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Hausmitteilung Titel, Emix, Südkorea

aus DER SPIEGEL 9/2022

Titel

Es ist eine Zeitenwende. Am frühen Donnerstagmorgen hat Russland die Ukraine angegriffen. Damit herrscht ein großer Krieg mitten in Europa, wie ihn viele Menschen nicht mehr für möglich gehalten hätten. Russlands Präsident Wladimir Putin attackiert die Friedensordnung Europas und nimmt den Tod Tausender Zivilisten in Kauf.

Wie sich der minutiös vorbereitete Feldzug Ende der Woche entfaltete, verfolgte ein SPIEGEL-Team vor Ort. Christian Esch recherchierte unter anderem im ukrainischen Kramatorsk. Christina Hebel konnte auf russischer Seite der Front beobachten, wie Putins Truppen im Grenzgebiet zum Donbass wenige Stunden vor der Offensive in Stellung gingen. Jonathan Stock und Alexandra Rojkov berichten aus Kiew, wo sie mit verängstigten Ukrainern sprachen, die inzwischen etwa in Metrostationen Zuflucht suchen.

Was bedeutet der Krieg für die Weltordnung, für die fast kaputtgesparte Bundeswehr, die Nato, die Wirtschaft? Putins Angriff auf die Ukraine beende die Hoffnung des Westens auf ein »gemeinsames ›Wir‹ der Menschheit«, schreibt der Politikwissenschaftler Herfried Münkler in einem Essay: »Was wir jetzt erleben, ist eine Ordnung, wie wir sie aus der europäischen Geschichte kennen: ein permanenter Kampf um Einflussgebiete und die daraus resultierende ständige Furcht, es könnte zu einem großen Krieg kommen.«

Emix

Für eines der größten Rätsel rund um die Maskenbeschaffung in der Pandemie stehen vier Buchstaben: Emix. Nicht nur die Staatsanwaltschaft München fragt sich, wie Schweizer Jungunternehmer mit einer Minifirma öffentliche Aufträge für knapp eine Milliarde Euro ergattern konnten. Auch der SPIEGEL, der den Fall vor gut einem Jahr publik machte und eine Verbindung zur CSU aufdeckte, recherchierte weiter. Dabei stieß das Team nun auf abenteuerliche WhatsApp-Chats und andere Interna aus dem Emix-Lager. Demnach flossen offenbar nicht nur die bekannten 48 Millionen Euro Provision an Andrea Tandler, Tochter des früheren Strauß-Vertrauten Gerold Tandler, und deren Partner. Auch ein Schweizer Geschäftsmann könnte als Makler Millionen an den Deals verdient haben. Tandler schweigt eisern. »Man hat den Eindruck, die öffentliche Empörung ist in den Millionen eingepreist – Augen zu und durch«, sagt Reporter Jürgen Dahlkamp. Trösten kann sich Tandler zum Beispiel mit gleich zwei Villen, die sie sich inzwischen mit ihrem Partner im Münchner Nobelvorort Grünwald sicherte.

Südkorea

Als Redakteurin Katharina Graça Peters die Grundschule in dem südkoreanischen Dorf Bugil besuchen wollte, musste sie erst die Hühner vorbeilassen, die über den Hof liefen. Die Schule ist ein idyllischer Ort – doch es fehlt an Kindern und damit an Chancen für die Zukunft. Südkorea hat die niedrigste Geburtenrate der Welt und versucht mit Milliardenaufwand gegenzusteuern. Trotzdem entscheiden sich immer mehr Paare gegen ein Baby. Auf der Suche nach Erklärungen hat Peters mit einem Dutzend Frauen auch in der Hauptstadt Seoul gesprochen, unter ihnen die Barmanagerin Lee Chan-kyung, 37. Eine Familie zu gründen, sei nicht nur teuer in Südkorea. Für Frauen bedeute sie oft das Ende des Berufslebens, sagt Peters: »Ein Baby zu bekommen, würde heißen, dass sie sich selbst aufgeben müssen.«

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