Hassbotschaften im Netz Kauder warnt vor Scheitern von Facebook-Gesetz

Neuer Streit in der Koalition: Unionsfraktionschef Kauder fordert nach SPIEGEL-Informationen Justizminister Maas auf, endlich konkrete Vorschläge zur Bekämpfung von Hassbotschaften im Netz vorzulegen. Die Zeit werde knapp.
Volker Kauder

Volker Kauder

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In der Unionsfraktion herrscht zunehmend Verärgerung über Justizminister Heiko Maas (SPD) und dessen Umgang mit dem Thema Hassbotschaften im Netz.

In einem zweiseitigen Brief an Maas, der dem SPIEGEL vorliegt, mahnt Unionsfraktionschef Volker Kauder den Justizminister in freundlichen, aber klaren Worten, seinen Ankündigungen in der Sache nun endlich konkrete Taten folgen zu lassen. Laut Kauder habe Maas entgegen der Absprachen in der Koalition immer noch keine konkreten Gesetzestexte zur Bekämpfung von Hassbotschaften im Netz vorgelegt.

Im Koalitionsvertrag sei vereinbart worden, den strafrechtlichen Schutz vor Beleidigungen in sozialen Netzwerken und Internetforen zu verbessern, schreibt Kauder an Maas und mahnt: "Hierzu steht noch ein Gesetzentwurf Ihres Hauses aus."

Auch zu der Frage, wie Betreiber sozialer Medien dazu gebracht werden könnten, strafrechtlich relevante Hassbotschaften, Beleidigungen und Verleumdungen zu löschen, vermisst Kauder konkrete Vorschläge von Maas. "Wir haben in intensiven Gesprächen die Problematik erörtert und waren uns einig, dass nach der langen Zeit des Dialoges mit den Plattformbetreibern nun Taten folgen müssen", schreibt Kauder an Maas. Und weiter: "Sie hatten angekündigt, im Februar 2017 hierzu einen Gesetzentwurf vorzulegen. Ich bitte sie um Mitteilung, wann mit der Vorlage zu rechnen ist."

Kauder drängt zur Eile

Ausdrücklich warnt Kauder vor einem möglichen Scheitern des Vorhabens, sollte Maas nicht rechtzeitig vor Ablauf der Legislaturperiode in diesem Herbst entsprechende Vorschläge ins Parlament einbringen. Kauder wörtlich: "Die noch zur Verfügung stehende Zeit für parlamentarische Beratungen ist begrenzt, weshalb Eile geboten ist."

Kauders Schreiben dürfte im Justizministerium auf wenig Begeisterung stoßen. Maas gerät damit bei dem Thema von zwei Seiten unter Druck. Erst in der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass seine Parteifreundin, Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries, eine zu weit gehende Regulierung der Arbeit von Social-Media-Plattformen ablehnt.

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