Heß-Todestag Braune Propaganda in Ostdeutschland

In der Nacht vor dem 13. Todestag des Kriegsverbrechers Rudolf Heß hat es in vielen Teilen Ostdeutschlands Aktionen zur Verherrlichung des Hitler-Stellvertreters gegeben. Der Verfassungsschutz will mögliche Nazi-Aufmärsche "mit höchster Aufmerksamkeit" unterbinden.


DPA

Berlin - Heß wird in der rechten Szene als Märtyrer verehrt. Er hatte sich am 17. August 1987 im Kriegsverbrechergefängnis in Berlin-Spandau das Leben genommen.

In Warnemünde veranstalteten etwa 50 bis 60 Personen einen nicht genehmigten Fackelzug. Die überwiegend Jugendlichen hätten dabei "Rudolf Heß - unser Führer!" skandiert und wiederholt den Hitlergruß gezeigt, teilte die Polizei mit. Die Demonstranten müssen sich nun wegen der Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen verantworten.

Im thüringischen Gera wurde ein 15 Jahre alter Jugendlicher in der Nacht zum Donnerstag beim Anbringen von Rudolf-Heß-Bildern in der Stadt gestellt worden. Er wurde festgenommen. Insgesamt seien in Gera und Altenburg mindestens 50 Aufkleber mit den Worten "Rudolf Heß - Märtyrer des Friedens" oder "Mord an Rudolf Heß" aufgetaucht, teilte die Polizei mit.

In Sachsen tauchten nach Polizeiangaben in der Nacht mehrere hundert Heß-Bilder auf. Die schwarz-weißen Kopien im Format A4 wurden unter anderem in Grimma, Colditz, Waldheim und Borna gefunden. Die Verteiler der Plakate konnten jedoch nicht gefasst werden.

Auf der Ostseeinsel Usedom fand die Polizei ebenfalls Heß- Aufkleber mit dem Bild des NS-Kriegsverbrechers. Die etwa 10 mal 15 Zentimeter großen Aufkleber seien sichergestellt worden, teilte die Polizei in Anklam mit. Bereits in den Nächten zum Dienstag und Mittwoch hatten in Mecklenburg-Vorpommern Rechtsradikale Straßenzüge zwischen Rostock und der polnischen Grenze mit Heß-Aufklebern beklebt. Die Polizei nahm mehrere junge Männer fest.

Auch im thüringischen Jena wurden Häuser mit Abbildern des Hitler- Stellvertreters beklebt. Am späten Mittwochabend tauchten in Rostock und Stralsund Flugblätter zum Tod von Heß auf.

Der Verfassungsschutz will an diesem Donnerstag mögliche Nazi-Aufmärsche zum Todestag von Heß "mit höchster Aufmerksamkeit" beobachten. Strategie sei es, solche Aufmärsche möglichst schon "im Ansatz zu unterbinden", sagte die Sprecherin des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Susanne Karkowsky. Die Hamburger Polizei verbot eine für diesen Samstag angemeldete Demonstration von Rechtsextremisten.



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