Zur Ausgabe
Artikel 3 / 71
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

Hausmitteilung Mützenich, Mali, Hermisson, SPIEGEL GESCHICHTE

aus DER SPIEGEL 21/2022

Mützenich

SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich und SPIEGEL-Reporter Christoph Hickmann kennen sich seit Langem. In ihrem ersten Gespräch vor knapp einem Jahrzehnt erklärte Mützenich dem Journalisten, dass er ihn gern hin und wieder anrufen könne, er aber generell selten mit der Presse rede und schon gar keine Interna erzähle. Zum Leidwesen des Reporters hielt Mützenich sich stets daran. In den letzten Wochen hat Hickmann trotzdem häufig mit Mützenich sprechen können. Der Sozialdemokrat hat Zeit seiner Karriere für Abrüstung gekämpft, nun muss er als Fraktionschef Anträge zu schweren Waffen und zur größten Aufrüstung seit dem Kalten Krieg durchs Parlament bringen. Hickmann wollte herausfinden, wie Mützenich damit umgeht. »Er ringt mit sich«, sagt Hickmann. »Er findet das alles ganz fürchterlich, davor weglaufen will er trotzdem nicht.«

Der Krieg in der Ukraine läuft gar nicht gut für Wladimir Putin, aber im afrikanischen Bürgerkriegsland Mali besiegeln russische Kämpfer gerade eine empfindliche Niederlage des Westens. Söldner der Gruppe Wagner erledigen schmutzige Jobs für die dortige Junta, die Franzosen ziehen ihre Truppen demnächst ab, die Lage der Bundeswehreinheit dort wird prekär. Wie die Russentruppe mit der Armee kooperiert, zeigte sie beim Massaker von Moura, mindestens 300 Menschen wurden dort getötet. SPIEGEL-Korrespondent Fritz Schaap hat es geschafft, ins Land zu gelangen, das für viele Journalisten nur noch schwer zugänglich ist. In der Hauptstadt Bamako sprach er mit Augenzeugen des Massakers, mit europäischen Diplomaten und Militärs. Sie sagten, so Schaap, »dass die Söldner Zivilisten mit voller Absicht töteten.«

Üblicherweise sprechen Journalisten mit den Personen, über die sie schreiben. Oft begleiten sie sie auch, aber während der Recherche über die 19-jährige Milena Hermisson und ihre tückische Krankheit war nichts davon möglich für SPIEGEL-Redakteurin Nina Weber. Denn Hermisson geht nirgendwo hin und sie spricht nicht mehr. Hermisson leidet, wie schätzungsweise 300.000 Menschen in Deutschland, an einer ungeheuerlichen Erschöpfung, am Chronischen Fatigue-Syndrom, einer Krankheit, deren Ursachen weitgehend unbekannt sind, die kaum behandelbar ist und manche Patienten dauerhaft ins Bett zwingt. Wie sie und ihre Eltern gelernt haben, mit der Krankheit zu leben, beschreibt Weber im Wissenschaftsteil. Ihre wichtigsten Gesprächspartner waren die Eltern der Kranken.

Hunger, Angst und Tod gehörten zum Haftalltag der etwa 35 Millionen Kriegsgefangenen im Zweiten Weltkrieg. Unter ihnen waren mehr als elf Millionen Deutsche; die letzten kehrten erst Mitte der Fünfzigerjahre nach Hause zurück. Heute hat ein Großteil der Deutschen einen Vater, Großvater oder Urgroßvater, der selbst Kriegsgefangener war. Die aktuelle Ausgabe von SPIEGEL GESCHICHTE »Kriegsgefangenschaft« zeichnet die Erlebnisse und Traumata dieser Männer nach und beschreibt, welche Qualen Millionen ausländische Kriegsgefangene in deutschen Lagern auszuhalten hatten, wo sie Zwangsarbeit leisten mussten. Zu Wort kommen unter anderem die Historikerinnen Elke Gryglewski und Barbara Stelzl-Marx, sie erklären, warum das Thema Kriegsgefangenschaft in Deutschland und Österreich jahrzehntelang verdrängt wurde. Das Heft erscheint am kommenden Dienstag.

Zur Ausgabe
Artikel 3 / 71
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.