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Hausmitteilung Titel, Nuristan, Abreu, Lovescammer

aus DER SPIEGEL 31/2022

Titel

Foto: Christian O. Bruch / laif

Vor einem Jahr überrannten die Taliban die afghanische Hauptstadt Kabul. Dort saßen nicht nur viele Ortskräfte in der Falle, sondern auch der Gesandte in der Botschaft und seine Leute. Es begann eine abenteuerliche Flucht. Elitekämpfer wurden in Marsch gesetzt, Fluchtautos gekapert, geheime Anlagen zerstört. Die SPIEGEL-Redakteure Konstantin von Hammerstein (l.) und Matthias Gebauer (r.) sprachen über Monate mit Beteiligten, werteten Dokumente und Nachrichtenwechsel aus. Der Geschäftsmann Chris Klawitter kannte alle Wege durch das Chaos von Kabul, der Gesandte Jan van Thiel (Mitte) versuchte als Chef der deutschen Botschaft, die Bundesregierung aufzurütteln, ein GSG-9-Mann (Deckname: »Fisch«) bereitete die Evakuierung vor. Auf dem SPIEGEL-Titelbild sind Klawitter (links), van Thiel (rechts) und Fisch (in der Fahrertür des Autos) mit seinem Team zu sehen. »Die elf Tage in Kabul werden diese Menschen nicht mehr loslassen«, so Hammerstein.

Nuristan

Foto: Lutfullah Qasimyar / DER SPIEGEL

Fast ein Jahr nach dem Fall von Kabul reiste SPIEGEL-­Reporter Christoph Reuter (l., mit Taliban-Vizegouverneur) durch Afghanistan. Ihn zog es in die einst gefährlichste Region, die Provinz Nuristan, für Ausländer lange unzugänglich: Der »Islamische Staat« und die Taliban machten sich dort früher die Wege streitig. Reuter beschreibt, warum der Frieden der neuen Taliban-Herrschaft brüchig ist. Es geht um »Stammesfehden und Blutrache«, so der SPIEGEL-Mann.

Abreu

Foto: Rubén Plasencia / DER SPIEGEL

Die 27-jährige Autorin Andrea Abreu ist die Überraschung des Buchsommers 2022. Ihr Debüt »So forsch, so furchtlos« erzählt von zwei Mädchen in einem Bergdorf am Fuße des Vulkans von Teneriffa und den Abgründen kindlicher Sexualität. Dort besuchte SPIEGEL-Redakteur Xaver von Cranach Abreu und fragte sie auch, wie es ist, an einem Ort aufzuwachsen, der sonst nur als Urlaubsdestination ge­sehen wird. Abreu hasst den Tourismus, ihr Vater baut Hotels, ihre Mutter putzt sie. »Der Tourismus zerstört unser Leben, unseren Körper«, sagt sie. Ihre Wut und Entschlossenheit seien ihr im Gespräch gleich anzumerken, sagt Autor Cranach. Als Abreu für ein Foto auf einen Felsen im Meer stieg, war er verblüfft: »Man hatte den Eindruck, als könnte ihr nicht mal die größte Welle etwas anhaben.«

Lovescammer

Foto: Vincent Brügel / DER SPIEGEL

Liebesbetrüger gehen in Westafrika einem perfiden Geschäft nach: Sie geben sich im Netz als attraktive Männer oder Frauen aus und gaukeln einsamen Menschen in Deutschland die große Liebe vor, um ihnen das Geld aus der Tasche zu ziehen. SPIEGEL-Redakteurin Katrin Langhans und SPIEGEL-TV-­Reporter Steffen Vogel trafen in Ghana einen Lovescammer in der Hauptstadt Accra, wo er über seine Tricks Auskunft gab. In Deutschland sprachen die Reporter mit den Opfern. Eine Frau aus Bautzen, die ihr Haus verkaufen musste, nachdem sie mehr als 100.000 Euro verloren hatte. Und eine andere aus einer Kleinstadt bei Hannover, die nun keinem Mann mehr vertrauen kann. Ein schlechtes Gewissen kannten die Lovescammer nicht: »Manche rechtfertigen ihr Geschäftsmodell mit der Kolonialzeit, der Westen habe Afrika ausgeplündert, jetzt hole man sich seinen Teil zurück«, sagt Langhans.

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