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29. November 2014, 14:13 Uhr

RAF-Anschlag auf Deutsche-Bank-Chef

ARD-Film präsentiert neue Theorie zum Herrhausen-Mord

Die RAF bekannte sich vor 25 Jahren zum Attentat auf Alfred Herrhausen. Doch woher kam die Spezialbombe, die den Bankier tötete? Eine Fernseh-Dokumentation hat die Antwort womöglich gefunden.

Hamburg - Am 30. November 1989 steigt Alfred Herrhausen, der mächtige Vorstandssprecher der Deutschen Bank, pünktlich gegen 8.30 Uhr in seinen Dienst-Mercedes. Sein Chauffeur soll ihn, wie gewohnt, von seiner Privatwohnung in Bad Homburg zu seinem Büro in Frankfurt am Main bringen. Doch die Fahrt dauert nur wenige Minuten. Dann ist Herrhausen, einer der bestgeschützten Männer Deutschlands, tot.

Eine gewaltige Explosion zerreißt um 8.34 Uhr die Morgenruhe im Frankfurter Nobelvorort. Die Bombe detoniert genau neben Herrhausens gepanzerter Limousine - ausgelöst durch eine Lichtschranke.

An der Urheberschaft der RAF gab es kaum Zweifel. Zwei Tage nach dem Anschlag veröffentlichte ein "Kommando Wolfgang Beer" ein Bekennerschreiben im RAF-Duktus. Es verströmte einen abgrundtiefen Hass auf das "System" und versuchte zynisch, den kaltblütigen Mord als Akt der Befreiung zu legitimieren.

Die Fahndung nach den Tätern begann mit Hochdruck - die Ermittler sollten auf viele Widersprüche und unglaubwürdige Zeugen stoßen. Sie machen den Mord bis heute zu einem der rätselhaftesten Attentate der bundesdeutschen Geschichte.

Tödliche Splitter

Am Montagabend präsentiert nun die ARD (23.30 Uhr) in einer Dokumentation eine neue Theorie über die Herkunft der Bombe. Der Autor Egmont Koch verfolgt dabei die Herkunft des Sprengsatzes. Denn allein schon die technische Präzision des Attentats war ungewöhnlich, die Bombe höchst raffiniert. Sie war konstruiert wie eine panzerbrechende Mine, schreibt die "Süddeutsche Zeitung" am Samstag. Die Bombe bestand demnach aus sieben Kilogramm TNT-Sprengstoff und einer gewölbten Kupferplatte. Weiter heißt es dort, durch die Explosion habe sich die Platte zu einem großen Projektil verformt, das den Wagen mit unvorstellbarer Wucht durchschlug. Herrhausen starb durch Splitter der gepanzerten Tür.

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte die RAF bei ihren Anschlägen wesentlich weniger komplexe Waffen benutzt. In Zusammenarbeit mit dem deutschen Fraunhofer-Institut EMI und einem ehemaligen CIA-Agenten im Nahen Osten erstellte Koch nun eine neue Theorie. Demnach gibt es einen Zusammenhang mit dem Libanon.

Nur acht Tage vor dem Attentat auf Herrhausen starb der damalige libanesische Präsident René Moawad auf ähnliche Weise - laut Koch war er das erste Opfer dieser damals noch neuen Terrorwaffe.

Die ARD teilte vor Ausstrahlung der Dokumentation mit, dass der frühere CIA-Agent Robert Baer die zeitliche Nähe beider Attentate nicht für einen Zufall hält. Er ist demnach davon überzeugt, dass es eine logistische Allianz hinter der RAF gab, die ihr bei der Planung des Herrhausen-Attentats half.

Verbindungen der RAF in den Nahen Osten sind lange bekannt. Die Volksfront für die Befreiung Palästinas (PFLP) hatte sich mit den deutschen Linksterroristen, der nordirischen IRA und anderen kleinen terroristischen Gruppen verbündet.

ler

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