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Hausmitteilung Helfer, Krieg, Scholz

aus DER SPIEGEL 16/2022

Helfer

Die Deutschen gelten international als eher auf Wohlstand bedacht, denn als großzügig. Doch in diesen Tagen ist eine Welle der Hilfsbereitschaft zu beobachten, wie es sie wohl nie gegeben hat: Tischler und Professorinnen, Ingenieure und Friseurinnen sammeln Kleidung für Ukrainer, erwarten Flüchtlinge an den Bahnhöfen, stellen Zimmer zur Verfügung. Freiwillige Helfer unterstützen zudem Opfer der Jahrhundertflut im Ahrtal. Sie sind im Hospiz für jemanden da, der stirbt. In der Titelgeschichte geht ein SPIEGEL-Team der Frage nach, warum Menschen anderen helfen und weshalb das tatsächlich glücklich macht.

Maik Großekathöfer sprach mit Ex-Lifestyle-Journalist Andreas Tölke, der seit der Massenflucht 2015 rund 400 Menschen in seiner Wohnung beherbergt hat. Redakteurin Miriam Olbrisch traf eine Studentin, die sich um ein Mädchen mit afghanischen Wurzeln kümmert. »Sie will von ihrem guten Leben abgeben, es geht um Verbundenheit«, sagt Olbrisch. Juliane Löffler zoomte mit der ukrainischen Studentin Bogdana Volovikova, 19, die in dieser Ausgabe auf dem Titel betend in der Kirche in Berlin-Schöneberg zu sehen ist. »Volovikova ist überrascht über so viel Hilfe, auch wenn ihr niemand zurückgeben kann, was sie verloren hat – Normalität«, sagt Löffler.

Krieg

In der Ostukraine steht wohl eine große Schlacht bevor, eine Offensive der russischen Armee. Moskau will weitere Gebiete einnehmen. Die Ukrainer verlegen deshalb gerade so viele Soldaten wie möglich dorthin. Umgekehrt versuchen Zivilisten, die umkämpfte Region zu verlassen. SPIEGEL-Reporter Christoph Reuter und Fotograf Juan Carlos Quintero begleiteten ein deutsch-ukrainisches Evakuierungsteam, das Alte, Verletzte und Mittellose aus der Gefahrenzone holt. Viele seien froh, dem drohenden Inferno zu entkommen, sagt Reuter, andere »weigern sich strikt zu gehen, voller Todesverachtung«.

In diesen Wochen reisen Freiwillige aus dem Ausland in die Ukraine, um sich der Internationalen Legion anzuschließen, einer Freiwilligentruppe, die der regulären Armee gegen die Russen helfen soll. SPIEGEL-Reporter Jonathan Stock begleitete eine kleine Gruppe von vier Männern auf ihrem Weg, darunter ein Portugiese und zwei Franzosen. In der Ukraine traf er auch auf einen Deutschen. Die Männer hatten Jobs, Freunde, Familien zurückgelassen und schienen bereit, für die Ukraine zu sterben. »Viele sind Idealisten, sie wollen auf der richtigen Seite der Geschichte stehen. Aber gesucht werden erfahrene Kämpfer mit Englischkenntnissen«, sagt Stock.

Melnyk, Strack-Zimmermann, Feldenkirchen

Melnyk, Strack-Zimmermann, Feldenkirchen

Foto:

Dominik Butzmann / DER SPIEGEL

Es gibt gerade zwei Welten in Berlin. In der einen leben Politiker, die finden, Deutschland versage in der Hilfe für die Ukraine. In der anderen lebt ein Kanzler, der offenbar meint, er biete Wladimir Putin entschlossen genug Paroli. Eine Kurskorrektur? Womöglich die rasche Lieferung von schweren Waffen für die Ukraine? Kommt für Olaf Scholz und seine Vertrauten bisher nicht infrage. Angeführt von der FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann, die zu Wochenbeginn im »Spitzengespräch« mit Markus Feldenkirchen ihren Ärger kundtat, baut sich Widerstand gegen den Kanzler auf. Ein SPIEGEL-Team beleuchtet die Stimmung in der Ampel. »Scholz muss aufpassen, dass ihm seine Koalition nicht entgleitet«, sagt Redakteur Veit Medick.

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