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15. Oktober 2017, 08:56 Uhr

Kohl-Erbe

Eine Million Euro für die Söhne und Enkel

Nach SPIEGEL-Informationen ist die Witwe Helmut Kohls die Alleinerbin. Die Söhne und Enkel gingen dennoch nicht leer aus: Einem Zeitungsbericht zufolge gab es noch zu Lebzeiten des Altkanzlers eine finanzielle Einigung.

In der Frage um das Erbe Helmut Kohls gibt es eine neue Volte: Wie die "Bild am Sonntag" berichtet, haben sich die beiden Söhne, Walter und Peter Kohl, bereits im April 2016, also noch zu Lebzeiten des Kanzlers, mit der Ehefrau Maike Kohl-Richter finanziell geeinigt.

Wie es in dem Bericht weiter heißt, erhielten die Söhne je 400.000 Euro, ihre Kinder Leyla und Johannes, die Enkel Helmut Kohls, jeweils 100.000 Euro. Im Gegenzug für die Gesamtsumme von einer Million Euro unterzeichneten sie in Ludwigshafen einen "Erb-Pflichtteilsverzicht". Die zweite Ehefrau Maike Kohl-Richter war damit die Alleinerbin des im Juni verstorbenen Altkanzlers. Das geht nach SPIEGEL-Informationen auch aus dem Erbschein hervor, den das Nachlassgericht in Ludwigshafen am Rhein am 10. August ausgestellt hat. Das Verhältnis zwischen Kohl-Richter und Kohls Söhnen aus erster Ehe, Walter und Peter, gilt als zerrüttet.

Zum Nachlass Kohls zählen auch Akten, auf die das Bundesarchiv Anspruch erhebt. So hatte dessen Präsident fünf Tage nach dem Tod Kohls der Witwe geschrieben, er wäre ihr "verbunden", wenn sie staatliches Schriftgut "aus dem Wirken" ihres Mannes über das Kanzleramt an das Bundesarchiv weiterleiten würde. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

Im Hintergrund tobt ein Streit zwischen dem Bundesarchiv und der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS). Kohl hatte nach seiner Wahlniederlage 1998 rund 400 Aktenordner aus dem Kanzleramt in das Archiv der KAS transportieren lassen.

Im Jahr 2010 forderte er die Unterlagen mit der Begründung an, er benötige sie für einen weiteren Memoirenband. Jetzt liegen die Papiere in seinem Privathaus in Oggersheim. Die Stiftung möchte, dass die Papiere vollständig zurück in ihr Archiv kommen.

Michael Hollmann, der Präsident des Bundesarchivs, verweist hingegen auf die Rechtslage. Danach gehören staatliche Unterlagen ins Bundesarchiv. Bislang ist allerdings unklar, ob und in welchem Ausmaß Kanzleramtspapiere in den Ordnern abgelegt wurden.

mhe

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