Saarländischer SPD-Spitzenkandidat Heiko Maas Einmal geht noch

Für Heiko Maas wird der 25. März zum wichtigsten Tag seiner politischen Karriere: Nach zwei vergeblichen Anläufen will der SPD-Politiker bei der saarländischen Landtagswahl endlich den Sprung auf den Posten des Regierungschefs schaffen - es dürfte seine letzte Chance sein.

dapd

Von , Saarbrücken und Burbach


Sein Expertenwissen in Floristik kann ihm keiner mehr nehmen. "Wir verteilen immer Rosen", sagt Heiko Maas, "Rosen lehnt kaum jemand ab".

Es ist Wahlkampf im Saarland, für die SPD heißt das auch: Zeit der Blumengeschenke. "Darf ich Ihnen eine Rose geben?", fragt also der Spitzenkandidat eine Frau vor dem Karstadt-Eingang in der Saarbrücker Fußgängerzone. Die Antwort: "Muss ich Sie dann auch wählen?"

Die Frau nimmt die rote Rose und geht weiter, Maas lächelt. Einen Anhänger aus Pappe haben seine Wahlkampfhelfer an den Stielen befestigt - ein Bild des Politikers, dazu der Slogan in Großbuchstaben: "JETZT HEIKO MAAS!"

Es ist völlig offen, ob dem Oppositionsführer der Sprung in die Staatskanzlei gelingt: In jüngsten Umfragen zur Landtagswahl am 25. März liegen SPD und CDU gleichauf bei 33 Prozent. Maas' Werte im direkten Vergleich haben sich zuletzt verschlechtert. 42 Prozent wünschen sich derzeit lieber Amtsinhaberin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) als Regierungschefin, 41 Prozent sind dem ZDF-Politbarometer zufolge für den Sozialdemokraten. Noch im Januar hatte der Jurist drei Punkte vor Kramp-Karrenbauer gelegen.

"Wir setzen voll auf Sieg", sagt Maas. Das ist es dann auch schon mit Angriffsrhetorik. Maas, der Bedächtige, Maas, der Behutsame. Sich an den Wähler ranwanzen? Nicht seine Sache. In Schmelz besucht er eine Firma, die Leitplanken für den Straßenbau herstellt. Er fragt interessiert, als der kaufmännische Leiter über die Herausforderungen für das Unternehmen spricht - und schafft es dann tatsächlich, durch die Werkshallen zu laufen, ohne ein Wort mit einem der Arbeiter zu wechseln. Manche von ihnen haben den prominenten Besucher gar nicht erst bemerkt.

Es gibt eine eigentümliche Diskrepanz zwischen dem Kandidaten Maas, wie er in der SPD-Werbung zu sehen ist, und seinem Auftreten auf der Straße. Mit Drei-Tage-Bart und entschlossenem Blick schaut Maas von den Plakaten wie ein hemdsärmelig zupackender Herausforderer. Beim Straßenwahlkampf auf dem Burbacher Markt fragt man sich dagegen manchmal, wo jetzt eigentlich der Kandidat steckt.

Der Lehrling und sein Meister

Maas drängt nicht in den Vordergrund, dabei könnte er problemlos Selbstbewusstsein demonstrieren: Er verfügt über mehr als 20 Jahre politische Erfahrung, zeigte in seiner Zeit als saarländischer Umweltminister rasch Handlungsfähigkeit, als er in einer seiner ersten Entscheidungen rund 300 Verwaltungsvorschriften im Ressort strich. Maas ist zudem bundespolitisch das deutlich bekanntere Gesicht als seine Kontrahentin Kramp-Karrenbauer und könnte seinem Heimatland im Fall eines Wahlsiegs möglicherweise mehr Gewicht verleihen als die CDU-Politikerin, die außerhalb des Saarlandes nur wenigen ein Begriff ist. Seiner SPD hat er ein klares Programm aufgedrückt: 30 Prozent des Landeshaushalts will er in Bildung investieren. Beim Sparen soll die Regierung mit gutem Beispiel vorangehen - Maas will die Zahl von Ministern und Staatssekretären reduzieren, außerdem hat er sich den gesetzlichen Mindestlohn auf die Fahnen geschrieben.

Vielleicht ist es das leise Auftreten von Maas, das es seinen Gegnern leicht macht, ihn nicht ernst zu nehmen: Linken-Spitzenkandidat Oskar Lafontaine spottet jedenfalls gern über Maas, den er in seiner Zeit als SPD-Ministerpräsident selbst gefördert hat. "Heiko-chen" soll er ihn einmal genannt haben, so steht es in Zeitungsberichten. Unfug, sagt Lafontaine, macht aber dennoch deutlich, wie er das Lafontaine-Maas-Kräfteverhältnis einschätzt. Den Vorwurf von Maas, die Linke sei nicht regierungsfähig, kontert der 68-Jährige überheblich: "Wenn der Lehrling dem Meister sagt, dieser hätte das Handwerk verlernt, ist das leicht undankbar."

Rechnerisch könnte es nach der Landtagswahl zwar eine Mehrheit für eine rot-rote Koalition geben, Maas hat diese Variante aber früh und deutlich wegen des Neins der Linken zur Schuldenbremse ausgeschlossen - sie zwingt das klamme Saarland zu striktem Sparen.

Maas steckt so in einem merkwürdigen Wettbewerb: Der 45-Jährige muss gegen eine Ministerpräsidentin kämpfen, mit der er am Ende koalieren will. Scharfe Attacken gegen die CDU-Politikerin, die wegen einer Bauaffäre in Bedrängnis geraten ist, überlässt er deshalb lieber seinem Generalsekretär.

Beide Parteien streben eine Große Koalition an, Kramp-Karrenbauer hatte im Januar ihr Bündnis mit Grünen und FDP wegen anhaltender Querelen bei den Liberalen platzen lassen. Für die beiden kleinen Parteien sieht es in Umfragen jetzt sehr düster aus. CDU und SPD sind aufeinander angewiesen. Die spannende Frage am Wahlsonntag wird deshalb alleine sein, ob Maas oder Kramp-Karrenbauer an der Spitze der Regierung stehen wird.

Für Maas könnte es zu einer Entscheidung über seine politische Existenz werden: Zweimal schon ist er mit seinem Versuch gescheitert, Regierungschef des kleinen Bundeslandes im Südwesten zu werden. Diesen dritten Versuch noch, mehr hat er wohl nicht.

Harte Jahre auf der Oppositionsbank

"Wie viele Anläufe hat man als Herausforderer, Herr Maas?", lautet eine Journalistenfrage während einer Bus-Tour mit dem Wahlkämpfer.

Maas: "Ich weiß nicht, ob es eine Höchstzahl von Anläufen gibt. Das muss jeder mit sich selbst ausmachen."

Es sah bei ihm einst nach einer schnellen Karriere aus, er war einmal Deutschlands jüngster Minister. Als 32-Jähriger führte Maas ab November 1998 das saarländische Umweltministerium. Wenige Monate später war es vorbei mit der SPD-Regierung und dem Aufstieg von Maas. Seit 1999: Oppositionsbank. Es müssen harte Jahre für den Triathleten gewesen sein. "Ich gehöre nicht zu denen, die die Zeit in der Opposition genießen", sagt er.

2009 war Maas schon fast am Ziel: Nach der Landtagswahl sah es zunächst nach einer rot-rot-grünen Koalition aus. Sondierungsgespräche wurden geführt, doch dann entschied sich die Öko-Partei überraschend für ein Bündnis mit CDU und FDP. Das Verhältnis von Maas zu Grünen-Chef Hubert Ulrich gilt seitdem als zerrüttet. Maas stand erneut als Verlierer da.

Er hat trotzdem weiter gemacht. Das könne es jetzt wohl nicht gewesen sein, hat er sich damals gedacht. Jetzt also der dritte Versuch. In der Politik sei es wie beim Triathlon, hat Maas einmal gesagt. "Das Ziel kommt immer erst nach der dritten Disziplin."

Der Wahlsieger darf mit Blumen rechnen.

insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
jetzt:hördochauf 21.03.2012
1. Mal eind Frage...
Zitat von sysopdapdFür Heiko Maas wird der 25. März zum wichtigsten Tag seiner politischen Karriere: Nach zwei vergeblichen Anläufen will der SPD-Politiker bei der saarländischen Landtagswahl endlich den Sprung auf den Posten des Regierungschefs schaffen - es dürfte seine letzte Chance sein. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,821872,00.html
Wenn es bei Wahlen nur darum geht, wer in einer großen Koalition den MP macht - kann man sich das mit den Whlen nicht sparen? Macht man aus cdu und spd einfach eine epd (Einheitspartei Deutschland) und alles nur noch Formsache... Keiner gemerkt?
fr.rottenmeier 21.03.2012
2. Herr Maas will den Sprung schaffen? Warum?
Zitat von sysopdapdFür Heiko Maas wird der 25. März zum wichtigsten Tag seiner politischen Karriere: Nach zwei vergeblichen Anläufen will der SPD-Politiker bei der saarländischen Landtagswahl endlich den Sprung auf den Posten des Regierungschefs schaffen - es dürfte seine letzte Chance sein. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,821872,00.html
Der Karren ist im Bund, den Ländern und auf der Ebene der Kommunen in den letzten 25 Jahren durch die steuerliche Entlastungs -und Subventionspolitik zu Gunsten der "Wohlhabenden" derart an die Wand gefahren, dass im Grunde kein seriöser Mensch unter den derzeitigen Bedingungen den Wunsch haben kann, politische Funktionen zu erlangen. Wenn man es trotzdem tut, dann tritt man an, um diese Entwicklung weiterzuführen und zu unterstützen. Denn etwas anderes ist unter den aktuellen Machtverhältnissen gar nicht möglich. Es würde sicher nicht nur mich beeindrucken, wenn sich die verbleibenden ehrlichen Politiker gemeinsam öffentlich erklären würden, dass sie unter den derzeitigen Voraussetzungen nicht bereit sind, sich weiterhin zu Mittätern zu machen. Und das würde ihnen parteiunabhängig gut zu Gesicht stehen. Aber von den vielen, vielen Maas die sich da in der Politik rumtrollen, kann man das sicher nicht erwarten. .... ach, glücklicherweise ist ja "träumen" nicht strafbar.
Vox libertatis 21.03.2012
3. "Wir verteilen immer Rosen"
Gut zu wissen, wofür die Steuermittel für die Parteienfinanzierung letzendlich ausgegeben werden.
Vox libertatis 21.03.2012
4. "Wir verteilen immer Rosen"
Gut zu wissen, wofür die Steuermittel für die Parteienfinanzierung letztendlich ausgegeben werden.
MKasp 21.03.2012
5. Lackmus-Test ...
... nicht bestanden: So leise ist der Maas, dass er bislang nicht zu folgendem Missstand gehört wurde: Wozu braucht man bei 1 Mio. Bevölkerung 52 Landtagsabgeordnete? Antwort: Man braucht sie nicht. Ein seriöses Gutachten besagt, dass man mit 12 völlig auskommen würde. Die armen saarl. Abgeordneten haben zur Zeit weniger als einen Vierteltagsjob, müssen sich zu Hause vor ihren Kindern verstecken und beschäftigt tun - bei voller Bezahlung. Der Clou ist, dass die armen Schulkinder nun aber länger aus dem Haus sind, da sie auch schon als Siebenjährige Busse besteigen müssen, um zur Schule zu kommen. Es mussten ja viele Grundschulen geschlossen werden, damit man sich diese fürstliche Besoldung und die hohe Anzahl von Abgeordneten als kleines, wirtschaftlich angeschlagenes Bundesland leisten kann. Da fällt es dem Kleenen nicht so schnell auf, dass Papa Landtagsabgeordneter sich noch mal bis zum Mittagessen hinlegt ... während des Kindes lauter Dieselbus ihn durchs Saarland zur weit entfernten Grundschule scheppert.
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