Zur Ausgabe
Artikel 4 / 71
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

Hausmitteilung Titel, Münchner Sicherheitskonferenz, Miss Germany, SPIEGEL EDITION

aus DER SPIEGEL 8/2022

Titel

Foto: Oksana Parafeniuk / DER SPIEGEL

Als SPIEGEL-Reporter Walter Mayr im ukrainischen Odessa ankam, musste er feststellen: Das am Vortag gebuchte Hotel Londonska am Meer war ohne Vorwarnung geschlossen und von Sicherheitsleuten abgeriegelt worden. Bereitete man sich auf einen Angriff der Russen vor? In den folgenden Tagen traf Mayr Frauen, die Tarnnetze für die Front knüpfen, Sowjetnostalgiker und einen Historiker, der Hausfrauen für den Kampf ausbildet; mit der Besatzung des Patrouillenbootes »Balaklawa« war er unterwegs im Schwarzen Meer. Er erlebte eine gespaltene Stadt, die sich auf den Krieg vorbereitet – und wo doch eine seltsame Gelassenheit herrscht. In der Hauptstadt Kiew beobachteten Redakteurin Melanie Amann und Korrespondent Christian Esch derweil Bundeskanzler Olaf Scholz in schwieriger Mission. Scholz stand neben dem bedrängten ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, der sich bemühte, die Moral seines Volkes aufrechtzuerhalten, während die Oligarchen bereits per Flugzeug das Land verließen. Am Folgetag in Moskau erlebte Amann einen ungewöhnlich angriffslustigen Kanzler, der Russlands Präsidenten Wladimir Putin daran erinnerte, dass es die »verdammte Pflicht« der Staats- und Regierungschefs sei, einen Krieg zu verhindern.

Am Montag sprach Wolfgang Ischinger vor der Hauptstadtpresse über die von ihm geleitete Münchner Sicherheitskonferenz, die an diesem Wochenende stattfindet. Gegen Ende verkündete er, er habe »Dutzende und Aberdutzende von Fragen« vom SPIEGEL bekommen, die sich mit Sponsoren der Konferenz und seiner eigenen Rolle beschäftigen. Seit Monaten hatten Sven Becker, Rafael Buschmann und Nicola Naber gemeinsam mit ihren Kollegen Christoph Schult und Keno Verseck zu diskreten Geschäften von Ischingers Firma Agora recherchiert, an der er über einen Treuhänder beteiligt ist. Sie erhielten Dokumente, die belegen, dass Agora einem Kunden gegen Bezahlung den Zugang zu Teilnehmern der Konferenz verschaffen wollte und Hilfe bei Rüstungsgeschäften in Krisengebieten anbot. »Ischinger hat immer betont, dass er die Konferenz ehren­amtlich leitet. Aber seine Firma Agora hat an dem Treffen verdient«, sagt Becker.

Foto: Franziska Gilli / DER SPIEGEL

Vor mehr als 60 Jahren kürte Horst Klemmer erstmals eine Miss Germany. Seither bestimmte er mit, was die Deutschen als »schön« empfanden. An diesem Samstag wird im Europa-Park Rust wieder eine Miss Germany gewählt – unter der Leitung von Klemmers 25-jährigem Enkel Max Klemmer, inzwischen Geschäftsführer des Familienunternehmens. Er bezeichnet sich als Feministen und hält nichts von den alten Idealen; statt um Schönheit soll es nun um Charakter gehen. SPIEGEL-Redakteurin Dialika Neufeld sprach mit den Klemmers sowie mit drei Finalistinnen: einer Missbrauchsüberlebenden, einer Frau mit Prothese, einer transgeschlechtlichen Abiturientin. Sie alle wollen mit ihren Geschichten etwas bewegen. »Ob ein Wettbewerb die richtige Form dafür ist, ist fraglich«, sagt Neufeld.

Dass es 75 Persönlichkeiten sein sollen, die gewürdigt werden, war schnell klar – in diesem Jahr, in dem der SPIEGEL seinen 75. Geburtstag feiert. Wer aber zählt zu den »Großen Deutschen«? Martin Luther schaffte es in die Auswahl von SPIEGEL EDITION, ebenso die Aktivistin Clara Zetkin und Marlene Dietrich, die für die US-Truppen sang und Hitler die Stirn bot, aber auch die Biontech-Gründer. Und natürlich Kaiser Karl, der schon im Mittelalter »der Große« hieß. Das Heft erscheint am kommenden Dienstag.

Zur Ausgabe
Artikel 4 / 71
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel