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Hausmitteilung Titel, Kindesmissbrauch, Stallone, Flüchtlingsschicksal

aus DER SPIEGEL 49/2021

Titel

Großekemper, Wehler

Großekemper, Wehler

Foto: Peter Schinzler / DER SPIEGEL

Als Tobias Großekemper in den Journalismus wechselte, dachte der gelernte Krankenpfleger, er werde beruflich keine Intensivstation mehr sehen. Es kam anders. Vor zwei Wochen besuchte er eine Klinik in Leipzig, in dieser Woche eine Intensivstation in Augsburg, in der sich das Personal unter Chefarzt Markus Wehler nun auf das bislang Undenkbare vorbereitet: die harte Triage, die Entscheidung, wer leben darf und wer sterben muss, wenn die Kapazitäten angesichts der vielen schwer kranken Covid-Patienten nicht reichen. Seine Beobachtungen sind Teil der Titelgeschichte, für die ein SPIEGEL-Team um Autor Jürgen Dahlkamp mit Ärzten sprach, mit Klinikchefs, mit Rettern, die Patienten ausfliegen. Ein weiteres SPIEGEL-Team berichtet über den Lockdown-Streit in der neuen Regierungskoalition. Reporter Ullrich Fichtner analysiert das politische Versagen in der Pandemie. Lässt sich das Schlimmste noch verhindern? »In Augsburg hat man wenig Hoffnung«, sagt Großekemper. »Die Patienten werden jünger, liegen länger, das bringt die Stationen zum Überlaufen; was dann passiert, mag sich niemand vorstellen.«

Kindesmissbrauch

Der Austausch von Fotos und Videos, die oft schweren Kindesmissbrauch zeigen, hat in den vergangenen Jahren drastisch zugenommen – er findet vor allem im Darknet statt. Deutschen Strafverfolgern gelang es zwar zuletzt, einige Chatgruppen und einschlägige Plattformen abzuschalten und Täter festzunehmen. Eine gemeinsame Recherche des SPIEGEL und des Norddeutschen Rundfunks zeigt nun jedoch, dass die Behörden mit einfachsten Mitteln viel mehr tun könnten. Gut 13 Terabyte Videos und Bilder meldete das Team im August an sogenannte Filehoster-Firmen, private Unternehmen, die von den Pädokriminellen genutzt werden, um ihre Inhalte zu verbreiten. Die Daten wurden gelöscht. Auch gelang es den Journalisten, erstmals Einblicke in die größte Missbrauchsplattform im Darknet zu bekommen. »Ich bin überrascht, wie unfassbar groß und skrupellos diese Szene ist«, sagt Reporter Max Hoppenstedt. Im November suchten die Rechercheure nochmals in den Foren und entdeckten wieder 20 Terabyte Daten, gespeichert bei denselben Hosting-Diensten.

Stallone (l.), Hujer

Stallone (l.), Hujer

Foto: Martin Schoeller / DER SPIEGEL

Mit seinen »Rocky«– und »Rambo«-Filmen hat er es zu Weltruhm gebracht, aber Sylvester Stallone ist nicht nur Schauspieler und Drehbuchautor, er malt auch mit großer Leidenschaft. Reporter Marc Hujer hat Stallone in seiner neuen Villa in Palm Beach in Florida besucht, in der er gerade seine private Kunstsammlung aufhängen ließ. Stallone erzählte Hujer, warum er lieber malt, als Filme zu drehen, und warum er glaubt, dass sein größeres Talent in der Malerei liegt. Hujer erlebte einen Mann, der auch mit 75 noch immer den nächsten Kampf sucht. »Er hat seinen Welterfolg einer riesigen Wut zu verdanken«, sagt Hujer, »aber diese Wut lässt ihn auch nie zur Ruhe kommen.«

Sajida, Mustafa, Lehnen

Sajida, Mustafa, Lehnen

Foto: Emin Ozmen / DER SPIEGEL

Es gibt Fotos, die gehen einem tagelang nicht aus dem Kopf. Das diesjährige Siegerfoto des renom­mierten Siena International Photo Award ist so eines. Es zeigt einen syrischen Vater, der seinen Sohn beim Spielen hochhält. Dem Mann fehlt ein Bein. Der Junge hat überhaupt keine normal entwickelten Gliedmaßen. Doch beide strahlen. Das bewegende Vater-­Sohn-Porträt ging Ende Oktober um die Welt, zusammen mit dem Hinweis, Mustafas Fehlbildungen seien Folge eines Nervengiftangriffs im April 2017 in der syrischen Stadt Chan Scheichun. Redakteurin Eva Lehnen hat den kleinen Mustafa, seine Eltern und die jüngeren Schwestern Sajida und Nour in der Türkei besucht, wo die Familie seit der Flucht aus ihrer Heimat Syrien lebt. Gerührt waren Lehnen und Übersetzerin Sama Tayfor von der Zuversicht des Vierjährigen. »Mustafa hat fest vor, eines Tages Fahrrad zu fahren«, sagt Lehnen.

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