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Hausmitteilung Titel, Tessa Ganserer, Foto-Essays

aus DER SPIEGEL 54/2021

Titel

Team des SPIEGEL-Hauptstadtbüros

Team des SPIEGEL-Hauptstadtbüros

Foto: Gordon Welters / DER SPIEGEL

Die Bundestagswahl versprach ein Krimi zu werden – und sie wurde einer. Um für die Titelgeschichte die Ereignisse des Sonntags und die Reaktionen in den Parteien zu beobachten, zu beschreiben und einzuordnen, war ein großes SPIEGEL-Team in Berlin unterwegs. »Solch ein unklares Ergebnis einer Bundestagswahl gab es lange nicht mehr«, sagt Melanie Amann, Leiterin des Hauptstadtbüros. Am Abend beanspruchten für sich gleich beide Kanzlerkandidaten von SPD und Union, Olaf Scholz und Armin Laschet, eine künftige Bundesregierung anzuführen. Eine entscheidende Rolle bei den Verhandlungen über eine mögliche Koalition fällt den Grünen und der FDP zu. Im Leitartikel beschäftigt sich Chefredakteur Steffen Klusmann mit der Frage, worauf es für die beiden kleineren Parteien bei den Gesprächen nun ankommt. Außerdem analysieren Redakteure und Redakteurinnen, was der Ausgang der Wahl für alle im Bundestag vertretenen Parteien jeweils bedeutet.

Ihre Wählerinnen und Wähler mussten ihr Kreuz hinter einem Männernamen machen, um Tessa Ganserer (r.) als Frau zu wählen – das ist nur eine der Absurditäten, mit denen sich die Grünenpolitikerin herumschlägt: Ganserer wird als eine der ersten offen transgeschlechtlichen Personen ihre parlamentarische Arbeit in Berlin aufnehmen. SPIEGEL-Redakteurin Dialika Neufeld begleitete die Politikerin über mehrere Monate auf ihrem Weg in den Bundestag, auf Kundgebungen, in den Bayerischen Landtag, wo sie bislang als Abgeordnete arbeitet, und zum Haustürwahlkampf in ihrem Wahlkreis Nürnberg-Nord. Neufeld ging dabei der Frage nach, warum Geschlechtlichkeit im Regenbogen-geschmückten Deutschland eigentlich noch so politisch ist. Ganserer möchte unter anderem ein Gesetz abschaffen, das sie hindert, auch rechtlich eine Frau zu sein: Noch steht in ihrem Ausweis ihr »Deadname«, ihr alter falscher Name, was weitreichende Konsequenzen für Ganserers Alltag hat. »Sie leidet spürbar unter ihrer Situation«, so Neufeld, »dennoch gelingt es ihr, mit Entschlossenheit dagegen anzugehen.« Für viele in der queeren Community verkörpert Ganserer auch deshalb Hoffnung auf echte politische Repräsentation.

Wie steht es um die Deutschen in diesen Tagen, zwischen Corona-Lockdown und politischem Umschwung? Drei Fotografen haben sich für den SPIEGEL auf die Suche nach Antworten begeben. Gerhard Westrich porträtiert seit mehr als vier Jahren Menschen aus Berlin und stellt ihnen die immer gleiche Frage: Was wünschst du dir von der Politik? Politiker und Wirtschaftslenker, sagt Westrich, hätten »die Bodenhaftung verloren«. Er will zeigen, »welche Sorgen und Nöte die Menschen wirklich umtreiben«. Das funktioniere am besten »mit Gesichtern, mit persönlichen Geschichten«. Jeweils eines seiner Porträts eröffnet die Ressorts dieser SPIEGEL-Ausgabe.

Rafael Heygster und Volker Crone versuchten, die Stimmung im Land einzufangen. Ihre Fotos wirken nüchtern, farblos, fast inszeniert. Sind die Deutschen so? »Wir sind sehr vielen verschiedenen Stimmungen, vereinzelten Lebensrealitäten, Meinungsblasen begegnet«, sagt Heygster, alte gesellschaftliche Verhaltensmuster würden nicht mehr greifen. Gibt es eine nationale Identität, eine Grundstimmung im Land? »Eine Antwort darauf haben wir nicht gefunden«, so Crone, »eher viele Fragen«.

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