Helmut Schmidt "Ich habe alle Abschiedsreisen gemacht"

Helmut Schmidt wird an diesem Montag 95 Jahre alt. In einem Zeitungsinterview über letzte und vorletzte Dinge erklärt er nun, dass er Deutschland nicht mehr verlassen werde, er plane keine Auslandsreisen mehr. Schmidt wörtlich: "Das war's."

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Hamburg - Helmut Schmidt mischt sich gerne ein. Auch und besonders gerne aus dem Ausland. Reisen und über Politik reden, das war für ihn immer eins. Gerade erst hat er sich aus Moskau zu Wort gemeldet. Nach einem Treffen mit Russlands Präsident Wladimir Putin verkündete der Altkanzler, dass das Europaparlament und die EU-Kommission keine gute Arbeit leisten würden, auch die Anstrengungen der nationalen Regierungen ließen zu wünschen übrig.

Das Pikante: Schmidt ließ sich ausgerechnet zu jenem Zeitpunkt kritisch zur Europapolitik zitieren, als Putins Machtkampf mit der EU über den Einfluss in der Ukraine seinem Höhepunkt zusteuerte. Es fällt nicht schwer sich vorzustellen, was aktuell im Amt befindliche Politiker über die Reisen von Helmut Schmidt denken. So mancher wünscht sich wohl, die berühmte "Schmidt Schnauze" würde auch mal schweigen.

Jetzt dürfte der vom Alten geplagte Nachwuchs aufatmen. In der "Bild"-Zeitung verkündet Schmidt, der am Montag 95 Jahre alt wird, dass er nicht mehr ins Ausland jetten werde. Der Besuch in Moskau sei eine letzte Abschiedsreise gewesen. Der Trip habe auch dem Zweck gedient, noch einmal Russlands Ex-Ministerpräsident Jewgenij Primakow und den ehemaligen Botschafter Valentin Falin zu treffen. "Alle anderen Abschiedsreisen habe ich gemacht: Washington, New York, London, Paris, Rom, Singapur, Peking. Das war's."

Keine Angst vor dem Menthol-Zigarettennotstand

Schmidt ordnet offensichtlich die letzten Dinge. Oder die vorletzten. Er habe, so verrät er der Zeitung zum großen Geburtstagsinterview, auch keine Angst mehr vor einem Verbot seiner geliebten Mentholzigaretten. Er horte keine und habe nie mehr als drei Stangen Vorrat, sagte er. Im Jahre 2021, wenn das EU-Verbot frühestens greife, "wäre ich 103 oder liege längst in Hamburg-Ohlsdorf auf dem Friedhof. Also keine Sorge!"

Auch aus seinem Privatleben berichtet Schmidt. Nach dem Tod seiner Frau Loki habe ihm seine langjährige Mitarbeiterin und heutige Lebenspartnerin Ruth Loah das Leben gerettet. "Ohne Ruth wäre ich heute nicht mehr da, glaube ich." Loah sei es gewesen, die ihn vor einigen Jahren zum Umsteigen auf den Rollstuhl bewegt habe. Nur im Büro und zu Hause benutze er den Gehwagen. "Aber wenn ich damit einmal ums Haus gehe, dann bin ich erschöpft und kann nicht mehr."

Vor Schmidts Geburtstag am Montag startete bereits am Sonntag der Glückwunschreigen mit einem Gruß von Bundespräsident Joachim Gauck. "In Ihren öffentlichen Ämtern, ganz besonders im Amt des Bundeskanzlers, haben Sie Großes geleistet", heißt es in dem Schreiben, das das Bundespräsidialamt veröffentlichte.

Die ARD sendet am Montag zu Ehren von Helmut Schmidt ein großes Dokudrama - in dessen Interviewpassagen er noch einmal ausführlich die Gelegenheit nutzt, den Jüngeren das Leben, die Welt und natürlich die Politik zu erklären.

cbu/dpa



insgesamt 123 Beiträge
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Seite 1
fwittkopf 22.12.2013
1. Was will er bloß mit
Deutschland? Der Silver Beach in San Diego, mit einer Pina Colada in der Hand, ist doch deutlich angenehmer.
Pfaffenwinkel 22.12.2013
2. Schmidt Schnauze
kann auch von Hamburg aus kräftig mitmischen, dazu braucht er nicht mehr ins Ausland fahren. Hoffentlich bleibt er uns noch einige Jahre erhalten.
N.Danilewski 22.12.2013
3.
Zitat von sysopDPAHelmut Schmidt wird an diesem Montag 95 Jahre alt. In einem Zeitungsinterview über letzte und vorletzte Dinge erklärt er nun, dass er Deutschland nicht mehr verlassen werde, er plane keine Auslandsreisen mehr. Schmidt wörtlich: "Das war's." http://www.spiegel.de/politik/deutschland/helmut-schmidt-wird-95-ich-habe-alle-abschiedsreisen-gemacht-a-940566.html
Aber mal ganz ernsthaft, wenn Schmidt und Sholl-Latour nicht mehr sind, wer soll einem da noch de Welt erklären? SpOn? Eine traurige Zukunft.
artis 22.12.2013
4. es ist nur schade
das sich unsere Politiker selten das eine oder andere Wort vom ihm zu Herzen nahmen. Geradlinige Politiker gibt es nicht mehr, es wird alles gekunkelt, gibst du mir das, kriegst du das. Wie im Kindergarten und ich glaube in der EU ist es noch schlimmer. Die meisten sind doch nur noch Berufspolitiker die sich nie die Pfoten mit Arbeit dreckig gemacht haben und keinen Bezug zu den Menschen haben. Sture Theoretiker.
ruthteibold-wagner 22.12.2013
5. Ein Vorbild.
Respekt vor diesem Mann, vor dieser Haltung, auch gerade angesichts des nahenden Endes. Ich glaube nicht, dass ich das so gefasst hinbekomme. Irgendwo bin ich vielleicht sogar ein bisschen neidisch. Den Neid hat er sich erarbeitet. Im wahrsten Sinne des Wortes.
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