Rennen um Laschet-Nachfolge Braun und Röttgen wollen CDU-Chef werden

Seit Tagen gab es entsprechende Spekulationen, nach SPIEGEL-Informationen hat sich Kanzleramtschef Helge Braun nun entschieden: Er will CDU-Vorsitzender werden. Kurz danach meldete sich auch Norbert Röttgen.
CDU-Vorsitz-Kandidaten Helge Braun, Norbert Röttgen

CDU-Vorsitz-Kandidaten Helge Braun, Norbert Röttgen

Foto: picture alliance / dpa; Nassim Rad / Tagesspiegel / picture alliance

Im Rennen um den Posten des CDU-Vorsitzenden gibt es erste Bewerber: Kanzleramtschef Helge Braun kündigte intern am Donnerstag seine Bewerbung um die Nachfolge von Parteichef Armin Laschet an. Braun werde der Landespartei in Hessen am Freitag bei einer Landesvorstandssitzung die Gründe für seine Bewerbung vorstellen, sagte ein Sprecher der hessischen CDU-Landtagsfraktion dem SPIEGEL. Zuvor hatte die Nachrichtenagentur AFP darüber berichtet.

Offiziell ist die Kandidatur Brauns erst mit der Nominierung durch den Vorstand des Kreisverbands Gießen, dem der CDU-Politiker vorsitzt. Das Gremium kommt am Freitagabend zusammen. Bis dahin wird sich Braun nach SPIEGEL-Informationen nicht öffentlich zu seiner Kandidatur äußern. Am Freitagnachmittag kommt auch der Landesvorstand der hessischen CDU zusammen, um über die Personalie zu sprechen.

Der 49-Jährige gilt als enger Vertrauter der scheidenden Bundeskanzlerin Angela Merkel, der er seit März 2018 als Kanzleramtsminister dient. Dem Bundestag gehört er seit 2002 an. Braun ist promovierter Mediziner. Er spielte eine wichtige Rolle bei der Gestaltung von Merkels Coronapolitik.

Der Außenpolitiker Norbert Röttgen kündigte am Donnerstag für Freitagmorgen eine Pressekonferenz zum Thema »Kandidatur für den Vorsitz der CDU Deutschlands« an. Auch er müsste sich anschließend noch von einer entsprechenden Parteigliederung, beispielsweise einem Kreisverband, offiziell nominieren lassen.

Merz gilt als weiterer Bewerber

Als weiterer möglicher Kandidat für den CDU-Vorsitz gilt der Bundestagsabgeordnete Friedrich Merz. Er hielt sich am Donnerstag aber weiterhin bedeckt. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hatte am Vortag seinen Verzicht auf eine neuerliche Kandidatur erklärt.

Mittelstandsunionschef Carsten Linnemann, dem ebenfalls Ambitionen auf die Laschet-Nachfolge nachgesagt wurden, hat sich offenbar mit Merz verständigt und würde ihn unterstützen. Dass Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus antritt, der ebenfalls als Kandidat gehandelt wird, erschien zuletzt immer unwahrscheinlicher. Klar ist jedoch schon jetzt: Noch-Parteichef Armin Laschet ist mit seinem Vorhaben gescheitert, möglichst einen Konsenskandidaten für seine Nachfolge zu präsentieren.

Braun wird wie Röttgen dem liberalen Flügel der CDU zugerechnet, während Merz als Gesicht der Konservativen in der Partei gilt. Anders als Braun gehört Röttgen allerdings nicht zum Merkel-Kreis, was für seine Erfolgschancen bei der Neuaufstellung der Partei eher ein Vorteil sein könnte.

Ein erster Braun-Unterstützer hatte sich schon am Mittwoch aus der Deckung gewagt. »Helge Braun ist ein kluger Kopf mit Ideen für die Zukunft. Er kann präzise Botschaften formulieren und durchdringt komplexe Sachverhalte« – so ließ sich Michael Meister, hessischer CDU-Bundestagsabgeordneter und Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesbildungsministerium, vom »RND« zitieren.

Meldefrist endet am 17. November

Anwärter auf die Nachfolge von CDU-Chef Laschet können sich noch bis zum 17. November melden. Sie benötigen dafür die Unterstützung eines Landes- oder Bezirksverbands.

Im Dezember soll ein Mitgliederentscheid über die Kandidaten stattfinden. Erhält kein Kandidat die absolute Mehrheit, ist ein Stichentscheid der Basis geplant. Sollten Braun, Merz und Röttgen antreten, spricht einiges dafür, dass kein Kandidat die Mehrheit in einem ersten Wahlgang bekommt.

Offiziell ins Amt gewählt werden soll der neue Parteichef auf einem Parteitag am 21. und 22. Januar in Hannover.

flo/kev/mwo/AFP
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