Heidenau bei Dresden Rechtsextreme bewerfen Polizisten mit Steinen und Böllern

Im sächsischen Heidenau haben rechtsradikale Störer eine Flüchtlingsunterkunft blockiert, mehrere Menschen wurden bei Ausschreitungen verletzt. Die Polizei musste Reizgas einsetzen, um den Einzug von Asylbewerbern durchzusetzen.

DPA

Erst ein rigoroses Vorgehen der Polizei mit Reizgas gegen teils rechtsradikale Störer hat in Heidenau bei Dresden den Einzug von Asylsuchenden in eine provisorische Unterkunft in einem früheren Baumarkt ermöglicht.

Kurz vor 1 Uhr in der Nacht zum Samstag erreichte ein erster Bus mit Flüchtlingen das Gebäude, in dem noch in der Nacht etwa 250 Flüchtlinge untergebracht werden sollten. Zuvor hatten Einsatzkräfte der Polizei eine Straßenblockade auf der Bundesstraße 172 aufgelöst, mit der Störer einen Einzug von Asylbewerbern in das Gebäude verhindern wollten.

Wie ein Sprecher der Polizeidirektion Dresden mitteilte, bewarfen die Störer die Beamten mit Steinen, Flaschen und Böllern. Mehrere Beamte und Störer seien verletzt worden. Angaben zu Festnahmen lagen zunächst nicht vor. "Nach Ausschreitungen in der Nacht ist die Lage jetzt ruhig", sagte ein Polizeisprecher am Samstagmorgen.

Auf den beiden jeweils knapp 3000 Quadratmeter großen Etagen des Baumarkt-Gebäudes sollen künftig bis zu 600 Menschen unterkommen. Das Gebäude steht seit dem Jahr 2013 leer. Nach Angaben der Polizei soll künftig auf dem Gelände des Baumarkts ein Wachdienst für Sicherheit sorgen. Außerhalb werde das Terrain von der Polizei überwacht.

Justizminister Heiko Maas (SPD) verlangte auf Twitter ein hartes Vorgehen gegen die Störer:

Am frühen Abend hatten mehrere Hundert Menschen gegen die Aufnahme von Flüchtlingen demonstriert. Sie folgten einem Aufruf der rechtsextremen NPD. Nach Angaben der "Sächsischen Zeitung" skandierten sie vor dem Haus des Bürgermeisters Jürgen Opitz (CDU) "Volksverräter".

Es ist nicht das erste Mal, dass Rechtsextreme im Streit um Flüchtlinge einen Bürgermeister bedrängen. Bekanntheit hatte der Fall in Tröglitz in Sachsen-Anhalt erreicht, wo der parteilose, ehrenamtliche Bürgermeister Markus Nierth nach geplanten Demonstrationen von Rechtsextremen vor seinem Wohnhaus das Amt niederlegte.

anr/dpa



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