Hans-Georg Wieck Ex-BND-Chef warnt vor Snowden-Vernehmung in Moskau

Die Bundesregierung prüft, ob sie Whistleblower Snowden in Moskau zur NSA-Affäre hört, die Grünen haben große Bedenken. Auch Ex-BND-Präsident Wieck warnt: Ein solches Gespräch würde vom russischen Geheimdienst abgehört und vom amerikanischen mitgeschnitten.

Hans-Georg Wieck (Archivbild von 2001): "Das Gespräch wird von den Russen abgehört"
AP

Hans-Georg Wieck (Archivbild von 2001): "Das Gespräch wird von den Russen abgehört"


Berlin - Deutsche Behörden sollen mit Edward Snowden Kontakt aufnehmen - um zu prüfen, ob er in der NSA-Affäre aussagen kann. Weil eine Reise Snowdens nach Deutschland als unwahrscheinlich gilt, wäre eine Befragung wohl nur in Moskau möglich. Doch das birgt Risiken.

Der ehemalige Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND), Hans-Georg Wieck, geht davon aus, dass ein Gespräch in Moskau sowohl von russischen als auch von amerikanischen Geheimdiensten abgehört würde. "Ich nehme nicht an, dass die Russen Probleme machen", sagte er der in Halle erscheinenden "Mitteldeutschen Zeitung", fügte aber hinzu: "Das Gespräch wird von den Russen abgehört und auch von den Amerikanern mitgeschnitten." Davon müsse man fest ausgehen.

Der Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele hatte bereits am Mittwoch gewarnt, deutsche Vertreter müssten bei einer Befragung den Bedingungen der russischen Behörden zustimmen. Im Klartext heißt das: Snowden wäre in Russland gar nicht Herr über seine Auskünfte. Details über die Arbeit der NSA würde er nach Ansicht von Ströbele daher nicht liefern können - oder wollen.

Denn hinzu kommt, dass Snowden in Moskau wohl gar nicht über die NSA sprechen will. Er möchte in Deutschland Asyl oder Aufenthalt bekommen - dann ist er bereit, vor einem Untersuchungsausschuss und gegebenenfalls auch gegenüber der Justiz auszusagen. So schildert es Ströbele, der Snowden vergangene Woche in Moskau getroffen hat.

Doch die Bundesregierung lehnt Asyl für den Informanten ab. Sie fürchtet, das deutsch-amerikanische Verhältnis würde zu stark belastet. Manche, die jetzt politisches Asyl für Snowden verlangten, wüssten gar nicht, welche außenpolitischen Probleme sie damit heraufbeschwören, heißt es mahnend in Regierungskreisen.

US-Außenminister John Kerry hat in einem Interview eingeräumt, dass die Enthüllungen über die Spionage des US-Geheimdienstes "ohne Frage" zu Spannungen im Verhältnis zwischen Washington und Berlin geführt hat. Er versprach Aufklärung - und ließ zugleich seinen Charme spielen. Deutschland sei ein "starker Partner" und die Deutschen seien "so herzlich zu uns Amerikanern und zu mir persönlich".

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kgp/dpa

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Hilfskraft 07.11.2013
1. so ist es
Zitat von sysopAPDie Bundesregierung prüft, ob sie Whistleblower Snowden in Moskau zur NSA-Affäre hört, die Grünen haben große Bedenken. Auch Ex-BND-Präsident Wieck warnt: Ein solches Gespräch würde vom russischen Geheimdienst abgehört und vom amerikanischen mitgeschnitten. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/hans-georg-wieck-ex-bnd-chef-warnt-vor-snowden-vernehmung-in-moskau-a-932307.html
da kann ich nur beipflichten und so sieht das auch Ströbele. Es muss eine andere Lösung geben. Auf neutralem abhörsicheren Boden und hier muss Russland mitspielen. Schlage die Schweiz vor, die ohnehin Interesse an Snowdens Aussage bekundet hat. Dort sollte er auch dauerhaft leben können.
THINK 07.11.2013
2.
Zitat von sysopAPDie Bundesregierung prüft, ob sie Whistleblower Snowden in Moskau zur NSA-Affäre hört, die Grünen haben große Bedenken. Auch Ex-BND-Präsident Wieck warnt: Ein solches Gespräch würde vom russischen Geheimdienst abgehört und vom amerikanischen mitgeschnitten. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/hans-georg-wieck-ex-bnd-chef-warnt-vor-snowden-vernehmung-in-moskau-a-932307.html
Welch bedeutende Information. Darauf wäre niemand, ausser einem Ex-BND-Präsidenten, gekommen. Vor Geheimdiensten, in denen solche Leute arbeiten, braucht wirklich niemand Angst haben.
jamey 07.11.2013
3. Verschwörungstheorien
Immer diese wilden Verschwörungstheorien! Die Amis sind doch unsere Verbündete, die würden so etwas nie nie nie tun. Die Russen haben auch nicht die technischen Mittel dazu, die leben doch noch in Höhlen.
kdknmh 07.11.2013
4. Die Lösung
Die EU soll gemeinsam handeln und Snowden Asyl gewähren! Lassen wir die USA die ganze EU boykottieren!
sfk15021958 07.11.2013
5. Ist doch egal, wann die Schlapphüte...
...die Wahrheit erfahren, oder?
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