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Helmut Kohl: Blitzauftritt auf der Buchmesse

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Altkanzler Kohl auf der Buchmesse "Wie früher. Überhaupt keiner da"

Altbundeskanzler Helmut Kohl hat auf der Frankfurter Buchmesse einen Erinnerungsband zur Wendezeit vorgestellt. Zum brisanten Buch seines ehemaligen Ghostwriters Heribert Schwan verlor er kein Wort.

Frankfurt/Main - "Was in diesem Buch steht, ist die Wahrheit. Lesen sie dieses Buch." Mit brüchiger Stimme und knappen Worten stellte Altbundeskanzler Helmut Kohl auf der Frankfurter Buchmesse die Neuauflage seines Erinnerungsbandes "Vom Mauerfall zur Wiedervereinigung" vor. Zu einem Essay zur Zukunft Europas, der am 5. November erscheinen soll, sagte er: "Ich bin ganz sicher, wenn das Buch in wenigen Wochen erscheint, werden viele Leute es lesen."

Zum Buch seines ehemaligen Ghostwriters Heribert Schwan, das diese Woche erschienen ist, äußerte sich Kohl dagegen nicht. Schwans Buch, aus dem der SPIEGEL in dieser Woche ausführlich zitiert, war wegen abwertender Äußerungen des Altkanzlers über langjährige Weggefährten in die Schlagzeilen geraten.

Schwan zufolge hatte Kohl in Gesprächen, die 2001 und 2002 geführt wurden, unter anderem den ehemaligen Minister Norbert Blüm als "Verräter" und Ex-Bundestagspräsident Wolfgang Thierse als "Volkshochschulhirn" bezeichnet. Über die heutige Kanzlerin sagte er: "Frau Merkel konnte ja nicht richtig mit Messer und Gabel essen."

Ein Scherz zum Abschied

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Kohls Abrechnung: Wen der Altkanzler schmähte

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Der Auftritt Kohls am Stand seines Verlages Droemer, der als Fototermin angekündigt war, dauerte nur wenige Minuten. Bis zuletzt war unklar, ob Kohl überhaupt selbst sprechen würde. Trotzdem warteten schon mehr als eine Stunde vor Beginn mehr als hundert Journalisten und Besucher auf den Altkanzler.

Kohl wirkt seit seinem schweren Sturz, bei dem er sich im Jahr 2008 am Kopf verletzte, gebrechlich. Seine rund zwei Minuten dauernden Ausführungen an der Seite seiner Ehefrau Maike Kohl-Richter waren deshalb auch schwer zu verstehen. Trotzdem schien der Altkanzler entspannt. "Wie früher. Überhaupt keiner da", scherzte Kohl zum Abschied.

mmo