Brisantes Material Ghostwriter plant Enthüllungsbuch über Kohl

630 Stunden O-Töne, Exzerpte aus der Stasi-Akte: Der Journalist Heribert Schwan arbeitete jahrelang mit Altkanzler Helmut Kohl an dessen Memoiren und konnte einen gewaltigen Schatz an Informationen sammeln. Diese will er nach SPIEGEL-Informationen nun für ein Enthüllungsbuch nutzen.

REUTERS

Bonn - Der Journalist Heribert Schwan plant nach seiner Biografie über die Kanzlergattin Hannelore Kohl ein weiteres Enthüllungsbuch, diesmal über Helmut Kohl. Grundlage sind die Dokumente, die Schwan während seiner Zeit als Ghostwriter bei dem Altkanzler einsehen konnte und exzerpierte.

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Heft 39/2012
Die Tragödie des Helmut Kohl

Acht Jahre half der ehemalige WDR-Redakteur Kohl bei der Abfassung seiner Memoiren. Er hatte in dieser Zeit ungehinderten Zugang zu allen Unterlagen, die er einsehen wollte, darunter auch die 13-bändige Stasi-Akte, die Kohl in einem langen Rechtsstreit sperren ließ. Besonders wertvoll sind aus Sicht von Schwan die Tonbandaufnahmen von Gesprächen, die der Autor in Vorbereitung der Arbeit an den Memoirenbänden mit dem Altkanzler vor seinem verhängnisvollen Sturz im Frühjahr 2008 führte.

Insgesamt befinden sich 630 Stunden O-Ton in Schwans Besitz, in denen Kohl sehr freimütig über Freunde und Feinde Auskunft gibt. Von dem Material seien nach Angaben Schwans nur zehn Prozent in die drei erschienenen Bände der "Erinnerungen" eingeflossen, 90 Prozent hingegen seien bislang unveröffentlicht. "Ich habe einen Schatz, der wirklich einmalig ist", sagte Schwan dem SPIEGEL.

Einen Rechtsstreit mit dem Altkanzler fürchte er nicht, da er nie eine Vereinbarung unterschrieben habe, die ihn zur Verschwiegenheit verpflichte: "Das sind meine eigenen Exzerpte, darin steckt meine geistige Leistung. Die kann man mir nicht einfach nehmen, schon gar nicht auf juristischem Wege." Das war beim vorherigen Buch noch anders gewesen: Wegen indiskreter Details in Schwans 2011 erschienener Biografie über Hannelore Kohl hatten ihre beiden Söhne zwei einstweilige Verfügungen durchgesetzt.

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insgesamt 186 Beiträge
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Seite 1
hastdunichtgesehen 23.09.2012
1. Das ist einfach nur schäbig,
gegen einen alten Mann zu schreiben, der sicherlich wie alle seine Fehler hatte. Aber im Gegensatz zu den Schreibern hatte er Anstand.
goethestrasse 23.09.2012
2. Ob der Ort ....
... Leuna auch darin vorkommt ?
mc6206 23.09.2012
3. Unethisch
Zitat von sysopREUTERS630 Stunden O-Töne, Exzerpte aus der Stasi-Akte: Der Journalist Heribert Schwan arbeitete jahrelang mit Altkanzler Helmut Kohl an dessen Memoiren und konnte einen gewaltigen Schatz an Informationen sammeln. Diese will er nach SPIEGEL-Informationen nun für ein Enthüllungsbuch nutzen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,857396,00.html
Ich empfinde es als unethisch, daß jemand Kapital daraus schlägt, daß er eine Vertrauensposition innehatte. Vor allem da sich Kohl ja kaum wehren kann.
Spassbremse 23.09.2012
4. Miese Nummer
Völlig ungeachtet der Person Helmut Kohl ist das, was Schwan hier abziehen möchte, unterste Schublade. Als Biograph/Memoirenschreiber nutzt er eiskalt eine über Jahre gewachsene Vertrauensstellung aus, vermutlich um mit einem "Enthüllungsbuch" "abzucashen". Juristisch mag das vielleicht nicht zu belangen sein, aber moralisch ist das unter aller Sau - selbst wenn es jemanden wie Kohl betrifft.
janne2109 23.09.2012
5. .........
aus Infomaterial für Memoiren, was ganz offensichtlich nicht genutzt werden sollte oder wurde jetzt ein "Enthüllungsbuch" zu machen ist schlichtweg mies. Solche Schreiber müßten sowohl was den Verkauf ihrer Bücher als auch Interviews betrifft, gemieden werden.
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