Humanitäre Krise Syrische Kriegsflüchtlinge landen in Hannover

5000 syrische Flüchtlinge will die Bundesrepublik insgesamt aufnehmen, die ersten 107 von ihnen sind in Hannover gelandet. SPD und Grüne fordern die Aufnahme weiterer Syrer, Innenminister Friedrich pocht auf eine EU-weite Lösung.

Flüchtlinge aus Syrien in Hannover: Begrüßung durch Innenminister Friedrich
DPA

Flüchtlinge aus Syrien in Hannover: Begrüßung durch Innenminister Friedrich


Hannover/Beirut - Um kurz nach 15 Uhr landete die Chartermaschine aus Beirut auf dem Flughafen Hannover. An Bord: 107 syrische Kriegsflüchtlinge - 38 Kinder und 69 Erwachsene.

Die Bundesregierung hatte die aufzunehmenden Flüchtlinge in enger Abstimmung mit dem Uno-Flüchtlingshilfswerk UNHCR ausgewählt. Für die Auswahl waren bestimmte "Schutzbedürftigkeitskriterien" maßgeblich. So werden etwa alleinstehende Kinder, Frauen ohne Angehörige oder Angehörige religiöser Minderheiten aufgenommen. Aber auch "familiäre Bezüge" zu Deutschland spielen bei der Auswahl eine Rolle. Insgesamt will Deutschland 5000 syrische Flüchtlinge aufnehmen. Sie kommen aus dem Libanon und anderen syrischen Nachbarländern nach Deutschland.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) begrüßte die Syrer auf dem Rollfeld in Hannover. Er verlangt eine europäische Lösung für das Problem. "Ich werde darauf drängen, dass wir möglichst schnell eine europäische Flüchtlingskonferenz einberufen", sagte Friedrich. "Deutschland gibt die Richtung vor, und die anderen müssen nachziehen, auch aus humanitären Gründen." Die EU-Staaten müssten sich gemeinsam über weitere Aufnahmen verständigen.

Politiker aller Parteien begrüßten die Ankunft der ersten Flüchtlinge, zugleich forderten Vertreter der Opposition die Aufnahme weiterer Menschen. "Es ist ein Gebot der Menschlichkeit, diese Menschen in Deutschland aufzunehmen", erklärte SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann. Niedersachsens SPD-Innenminister Boris Pistorius äußerte sich im NDR ähnlich: "Ich glaube, wir werden mit 5000 Flüchtlingen in Deutschland nicht auskommen. Wir werden mehr machen müssen - auch in den anderen europäischen Ländern." Schweden hat bereits angekündigt alle syrischen Flüchtlinge im Land unbefristet aufzunehmen.

"Neue Beschlüsse, wenn der Druck wächst"

Auch der Vize-Fraktionschef der Grünen im Bundestag, Josef Winkler, forderte die Aufnahme weiterer Flüchtlinge. Die bisherige Zusage könnte "angesichts des Ausmaßes der humanitären Katastrophe in Syrien und den Anrainerstaaten nur ein Anfang gewesen sein". Die innenpolitische Sprecherin der Linken, Ulla Jelpke, verlangte ebenfalls mehr Engagement. Nach Uno-Angaben sind mehr als sechs Millionen Syrer auf der Flucht - zwei Millionen sind ins Ausland geflohen, zudem gibt es mehr als vier Millionen Binnenflüchtlinge.

Die Menschenrechtsorganisation Pro Asyl hält die deutsche Initiative für völlig unzureichend. "5000 - das ist gemessen an der Katastrophe in Syrien wenig mehr als eine Geste", sagte der Pro-Asyl-Geschäftsführer Günter Burkhardt. Auch Grünen-Spitzenkandidat Jürgen Trittin verlangte von der Bundesregierung, deutlich mehr Syrien-Flüchtlinge aufzunehmen. "Als erstes sollte Deutschland allen hier lebenden Syrern erlauben, ihre Verwandten nach Deutschland zu holen. Damit könnten schon einmal 50.000 kommen", sagte Trittin der "Rheinischen Post".

Innenminister Friedrich schloss die Aufnahme weiterer Flüchtlinge in Deutschland nicht aus. "Wir werden neue Beschlüsse fassen müssen, wenn der Druck wächst", sagte der CSU-Politiker. Regierungssprecher Steffen Seibert hatte sich Stunden zuvor in Berlin noch anders geäußert. Die Bundesregierung wolle das Aufnahmekontingent nicht erhöhen, sagte Seibert. Seit 2011 habe Deutschland mehr als 18.000 syrische Asylbewerber aufgenommen, so Merkels Sprecher weiter. Schwerpunkt müsse die direkte Hilfe in der Region bleiben, für die Deutschland etwa 350 Millionen Euro zur Verfügung gestellt habe.

Die in Hannover gelandeten Flüchtlinge sollten noch am Nachmittag in das Durchgangslager Friedland bei Göttingen gebracht werden. Sie bleiben dort zwei Wochen. Während dieser Zeit werden ihnen erste Kenntnisse über Sprache und Land vermittelt. Danach werden sie auf die Bundesländer verteilt.

syd/dpa/AFP

insgesamt 11 Beiträge
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ronniii 11.09.2013
1. Rußland oder China...
da gehören die Flüchtlinge hin, denn diese beiden Mitglieder des UN Sicherheitsrates sind Schuld an Dauer und Umfang des syrischen Dramas.
orchidee 11.09.2013
2. Zustimmung
Zitat von ronniiida gehören die Flüchtlinge hin, denn diese beiden Mitglieder des UN Sicherheitsrates sind Schuld an Dauer und Umfang des syrischen Dramas.
Es ist erstaunlich was unsere "Regierung" aus unserem Land gemacht hat. Erst die Aufnahme der ärmsten Länder Europas in die EU. Dadurch kommen ja allerlei Menschen ins "goldene" Deutschland, die dann durch Zahlungen am Leben gehalten werden. In Berlin Leute die nach ihrem Glauben mit mehreren Frauen verheiratet sind und die Frauen dadurch ja als Alleinerzieher mehr Geld Vom Staat bekommen. Jetzt noch Iraner nach Deutschland. Dadurch müssten unsere Politiker in der Regierung den Nobelpreis bekommen, da "Sie" Deutschland zum "" SOZIALAMT "" Europas gemacht haben. Dabei stopfen "Sie" sich selber die Taschen voll,siehe Abgeordnete der CSU in Baiern, vorgesehene Erhöhung der Abgeordnetenpauschale, aber natürlich nach der Wahl!!!!!!! Danke für diese "" Vertreter des Volkes "" .
messwert 11.09.2013
3. Flüchtlingsaufnahme hin oder her!
Der dazu ausgeübte Druck durch einschlägige Organisation, politische Parteien, Medien und Kirchen -speziell auf uns Deutsche -, ist nicht nur zwanghaft, sondern vor allem UNGERECHT. Durchgehende seit Jahrzehnten, ist Deutschland Ziel von vielen hunderttausenden Flüchtlingen aus aller Welt und die allermeisten bleiben auf Dauer. Von keinem dieser permanenten Aufnahme- Forderer wird diese Tatsache auch nur erwähnt geschweige, dass täglich weitere Gruppen eintreffen. Entsprechend verhält man sich jetzt bei den syrischen Flüchtlingen als würde es sich um einen Ausnahmefall handeln und eben deshalb 5.000 aufzunehmen seien. Jene rund 15.000 Syrien-Flüchtlinge die bereits da sind, brauchen halt nicht mehr bewilligt zu werden. Während derweil der Bundesinnenminister von möglicher Aufstockung spricht, verlangen die GRÜNEN 50.000 Syrier aufzunehmen. Es ist halt wie immer, -für unsere Politik und Flüchtlingsindustrie gibt es für jedweden internationalen Hilfebedarf nur EINE Zuständigkeit in der westlichen Allianz, -Deutschland-! Warum auch sollte der Leistung erbringende Anteil unserer Gesellschaft, neben dem 25%igen Teil der Sozialhilfeempfänger, nicht auch dafür aufkommen können. Zudem haben wir Einheimische, in punkto Flüchtlinge, ja pflichtgetreu die hierzulande -multikulturelle Umstrukturierung- dankbar zu begrüßen. Nur, wie lange gelingt das noch?
alibaba2011 11.09.2013
4. Syrier-Flüchtlinge
wenn man die Fernsehbilder vom 11.09.2013 in den Nachrichten 20:00 Uhr anschaut, wie die "Flüchtlinge" aus dem Flugzeug aussteigen, hat man aber eher den Eindruck, es kommen wohlhabende Urlauber aus einem südlichen Land.Wohlgenährt,in feinem Zwirn gekleidet,dicke Goldkette am Hals (Mann) und Rollenkoffer wie tausendfach am Flughafen. Bin gespannt , wenn andere Bilder auftauchen! Vermummt bis zu den Füssen, Rauschebart und weisser Turban.
Forumname:Mitdenken! 12.09.2013
5. Jetzt mal schön die Luft anhalten,
und Gehirn einschalten. Sorry, aber die Kommentare hier haben mich echt schockiert. Ob die Flüchtlinge einen Rauschebart haben oder sich in feinem Zwirn kleiden, sollte nun wirklich kein Kriterium für deren Aufnahme sein. Vergesst mal nicht, dass sie alle Flüchtlinge sind, weil in ihrem Land Krieg herrscht. Diese Menschen haben sich sicher nicht gewünscht Haus und Hof zu verlassen, um als Flüchtlinge in einem fremden Land zu wohnen. Wir können uns glücklich schätzen in einem Wohlfahrtsstaat zu leben, in dem zudem auch noch Frieden herrscht! Warum seid ihr nicht bereit, euer Glück zu teilen? Wie kommt es, dass ihr euch für was Besseres haltet als die Flüchtlinge? Sollten wir nicht eigentlich über jeden Menschen dankbar sein, den wir vor dem Krieg bewahren können? Und warum alles auf die Nachbarstaaten abwälzen wollen, anstatt als Vorbild voranzugehen! Hier sind 6 Million Menschen auf der Flucht! Hier ist Handeln angesagt! Hört mal auf mit diesem Egoismus und denkt mal genau darüber nach. Wirklich, ein paar Euros vom Staat lassen euch vergessen, dass es sich hierbei um Menschenleben handelt?
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