Hans-Jochen Vogel Früherer SPD-Chef warnt Partei vor Rückzug aus GroKo

Hans-Jochen Vogel sorgt sich um die SPD. Bevor die Genossen über einen Austritt aus der Regierung nachdächten, sollten sie sich fragen: Was hätten wir denn in der Opposition umsetzen können?
Ex-SPD-Chef Hans-Jochen Vogel: "Ich rate meiner Partei, die Leistungen der SPD in dieser Bundesregierung sorgfältig zu bewerten"

Ex-SPD-Chef Hans-Jochen Vogel: "Ich rate meiner Partei, die Leistungen der SPD in dieser Bundesregierung sorgfältig zu bewerten"

Foto: Andreas Gebert/picture alliance / dpa

Er war von 1987 bis 1991 Parteivorsitzender der SPD und folgte damit auf Willy Brandt. Doch auch heute beschäftigt Hans-Jochen Vogel immer wieder die Zukunft seiner Partei. "Ich rate meiner Partei, die Leistungen der SPD in dieser Bundesregierung sorgfältig zu bewerten", sagte der 94-Jährige der "Rheinischen Post".  "Jeder, der aus der Koalition herausgehen will, muss sich fragen, ob wir diese Maßnahmen auch in der Opposition für die Menschen hätten durchsetzen können."

Vogel äußerte sich lobend über die Kandidatur von Finanzminister Olaf Scholz für den Parteivorsitz. Es sei "wichtig, dass auch Spitzenvertreter der SPD aus der Regierung im Kandidatenfeld repräsentiert sind". Er betrachte die Abstimmung über den Parteivorsitz auch als eine "Abstimmung über die Große Koalition", sagte Vogel. Dies lasse sich "nicht trennen".

Vogel lobt Doppelspitze

Er verstehe allerdings auch die Argumente der Gegner der Großen Koalition, "weil wir trotz unserer inhaltlich guten Arbeit eine Wahl nach der anderen verloren haben und jetzt um unsere Überlebensfähigkeit kämpfen müssen", sagte Vogel.

Er lobte anders als Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder die Festlegung des Parteivorstands auf eine Doppelspitze. "Das ist eine richtige und kluge Entscheidung, denn nur so wird Gleichberechtigung ernst genommen. Im Übrigen war es die SPD, die 1988 auf dem Parteitag in Münster eine 40-Prozent-Frauenquote eingeführt hat", betonte er.

Vor Kurzem hatte er gemeinsam mit acht früheren Parteivorsitzenden einen Aufruf an die Partei verfasst. "Die SPD befindet sich in einer ernsten Krise", hieß es darin. Die Ex-Chefs appellierten an die Mitglieder: Seid stolz auf das Erreichte! Denn nur wer von sich selbst überzeugt ist, kann auch andere überzeugen." Die SPD werde auch künftig gebraucht.

mfh/AFP