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Hausmitteilung Sylt, Panama Papers, Ukraine, »Dein SPIEGEL«, SPIEGEL GESCHICHTE

aus DER SPIEGEL 30/2022

Sylt

Erst waren es die Punks, die Sylt vor einigen Wochen in die Schlagzeilen brachten, weil sie mit dem 9-Euro-Ticket auf die Reicheninsel reisten. Wenig später diente die Nordseeinsel Bundesfinanzminister Christian Lindner als Kulisse für seine Hochzeit mit der TV-Journalistin Franca Lehfeldt. Punks und Promis – das ist Sommertheater und zugleich ein auf die Spitze getriebenes Spiegelbild des Landes. SPIEGEL-Autor Sebastian Hammelehle fand eine Insel vor, die im Geld versinkt. Der Quadratmeter kostet so viel wie ein Kleinwagen, reiche Zweitwohnungsbesitzer graben sich unter ihren aufgemotzten Friesenhäusern in mehrstöckigen Kellern ein – und die Alteingesessenen ziehen aufs Festland. Hammelehle sprach mit Lokalpolitikern, Gastronomen, Maklern und der Bestsellerautorin Susanne Matthiessen über den Wandel der deutschen Trauminsel zur Promi-Festung. Weil vor einem Reetdachhaus in Kampen die rot-gelb-grüne Flagge der Rastafaris wehte, sprach Hammelehle den Besitzer an. Der bat ihn herein und legte alten Reggae auf. Damit habe er als Kardiologe in Hamburg vor Operationen seine Patienten beruhigt.

Foto: paper trail media

Sieben Jahre ist es her, dass Bastian Obermayer und Frederik Obermaier erstmals Kontakt mit der Person hatten, die sich »John Doe« nennt. Damals arbeiteten die beiden Journalisten für die »Süddeutsche Zeitung«. Die anonyme Quelle hatte der Redaktion ein Datenleak offeriert. Es war der Beginn eines investigativen Großprojekts. Im April 2016 veröffentlichten mehr als 100 Medienhäuser weltweit unter dem Titel »Panama Papers« ihre Recherchen über die geheimen Steueroasen der Reichen und Mächtigen. In der Folge traten Regierungschefs und Minister zurück, mehr als 1,3 Milliarden Dollar an Strafen und Steuern wurden eingetrieben. Sechs Jahre später meldete sich »John Doe« erneut bei den beiden Journalisten, die inzwischen für den SPIEGEL tätig sind. Der Anonymus gab den beiden sein erstes Interview. Da »John Doe« weder sein Geschlecht noch seine Identität preisgeben will, führten sie das Gespräch über eine verschlüsselte Internetverbindung. Zu hören war nur eine Computerstimme. »Es war eine absurde Situation, die zu der verrückten Recherche aber gepasst hat«, sagt Obermayer.

Foto: Johanna Maria Fritz / OSTKREUZ / DER SPIEGEL

Es sind vor allem Frauen mit ihren Kindern, die aus der Ukraine geflüchtet sind. Die Männer bleiben, um das Land gegen die russische Armee zu verteidigen. Raketenangriffe gehören auch jenseits der Front zum Alltag, trotzdem wollen viele der rund 880.000 in Deutschland registrierten ukrainischen Geflüchteten nach Hause. So wie jene drei Frauen, die SPIEGEL-Redakteurin Christine Keck (r.) getroffen hat. »Sie haben ihr früheres Leben vermisst, die Freunde, die Angehörigen, die Arbeit, das eigene Bett«, sagt Keck. Mit einer von ihnen, der Zahnärztin und Mutter Inna Dorokhina aus Winnyzja in der Zentralukraine, fuhr sie auf der Rückreise im Auto mit. Keck war auch dabei, als Dorokhina nach Monaten der Videocalls ihren Mann wieder in die Arme schließen konnte. Knapp drei Wochen später schlugen in der Stadt russische Raketen ein.

»Dein SPIEGEL«, SPIEGEL GESCHICHTE

Fast die Hälfte der Menschen, die weltweit auf der Flucht sind, sind jünger als 18 Jahre. Die Titelgeschichte von »Dein SPIEGEL«, dem Nachrichten-Magazin für Kinder, geht der Frage nach, wie Mädchen und Jungen es erleben, wenn sie ihre Heimat verlassen müssen. Die neue Ausgabe von SPIEGEL GESCHICHTE beschäftigt sich mit Pompeji, das im Jahr 79 n. Chr. dem Ausbruch des Vesuv zum Opfer fiel – ein Segen für Forscher: Die Vulkan-Asche konservierte die Stadt. Beide Hefte erscheinen nächsten Dienstag.

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