Nachlass des Altkanzlers Regierung erteilt Plänen für Kohl-Stiftung vorerst Absage

Die Veröffentlichung von geheimen Gesprächsauszügen von Helmut Kohl erzürnt alte Weggefährten. Doch wie soll mit dem Nachlass des Altkanzlers umgegangen werden? Eine Helmut-Kohl-Stiftung wird es zunächst nicht geben.
Altkanzler Kohl: "Keine Planungen" für Gründung einer Stiftung

Altkanzler Kohl: "Keine Planungen" für Gründung einer Stiftung

Foto: Michael Kappeler/ picture alliance / dpa

Berlin - Die vom SPIEGEL veröffentlichen Auszüge aus Protokollen von Helmut Kohl haben die Debatte über den Umgang mit dem Vermächtnis des Altkanzlers neu befeuert (lesen Sie hier die Titelgeschichte über Helmut Kohl im aktuellen SPIEGEL).

Der ehemalige CDU-Generalsekretär Volker Rühe hatte gegenüber SPIEGEL ONLINE die Gründung einer Helmut-Kohl-Stiftung ins Gespräch gebracht, die den historischen Nachlass verwahren und der Forschung zugänglich machen könnte. Die Bundesregierung hat diesen Überlegungen nun eine Absage erteilt: Hierfür gebe es "keinerlei Planungen", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Er verwies darauf, dass derartige vom Bund finanzierte Einrichtungen wie etwa für Ex-Kanzler Willy Brandt Gedenkstiftungen seien. Hierfür würden zu Lebzeiten der Persönlichkeiten keine Planungen gemacht.

Die Gedenkstiftungen des Bundes würdigen Politiker des 19. und 20. Jahrhunderts, die eine bedeutende Rolle in der deutschen Geschichte gespielt haben - neben Willy Brandt (Kanzler) zählen dazu Konrad Adenauer (erster Bundeskanzler), Theodor Heuss (erster Bundespräsident), Otto von Bismarck (erster deutscher Reichskanzler) und Friedrich Ebert (erster Reichspräsident).

Angesprochen auf im SPIEGEL zitierte kritische Äußerungen Kohls unter anderem über Angela Merkel  sagte Seibert: "Kein Kommentar." Unter anderem hatte der langjährige CDU-Chef der heutigen Kanzlerin attestiert: "Die Merkel hat keine Ahnung." Und schlimmer noch: "Frau Merkel konnte ja nicht richtig mit Messer und Gabel essen. Sie lungerte sich bei den Staatsessen herum, sodass ich sie mehrfach zur Ordnung rufen musste."

Verlag startet Buch-Auslieferung

Fotostrecke

Kohls Abrechnung: Wen der Altkanzler schmähte

Foto: © Thomas Peter / Reuters/ REUTERS

Diese Protokolle sind Auszüge aus geheimen Gesprächen, die der frühere WDR-Journalist Heribert Schwan 2001/2002 mit Kohl führte, und die er nun zusammen mit dem Autor Tilman Jens publiziert hat. Die damalige Wut auf die heutige Parteichefin hatte offenbar einen Grund: Merkel war zuvor als CDU-Generalsekretärin in der Spendenaffäre auf Distanz zu ihm gegangen.

Das Buch "Vermächtnis. Die Kohl-Protokolle" erscheint in dieser Woche im Heyne-Verlag. Trotz eines schwelenden Streits über die Veröffentlichung begann der Verlag am Montag damit, das Buch auszuliefern. "Wir haben bisher keine Unterlassungsaufforderung bekommen, die Bücher befinden sich in der Auslieferung und sind dann ab morgen sukzessive im Handel erhältlich", sagte eine Verlagssprecherin.

Hintergrund ist der Bruch zwischen Kohl und Schwan. Der WDR-Journalist zeichnete insgesamt mehr als 600 Stunden lang Gespräche mit dem Altkanzler auf. Sie dienten Schwan bei der Abfassung der Kohl-Memoiren, bevor sich Kohl im Jahr 2009 im Streit von Schwan trennte.

Kohl hat sich die Tonbandprotokolle gerichtlich zurückgeklagt, nachdem er sich mit Schwan überworfen hatte. Sie lagern seit März dieses Jahres in seinem Haus in Oggersheim, wo er mit seiner zweiten Frau, Maike Richter-Kohl, lebt. Abschriften, die sich Schwan bis dahin gemacht hatte, dienten als Grundlage für das nun erscheinende Buch. Das Berliner Büro Kohls äußerte sich auf Anfrage am Montag nicht dazu, ob nun rechtliche Schritte geplant sind.

DER SPIEGEL
syd/sev/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.