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Gestorben Herbert Schnoor, 94

aus DER SPIEGEL 26/2021
Foto: Nestor Bachmann / dpa

Zwei Schwerkriminelle hätten die Karriere des Verwaltungsjuristen beinahe vorzeitig beendet. Im August 1988 war ein Banküberfall in Gladbeck eskaliert: Geiselnahme, Entführung eines Linienbusses, Verfolgungsjagd durch mehrere Bundesländer vor den Augen der Öffentlichkeit, ein gescheiterter Zugriff, drei Tote. Während der Bremer Innensenator zurücktrat, blieb dessen nordrhein-westfälischer Amtskollege Herbert Schnoor im Amt. Die Fehler der Polizei waren eklatant, doch Ministerpräsident Johannes Rau stützte seinen Innenminister, ein Untersuchungsausschuss sprach ihn von Schuld frei. Zuvor hatte der Sozialdemokrat Schnoor in NRW eine makellose Laufbahn als Mann der Administration hingelegt, als Ministerialrat, Staatssekretär im Wissenschaftsministerium, Leiter der Staatskanzlei und ab 1980 als Innenminister. Der gebürtige Ostfriese positionierte sich als liberaler Widerpart von Bundesinnenminister Friedrich Zimmermann (CSU), als dieser das Demonstrationsrecht einschränken wollte. Das Recht, auf der Straße zu protestieren, nannte Schnoor »die Pressefreiheit des kleinen Mannes«. Anfang der Neunzigerjahre setzte er sich für Kriegsflüchtlinge aus dem ehemaligen Jugoslawien ein. Nach den NRW-Wahlen 1995 schied er aus Altersgründen aus der Regierung aus, arbeitete aber als Anwalt noch weiter. Herbert Schnoor starb am 20. Juni in Werder an der Havel.

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