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Heiratsdebatte um Gauck Muss ein Bundespräsident den Trauschein haben?

Ein CSU-Mann stichelt gegen die wilde Ehe von Joachim Gauck und Freundin Daniela Schadt - prompt setzt es scharfe Kritik. Außenminister Westerwelle nennt die Debatte "stillos". Wolfgang Thierse rät zur Gelassenheit: "Ich würde daraus keine Staatsaffäre machen."

Berlin - Vor Joachim Gauck liegen gewaltige Aufgaben. Von ihm wird nicht weniger erwartet, als dem Amt des Bundespräsidenten die Würde zurückzugeben. Für manche CSU-Politiker gibt es jedoch offenbar weitaus spannendere Themen - etwa den Ehestand des designierten Staatsoberhaupts. Nach seiner Empfehlung, Gauck solle seine "persönlichen Verhältnisse ordnen", sieht sich der CSU-Familienpolitiker Norbert Geis nun massiver Kritik ausgesetzt.

Der schärfste Angriff kam aus der FDP. Außenminister Guido Westerwelle hält die Debatte um die persönlichen Verhältnisse von Präsidentschaftskandidat Gauck für unsäglich. "Die Kritik an den persönlichen Lebensverhältnissen des nominierten Bundespräsidenten ist stillos", sagte Westerwelle der "Rheinischen Post". Deutschland sei ein "modernes Land", so der FDP-Mann.

Gauck lebt von seiner Ehefrau seit langem getrennt und will mit seiner Lebensgefährtin, der Journalistin Daniela Schadt, ins Schloss Bellevue einziehen. Geschieden ist er von seiner Ehefrau und Mutter der gemeinsamen vier Kinder noch nicht.

"Es dürfte wohl im Interesse des Herrn Gauck selbst sein, seine persönlichen Verhältnisse so schnell als möglich zu ordnen, damit insoweit keine Angriffsfläche geboten wird", hatte CSU-Mann Geis der "Passauer Neuen Presse" gesagt.

Auch Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) ermunterte Gauck zur Hochzeit - allerdings nur im Scherz: "Ich unterstelle mal, dass er seine Lebenspartnerin auch liebt. Und da bin ich dann wiederum auch konservativ, die Frau, mit der ich zusammenlebe und auch weiter zusammenleben will, die kann ich doch auch heiraten", sagte Thierse dem Nachrichtensender N24 am Dienstag. Er würde aus der Sache "keine Staatsaffäre machen", so Thierse.

Privatleben "nicht ventilieren"

Gaucks Lebenspartnerin Schadt selbst schweigt in der Diskussion. Ihr Privatleben wolle sie "nicht ventilieren", wurde sie in den "Nürnberger Nachrichten" zitiert. Erst einmal müsse sie die Nominierung verdauen.

Den Gedanken an ihre künftige Rolle als First Lady bezeichnete sie als noch "ein bisschen unwirklich". Was künftig alles auf sie zukomme, vermöge sie sich nicht recht vorzustellen, sagte Schadt im Gespräch mit den "Nürnberger Nachrichten" und der "Nürnberger Zeitung", bei der sie als Leitende politische Redakteurin arbeitet.

"Ich muss mich noch ein bisschen sortieren", fügte sie hinzu. Sicher werde sich jetzt in ihrem Leben viel ändern. Aber so richtig wahrhaben könne sie die Umstellung noch nicht.

Schon bald zum Plausch mit der US-First-Lady?

Die Vorstellung, mit Michelle Obama beim Damenprogramm zu sitzen, sei für sie derzeit noch sehr abstrakt. Von der Nominierung ihres Freundes sei sie schon sehr überrascht gewesen. "Wir haben uns natürlich mit dem Thema auseinandergesetzt", sagte die 52-Jährige. Jetzt freue sie sich auf die neue Aufgabe. Für diese Woche habe sie sich erst einmal Urlaub genommen, um zu ihrem Partner nach Berlin zu fahren.

Nach ihrer Rückkehr nach Nürnberg in der nächsten Woche stünden erst einmal berufliche Entscheidungen an. Näher wollte sie sich dazu zunächst nicht äußern. "Ich werde das einfach auf mich zukommen lassen", so Schadt.

jok/dapd/dpa
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