Nachrichten 2016 Es war nicht alles schlecht

Was war das für ein Jahr: Hass und Terror, Kriege und Krisen. Und dennoch - auch 2016 hatte seine guten Seiten. Sechs Nachrichten, die Mut machen.

Weihnachtsbaum
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2016 war für viele kein gutes Jahr. Es war das Jahr, in dem der Terror nach Deutschland kam. Es war das Jahr, in dem Rechtspopulisten weltweit Erfolge feierten. Und es war das Jahr neuer wirtschaftlicher Verwerfungen, Stichwort Brexit. 2016 war ein Jahr, in dem das Nachrichtenlesen (und -schreiben) oft keine Freude machte.

Aber heißt das, dass alles immer schlechter wird? Muss sich die Menschheit gar auf eine sich immer weiter drehende Abwärtsspirale einstellen?

Natürlich nicht. Die düsteren Meldungen, die oft die Newssites, TV-Sendungen und Zeitungen bestimmen, bilden nur einen Teil der Realität ab. Diese Erfahrung hat fast jeder schon gemacht: In den Nachrichten passiert Schlimmes - aber privat geht es, so zeigen Umfragen, den meisten Menschen in Deutschland gut.

Und dann gibt es - selten genug - auch diese News: Dinge wenden sich zum Guten, Entwicklungen zeigen nach oben, Personen werden zu Vorbildern. An diese Geschichten wollen wir heute erinnern: sechs positive Nachrichten aus dem Jahr 2016.

Mehr Jobs, höhere Löhne

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Die Rekordzahlen vom Arbeitsmarkt sind fast schon zur Gewohnheit geworden - eine Selbstverständlichkeit sind sie deshalb noch lange nicht. Auch 2016 waren weniger Menschen arbeitslos, im November waren es 2,53 Millionen - 101.000 weniger als noch 2014. Und abermals wuchs die Zahl der Beschäftigten deutlich, besonders stark bei den hochwertigen Jobs: Im Schnitt gab es im Zeitraum bis September rund 600.000 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze mehr, davon 250.000 in Vollzeit und 350.000 in Teilzeit.

Gleichzeitig setzte sich ein noch nicht so lange gewohnter Trend fort: Die Löhne stiegen deutlich stärker als die Preise; die Arbeitnehmer konnten sich im Schnitt also mehr leisten als ein Jahr zuvor. Konkret stiegen die Reallöhne im ersten Halbjahr 2016 um deutlich mehr als zwei Prozent. Besonders stark legten die Reallöhne übrigens für jene zu, die es am nötigsten hatten: Ungelernte (plus drei Prozent) und geringfügig Beschäftigte (plus vier Prozent). Von Florian Diekmann

Frieden in Kolumbien

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Als Verteidigungsminister hatte Juan Manuel Santos die Rebellengruppe-Farc in Kolumbien bekämpft. Er musste feststellen: Die Guerilla ist militärisch nicht zu besiegen. Kurz nachdem Santos 2010 Präsident des Landes wurde, nahm er deshalb Verhandlungen mit der Gruppe auf. Sein Ziel: Den seit 50 Jahren wütenden Konflikt zwischen der linken Guerilla-Gruppe und dem Militär zu beenden. Es dauerte mehr als fünf Jahre, bis sich beide Seiten in diesem Jahr auf ein Abkommen einigten - für Santos die Krönung seiner politischen Laufbahn. Der 65-Jährige erhielt dafür den Friedensnobelpreis.

Ob die Vereinbarungen eingehalten werden, ist allerdings nicht sicher. Die Bevölkerung lehnte den Vertrag in einer Abstimmung ab. Rebellen und Regierung mussten nachverhandeln, ließen danach lieber den Kongress und nicht mehr die Bürger entscheiden. Der Vertrag ist damit zwar gültig, aber Kritiker sprechen ihm die Legitimität ab. Doch auch wenn der Frieden brüchig bleibt, macht das Abkommen Hoffnung auf ein Ende der Gewalt: Bald sollen die ersten Farc-Kämpfer ihre Waffen an die Vereinten Nationen übergeben. Von Max Holscher

Ende der roten Sperrtafel

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Eines der größten Ärgernisse für deutsche Internetnutzer ist im November verschwunden: die rote Sperrtafel, die darüber informierte, dass ein angeklickter Musikclip auf YouTube in Deutschland leider nicht verfügbar ist. Dieser deutschen Besonderheit lag ein Streit zwischen YouTube und dem Rechteverwerter Gema zugrunde, der sieben Jahre geführt wurde. Untersuchungen zufolge waren in der Zeit mehr als die Hälfte der weltweit beliebtesten Videos in der Bundesrepublik gesperrt. Die Frage lautete dabei: Wer muss Künstlern Geld zahlen, wenn ihre Musikvideos auf der Plattform hochgeladen werden? YouTube sieht sich nur als Plattform und nicht zuständig, die Gema fordert Abgaben wie von Radiosendern oder Konzertveranstaltern. Diese Frage wurde bei einem Deal schließlich ausgeklammert. Dem Nutzer kann das vorerst egal sein: Das deutsche YouTube ist in diesem Jahr ein ganzes Stück normaler geworden. Von Fabian Reinbold

Frauen an der Spitze

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Frauen bekommen für die gleiche Arbeit weniger Geld als Männer - je nach Rechenweise 7 oder sogar 21 Prozent im Durchschnitt. Dass die Unternehmen mit solchen Ungerechtigkeiten überhaupt durchkommen, liegt an der Geheimniskrämerei, die in Deutschland beim Thema Gehalt normal ist. Deshalb hat sich die Große Koalition auf ein Gesetz geeinigt, das jedem Arbeitnehmer einen Anspruch auf Auskunft einräumt: Auskunft darüber, was vergleichbare Kollegen verdienen.

Der Entwurf hat Nachteile, er ist kompliziert und bürokratisch. Noch muss sich zeigen, was davon übrigbleibt, wenn er mal durch Bundestag und Bundesrat gegangen ist. Aber es ist gut, dass das Problem endlich angegangen wird.

Eine wenig beachtete Lektion des Jahres 2016: Die Quote wirkt. Seit Jahresbeginn ist vorgeschrieben, dass Aufsichtsräte von börsennotierten und voll mitbestimmungspflichtigen Unternehmen zu mindestens 30 Prozent mit Frauen besetzt sein müssen. Und siehe da: Schon im November wurde das Ziel bei den 30 Dax-Konzernen erreicht, zum Ende des Jahres liegt der Anteil für alle immerhin bei 27,5 Prozent. Von Matthias Kaufmann

Geld für Atomausstieg

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Am 15. Dezember hat Deutschland Geschichte geschrieben. Es wurde ein Gesetz verabschiedet, das regelt, wer wie viel für den Atomausstieg zahlen muss - damit ist ein Schlussstrich gesetzt unter die zivile Nutzung der Kernenergie. Das Gesetz ist viel kritisiert worden, zu Recht, denn die Regierung hatte es versäumt, die Energiekonzerne rechtzeitig in die Pflicht zu nehmen. Die gigantischen Gewinne, die sie mit ihren Atommeilern gemacht haben, sind längst weg; die Steuerzahler müssen Milliarden zum Atomausstieg zuschießen. Das ist ungerecht. Dennoch hat der Beschluss der Bundesregierung gute Seiten: Die fachgerechte Entsorgung des Atommülls ist nun gesichert. Die Konzerne müssen zumindest so viel Verantwortung übernehmen, wie sie noch können. Und vor allem gibt es in der Atomfrage endlich einen Plan; der Ausstieg aus der Kernkraft kann mit voller Kraft starten. Die Regierung hat mit ihrem Gesetz die beste von vielen schlechten Lösungen gewählt. Manchmal ist schon das Anlass zur Freude. Von Stefan Schultz

Gespür für richtigen Zeitpunkt

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Es gibt sie noch: Sportler, die ihre Leistungsfähigkeit und ihre Zukunft korrekt einschätzen. Und das in der Formel 1, wo Zenit und Realismus nur selten eine Verbindung eingehen. Als Nico Rosberg nach dem letzten Saisonrennen in Abu Dhabi aus seinem Rennwagen stieg, hätte man seinen Tage später folgenden Entschluss erahnen können. Der Weltmeister wirkte gelöst, euphorisch und dabei ungewohnt authentisch. Er habe sein einziges Ziel erreicht und wolle sich nun ins Privatleben zurückziehen, schrieb Rosberg über seinen Rücktritt. In Wahrheit weiß er, dass er den WM-Titel nicht wird wiederholen können. In diesem Jahr waren die Bedingungen für Rosberg so ideal wie einzigartig. Dafür ist Teamkollege Lewis Hamilton zu talentiert, zu angestachelt, zu bissig - schlicht zu gut. Deshalb hätte Rosberg in Zukunft nur verlieren können. Es gibt keinen besseren Zeitpunkt zum Aufhören. Von Marcus Krämer

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mundusvultdecipi 24.12.2016
1. Also ich war mit 2016 zufrieden:
..Trump,Brexit und als "Weihnachtsgeschenk" noch die UN Resolution zur israelischen Siedlungspolitik.Eigentlich gut gelaufen.
Chefredakteur 24.12.2016
2. Träumt schon weiter!
Mehr Jobs?! In Zeiten der Industrie 4?! In Zeiten der größten Stellenabbau der VW?! 2017 wird wohl schlimmer werden als alle Jahren davor! 1- Trump kommt ans Macht und trumpelt wie ein Elefant in Porzellanladen! 2- VW wird in Zuge der Modernisierung 25000 Stellen abbauen! 3- Deutsche Bank wird im Zuge der Modernisierung 14000 Stellen abbauen! 4- Bundeswehr wird wieder Wehrpflicht einführen! 5- Neue Klimadaten werden eine Erwärmung der Erde bis 2025 um 3 Grad voraussagen, was nicht anderes bedeutet, dass Hamburg bis 2030 Meeresgrund ist! 6- Inflation in Deutschland wird auf 8% steigen und viele neue Hausbesitzer werden ihre Hypo-Kredite nicht mehr bedienen können und dadurch steigt die Zahl der "Obdachlose Familien"! 7- Die Bundeskanzlerin Frauke Petry dankt Bundesverfassungsgericht den Verbot von NPD abgelehnt zu haben! Reicht euch die 7 oder soll ich mehr zählen?! Gott an diesem heiligen Abend weiß, dass ich recht habe und die Zukunft sehr düster aussieht!
masterrobin93 24.12.2016
3. trotz der vielen Ereignisse war 2016 ein gutes Jahr
Ja es ist sehr viel passiert dieses Jahr. Aber trotzdem hat sich nicht alles zum schlechten gewendet. Frohe Weihnachten an SPON
veritas31 24.12.2016
4. Naja naja
Danke SPON für den Versuch, den altem Jahr etwas positives abgewinnen zu wollen aber hey, ganz ehrlich...wenn unter den 6 "positiven" Nachrichten ernsthaft die nicht mehr vorhande Youtubesperre dran kommt...und dann auch noch der real nicht existierende Frieden in Kolumbien und dann auch noch Rosberg und sein Rücktrit vom Sport... Nee SPON...danke für den Versuch aber 2016 war ein, gesellschaftlich-politisch gesehen, völlig besch**** Jahr
Streitaxt 24.12.2016
5. Nun ja
Wenn die Meldung über den Ruhestand eines Mannes, der mit ein Auto im Kreis fährt unter den TOP 6 der guten Nachrichten ist, kann das Jahr nicht so dolle gewesen sein.
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