Nach provokanter Rede Maas wirft Gauland rechtsextreme Haltung vor

Mit einer Rede zu Deutschlands Nazivergangenheit löste Alexander Gauland Empörung aus. Bundesjustizminister Heiko Maas verurteilt die Äußerungen - und sieht die AfD auf dem Weg zur Partei für Neonazis.

Bundesjustizminister Heiko Maas
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Bundesjustizminister Heiko Maas


Die Deutschen sollten wieder stolz sein auf die Soldaten in beiden Weltkriegen: Mit solchen Forderungen produzierte sich AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland vor einer rechtsnationalen Gruppierung seiner Partei - und handelte sich damit viel Kritik ein. Auch Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) verurteilt die Provokation: "Wer fordert, wir sollten 'stolz' sein auf die Verbrechen deutscher Soldaten im Zweiten Weltkrieg, der muss sich vorwerfen lassen, ein Rechtsextremer zu sein", sagte der SPD-Politiker.

Immer offener zeige sich das rechtsradikale Gesicht der AfD, sagte er weiter. Die Partei habe es offenbar darauf abgesehen, "zur neuen politischen Heimat für Neonazis zu werden". Niemals dürfe vergessen werden, welche Gräueltaten Deutschland begangen habe. Das Erinnern daran sei keine Schwäche. Maas: "Ganz im Gegenteil: Verantwortung für unsere Vergangenheit zu übernehmen, macht uns stark." Alle seien gefordert, die Demokratie und den Rechtsstaat gegen rechtsradikale Hetzer zu verteidigen.

Gauland hatte in einem im Internet verbreiteten Video einen Schlussstrich im Umgang mit dem Nationalsozialismus gefordert. "Ja, wir haben uns mit den Verbrechen der zwölf Jahre auseinandergesetzt. Und, liebe Freunde, wenn ich mich in Europa umgucke: Kein anderes Volk hat so deutlich mit einer falschen Vergangenheit aufgeräumt wie das deutsche", sagte Gauland demnach.

"Man muss uns diese zwölf Jahre jetzt nicht mehr vorhalten. Sie betreffen unsere Identität heute nicht mehr." Gauland sagte weiter: "Und deshalb, liebe Freunde, haben wir auch das Recht, uns nicht nur unser Land, sondern auch unsere Vergangenheit zurückzuholen. Wenn die Franzosen zu Recht stolz auf ihren Kaiser sind und die Briten auf Nelson und Churchill, haben wir das Recht, stolz zu sein auf die Leistungen deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen."

"Ganz alte NPD-Schule"

Die Rede hielt Gauland bereits am 2. September, bei einem der sogenannten Kyffhäuser-Treffen der AfD in Thüringen. Der Partei wird seit Längerem eine mangelnde Abgrenzung zu rechtsextremistischen Gruppierungen vorgeworfen. Gauland gilt als Vertreter des nationalkonservativen Flügels der Partei. Anfang des Jahres hatte bereits AfD-Politiker Björn Höcke eine Rede in Dresden gehalten und eine "erinnerungspolitische Wende um 180 Grad" gefordert.

Die Äußerungen sorgten auch bei anderen Spitzenpolitikern für Empörung: Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Konstantin von Notz schrieb bei Twitter von "ganz alter NPD-Schule". Die SPD-Abgeordnete Rita Schwarzelühr-Sutter nannte Gaulands Aussagen eine "Schande für unser Land".

vks/Reuters/dpa



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