Friedrich zu Gabriels Stinkefinger "Mir geht es bei dem ganzen linken Pack genauso"

In der Diskussion um Sigmar Gabriels Stinkefinger gegen Neonazis meldet sich Hans-Peter Friedrich zu Wort. In einem Tweet äußert der Ex-Innenminister Verständnis - mit bemerkenswerter Begründung.

Hans-Peter Friedrich (CSU) im Bundestag
DPA

Hans-Peter Friedrich (CSU) im Bundestag


Für seine Kommentare auf Twitter ist Hans-Peter Friedrich (CSU) inzwischen berüchtigt. Im März etwa kritisierte der frühere Bundesinnenminister die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung und empfahl der Kanzlerin indirekt, ins rot-grüne Lager zu wechseln.

In der Nacht von Samstag auf Sonntag ließ sich Friedrich erneut zu einem besonders provokanten Tweet hinreißen, dieses Mal als Antwort auf den SPD-Chef und Vizekanzler Sigmar Gabriel.

Dieser hatte sich zuvor verteidigt, pöbelnden Neonazis vor rund zwei Wochen den Stinkefinger gezeigt zu haben. "Ich habe nur einen Fehler gemacht, ich habe nicht beide Hände benutzt", sagte Gabriel laut vorab verbreiteten Ausschnitten aus dem ZDF-Sommerinterview.

Hans-Peter Friedrich nutzt nun das mediale Interesse, um seine Position zu verdeutlichen - allerdings nicht gegenüber Rechtsextremen, sondern der Gegenseite:

Dass Friedrich in diesem Zusammenhang den Begriff verwendete, dürfte kein Zufall sein, sondern ebenfalls an Gabriel angelehnt. Der hatte seinerzeit nach den fremdenfeindlichen Ausschreitungen im sächsischen Heidenau die rechten Randalierer als Pack bezeichnet.

Friedrich hat in den vergangenen Tagen und Wochen immer wieder mit deutlichen Tweets auf sich aufmerksam gemacht. Europa müsse "entschlossen seine christlich-abendländische Kultur" verteidigen, die doppelte Staatsbürgerschaft sei ein "großer politischer Fehler". Auch für ein mögliches Scheitern des Flüchtlingspakts hatte der CSU-Politiker Anfang August eine Idee:

Politisch interessierte Twitter-User dürften also bereits gewohnt sein, wie der frühere Innenminister dort auftritt. Dennoch wächst nach seinem jüngsten Kommentar der Protest. Mit seiner Wortwahl bediene sich Friedrich bei der AfD, auch sei der Vergleich zwischen Neonazis und Linken unangemessen - zumal Friedrich versäumt zu erklären, ob er auch den Stinkefinger gegen Rechtsradikale gutheißt. Ein User vermutete, Friedrich sei womöglich auf der Maus ausgerutscht.

Der Berliner Grünen-Politiker Stefan Gelbhaar fragte derweil nach einer präziseren Beschreibung des "linken Packs", noch ohne Reaktion. Auch für diese Debatte dürfte es also in Kürze eine Fortsetzung geben.

che



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