das Problem", so Maaßen. Dessen Vorgehen habe nichts mehr mit dem von Vereinigungen wie der RAF in den Siebziger- oder Achtzigerjahren zu tun. "Der IS ist ein staatsähnliches Gebilde, der einen Krieg gegen uns führen möchte."

In dem Interview sagte Maaßen weiter, er erwarte von der Politik eine bessere Organisation des Flüchtlingsandrangs. "Es ist wichtig, dass unsere Datenbanken abgefragt werden können", so der Verfassungsschutzpräsident. So könne erkannt werden, ob eine Person schon als terroristischer Gefährder gespeichert sei. "Wenn die Datenbank nicht abgefragt wird, können wir das Problem haben, dass jemand ins Land kommt, der gefährlich ist." Es sei wichtig, dass Deutschland zu geordneten Verhältnissen zurückfinde.

vek/dpa



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