Entschädigung Ehemalige DDR-Heimkinder erhalten mehr Hilfen

Heimkinder wurden in Ostdeutschland zum Arbeiten gezwungen, sie wurden von Betreuern drangsaliert und misshandelt. Ein Hilfsfonds unterstützt Therapien und Entschädigungen - das Bundeskabinett hat die Gelder dafür nun deutlich aufgestockt.

Berlin - "Wir können das Unrecht nicht ungeschehen machen", sagt Familienministerin Manuela Schwesig, "aber wir wollen die Betroffenen mit den Hilfeleistungen unterstützen." Ehemalige Heimkinder der DDR sollen künftig finanziell stärker unterstützt werden, ein entsprechender Hilfsfonds wird aufgestockt. Das hat das Kabinett am Mittwoch beschlossen.

Erwartet werden jetzt Ausgaben von bis zu 200 Millionen Euro, die Bund und ostdeutsche Länder bis 2017 je zur Hälfte aufbringen wollen. Der Hilfsfonds war vor zwei Jahren mit einem Volumen von 40 Millionen Euro gestartet, die wegen der großen Nachfrage jedoch schnell ausgegeben waren.

Von der Nachkriegszeit bis zur Wende waren in der DDR Kinder und Jugendliche in Heimen zum Arbeiten gezwungen sowie von Betreuern drangsaliert und misshandelt worden - ähnlich wie noch bis Mitte der siebziger Jahre in Heimen der alten Bundesrepublik. Viele Betroffene in Ost wie West leiden noch heute unter den Folgen. Im Westen haben sich rund 11.000 Betroffene gemeldet. Für den Osten werden ebenfalls mehrere tausend Anträge erwartet.

Hunderttausende Heimkinder in Ost und West

In der DDR gab es nach Schätzungen rund 400.000 Heimkinder. Für die rund 800.000 ehemaligen Heimkinder aus den alten Bundesländern wurde Anfang 2012 ein Fonds mit 120 Millionen Euro eingerichtet. Auch im Westen beraten die Jugendminister der Länder aber über eine Aufstockung der Gelder. Die bislang zugesagte Summe wird voraussichtlich auch hier nicht ausreichen.

Schwesig versicherte nach der Kabinettsentscheidung: "Niemand wird im Regen stehen gelassen. Wer Hilfeleistungen des Fonds in Anspruch nehmen möchte und die Voraussetzungen erfüllt, wird diese auch erhalten."

Ehemalige Heimkinder, die an Spätfolgen leiden, können Geld für Beratungen, Therapien und Sachleistungen beantragen. Zudem geht es um Rentenersatzleistungen.

Die Ministerin warb bei den Ost-Betroffenen dafür, den Anmeldetermin 30. September 2014 bei den Beratungsstellen in den Bundesländern nicht zu verpassen. Bis Ende der Fondslaufzeit im Juni 2017 bleibe dann genügend Zeit für Beratungsgespräche, um den konkreten Hilfebedarf zu ermitteln. Für die fristgerechte Anmeldung genüge eine formlose schriftliche Nachricht an die Anlauf- und Beratungsstellen.

kgp/dpa
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