Hape Kerkeling kritisiert CDU "Frau Merkel, ran an die Buletten"

Er saß für die CDU in der Bundesversammlung, doch nun ist Hape Kerkeling enttäuscht: Eine Ablehnung der "Ehe für alle" hält der Künstler für fatal. Im SPIEGEL appelliert er an die Kanzlerin.

Hape Kerkeling
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Hape Kerkeling


Der Schauspieler und Buchautor Hape Kerkeling, der erst neulich als Wahlmann der CDU den Bundespräsidenten mitgewählt hat, kritisiert die Partei, weil sie eine Gleichbehandlung homo- und heterosexueller Paare ablehnt. "Es ist überfällig, dass die Ehe für alle endlich eingeführt wird", sagte Kerkeling, dessen Hochzeit mit seinem Lebenspartner am Donnerstag bekannt wurde.

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Heft 14/2017
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"Ich finde es beschämend für Deutschland, dass das nicht schon längst geschehen ist", sagte Kerkeling dem SPIEGEL. Eine Demokratie müsse sich immer daran messen lassen, wie sie mit ihren Minderheiten umgehe. "Also, Frau Merkel, ran an die Buletten", so Kerkeling. "Das schaffen Sie!" (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

Auch in der CDU mehren sich die Stimmen für einen Kurswechsel: "Es ist doch zu begrüßen und auch wünschenswert, dass Menschen sich binden und füreinander einstehen wollen", sagt Nadine Schön, Vizechefin der Unionsfraktion und zuständig für Familienpolitik. "Der Staat sollte dies unterstützen." Jens Spahn, Parlamentarischer Staatssekretär beim Finanzministerium, hatte jüngst den Wunsch geäußert, mit seinem Partner Kinder zu adoptieren.

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insgesamt 66 Beiträge
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Seite 1
d.enkmalwieder 01.04.2017
1. Kritik-Tröpfchen
So sehr ich den HP schätze- hier hätte er imho anders Stellung beziehen müssen. Die ideologische Einstellung der CxU in diesen Fragen ist bekannt; hätte er hier wirklich mehr Signalwirkung erzielen wollen hätte er sagen müssen: "Sorry liebe CDU; für EUCH gehe ich solange nicht in die Bundesversammlung bis..." Das hätte der Sache einiges mehr an Reichweite und auch Glaubwürdigkeit verschafft.
siebke 01.04.2017
2. !!!
Natürlich sollte , muss es möglich sein eine Ehe einzugehen. Egal welcher Orientierung, das hat was mit dem Grundgesetz zu tun.
Hyperboraeer 01.04.2017
3. Wird es mit der CDU/CSU nicht geben,
da seien Gott, die CSU und die konservativen Kreise der CDU vor! Von daher kann man HaPe nur zurufen: Augen auf, von welcher Partei man zur Wahl des Bundespräsidenten zur Bundesversammlung gerufen wird und welchem Aufruf man dann tatsächlich folgt. Bei aller Ehre, die so ein Aufruf darstellen mag, sollte man doch VORHER überlegen, welches politische Statement des politischen Einverständnisses man da selbst abgibt. Hinterher "jammern" gilt nicht! Man macht sich ja freiwillig zum Steigbügelhalter und HaPe hätte auch schlichtweg "Nein, danke!" sagen können. Hat er aber nicht. Jetzt Krokodilstränen zu heulen wirkt ein wenig heuchlerisch - oder zumindest, als habe er hier nicht ausreichend lange über o.g. nachgedacht.
zudummzumzum 01.04.2017
4. Der Komiker hat Recht
Der Staat sollte sich völlig aus der Frage raushalten, wer mit wem zusammenlebt. Aber die CDU weiß genau, wie fragwürdig die vielfältigen Förderungen der Ehe als auf Dauer angelegte Partnerschaft von Mann und Frau sind – und dass die rechtliche Gleichstellung anderer Formen des Zusammenlebens genau diese Förderungen auf den Prüfstand stellen würden. Denn in Wirklichkeit ist der Großteil dessen, was wir als "Familienförderung" bezeichnen, in Wirklichkeit die Förderung der kinderlosen Beziehung zwischen Partnern mit möglichst großen Einkommens- und Vermögensunterschieden. Bei Erziehenden, oder gar Kindern, kommt nur der kleinste Teil an. Und damit bedroht die Gleichstellung der "Homo-Ehe" den Bestand der Normalehe, wie sie die Konservativen seit Jahrzehnten gewöhnt sind: Jede Menge Geld in der privaten Lebensführung sparen ("Bedarfsgemeinschaft") und zusätzlich das Ganze noch vom Staat bezuschussen lassen. So plündert die "obere Mitte" den Staat aus. Deshalb: Ehegattensplitting weg, Zugewinngemeinschaft und Versorgungsausgleich bei der Scheidung Kinderloser weg, Freibeträge bei Schenkung und Erbschaft reduzieren. Die Formulierung im Grundgesetz "Ehe und Familie" stammt aus einer Zeit, als Homosexualität ebenso strafbar war wie Kuppelei – und ist von daher als Einheit zu begreifen. Eine Familie ohne Ehe war schwer darstellbar, ebenso war eine Ehe ohne Familie eine Ausnahme. Das Zusammenleben zweier Erwachsener Menschen bedarf jedenfalls nicht des hohen grundgesetzlichen Schutzes, den die Konservativen der Ehe eingeräumt wissen wollen. Da hat der Komiker Recht.
3e8v7r 01.04.2017
5. Evangelische Kirche ist schon weiter
Die CDU sollte sich nicht länger gegen die Ehe gleichgeschlechtlicher Paare stellen. Vielmehr sollte sie sich ein Bespiel an der Evangelischen Kirche nehmen. In Berlin, Brandenburg und in der Oberlausitz können sich schwule und lesbische Paare seit 1. Juli 2016 trauen lassen. Die Landeskirche ist damit nach Hessen und Nassau und der rheinischen Kirche die dritte der bundesweit 20 EKD-Mitgliedskirchen, die eingetragene Lebenspartnerschaften bei kirchlichen Hochzeiten mit klassischen Ehepaaren gleichstellt. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die restlichen Ev. Landeskirchen diesem Beispiel folgen werden.
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