Krisendiplomatie Außenminister Maas reist nach Iran

Heiko Maas will das Atomabkommen mit Iran retten. Am Pfingstmontag fliegt der Außenminister nach Teheran. "Das ist eine Reise in die Krise", sagte eine Ministeriumssprecherin.

Außenminister Heiko Maas
HAYOUNG JEON/EPA-EFE/REX

Außenminister Heiko Maas


Außenminister Heiko Maas besucht an Pfingsten Iran, um sich dort für den Fortbestand des umstrittenen Atomabkommens einzusetzen. Maas werde am Montag in Teheran seinen Amtskollegen Mohammed Sarif treffen, gab die Sprecherin des Auswärtigen Amts, Maria Adebahr, bekannt. Weitere Stationen der Reise seien die Vereinigten Arabischen Emirate und Jordanien. "Das ist eine Reise in die Krise", sagte Adebahr. Maas wolle in der Region für Besonnenheit und Deeskalation werben.

Maas ist der erste Bundesminister seit zweieinhalb Jahren, der Iran besucht. Vor zwei Wochen war mit dem politischen Direktor Jens Plötner bereits einer der wichtigsten Berater des Ministers in Teheran, um die Reise vorzubereiten.

Schon dieser Besuch hatte zu Irritationen beim Bündnispartner USA gesorgt. Die Amerikaner waren vor einem Jahr aus dem mühsam ausgehandelten Abkommen zur Verhinderung einer iranischen Atombombe ausgestiegen und setzen Teheran nun wieder mit massiven Wirtschaftssanktionen unter Druck.

Vor einem Monat stellte auch Iran das Abkommen infrage und setzte den anderen Unterzeichnern eine Frist bis zum 7. Juli. Bis dann sollen China, Deutschland, Frankreich und Großbritannien die im Abkommen versprochenen wirtschaftlichen Vorteile für Iran gewährleisten. Die werden aber durch die US-Sanktionen blockiert. Die Spannungen zwischen den USA und Iran haben in den vergangenen Wochen massiv zugenommen.

asc/dpa

insgesamt 9 Beiträge
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KingTut 06.06.2019
1. Ernsthafte Bemühungen
Es ist in unserem ureigenen Interesse, dass der Iran keine Atomwaffen besitzt, denn diese würden eine unmittelbare Bedrohung für Europa darstellen. Insofern sind die Bemühungen der Bundesregierung zu würdigen, die iranischen Verpflichtungen aus dem Abkommen zu sichern. Umgekehrt sollte der Iran, entgegen anderslautender Äußerungen, den ehrlichen Versuch der Europäer würdigen, eine Lösung in der aktuellen Krise zu finden. Auch wenn ich die Art und Weise wie Trump das Abkommen für die USA aufkündigte nicht richtig finde, so kommt man nicht um die Tatsache herum, dass der Iran von einem Regime aus islamischen Geistlichen regiert wird, das überall in der Region radikale Gruppen unterstützt und sich sogar die Zerstörung Israels auf die Fahnen geschrieben hat. Der Iran hätte alle Macht, der Welt gegenüber zu demonstrieren, dass von ihm keine Gefahr ausgeht. Geben wir die Hoffnung nicht auf ...
Stereo_MCs 06.06.2019
2.
Ich fände es sinnvoll, wenn sich Außenminister Maas vor die Weltpresse oder Herrn Lawrow stellen würde, und die humanitäre Katastrophe die gerade in Idlib, droht thematisieren würde. Auch und gerade, weil dort ebenfalls der Iran involviert ist. https://www.spiegel.de/politik/ausland/syrien-krieg-in-idlib-droht-die-schlimmste-humanitaere-katastrophe-des-jahrhunderts-a-1271055.html
steingärtner 06.06.2019
3. Was ist der Sinn der Reise ?
Was hat Maass den Iranern anzubieten, außer dass sie sich zu unterwerfen haben ?
mueller23 06.06.2019
4. Der Iran bedroht Europa nicht
Was der Iran will sind deutsche Werkzeugmaschinen, deutscher Anlagenbau, um wirtschaftlich auf die Füße zu kommen. OK, nicht nur deutsch, der fanzösische PSA-Konzern ist auch willkommen, Peugeot genießt einen guten Ruf aufgrund der Qualität ihrer Fahrzeuge. Das Mullah-Regime läßt sich nicht von außen wegbomben, es muss von innen erodieren. Der Iran sollte wirtschaftlich gefördert werden, je mehr Wohlstand, je weniger Macht der Mullahs. Es führt nicht weiter, das iranische Volk under pressure zu halten. Die Mullahs haben immer noch die Macht, die sie auch mit Gewalt durchsetzen, in der ländlichen Bevölkerung finden sie Mehrheiten, in Teheran werden sie ausgelacht, natürlich nur im privaten Umfeld.
mensch0817 06.06.2019
5. Falsches Reiseziel
Herr Maas sollte nicht in den Iran fahren (was der Iran will, ist klar: die versprochenen Verbesserungen), sondern in die USA. Die USA zwingen mit ihrer Wirtschaftsmacht viele Länder bzw. Konzerne dazu, ihren Anschauungen zu folgen - nicht nur bezüglich des Iran. Es kann doch aber nicht angehen, dass sich die internationale Politik nur nach den USA richtet! Es muss eine internationale Lösung her, gern auch unter Einbeziehung von Russland und China, um den USA klar zu machen, dass einseitig verhängte Sanktionen nicht der Weg sind, den internationale Politik beschreiten sollte. Es wird langfristig nur miteinander gehen, nicht gegeneinander. Das muss letztlich auch Herr Trump begreifen, oder es muss ihm klar gemacht werden (was ggf. auch von seinen eigenen Parteigenossen geschehen dürfte). Übrigens spricht auch dieses Thema für die Notwendigkeit eines starken und einigen Europa, sonst können wir die Sache gleich ganz lassen...
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