Hessen Ex-Spitzenkandidat Metz tritt aus Linkspartei aus

Bei der Landtagswahl 2008 war Pit Metz noch der Spitzenkandidat der hessischen Linken, nun kehrt er der Partei den Rücken. Seinen Austritt begründete er mit drastischen Worten: Die Situation innerhalb der Partei sei ein "Panorama des Elends".


Hamburg - Knapp zwei Wochen vor der Landtagswahl in Hessen scheint die hessische Linke in Not: Am Dienstag hat der Landesverband der Linken den Austritt ihres früheren Spitzenkandidaten, Pit Metz, bestätigt.

Früherer Linkspolitiker Metz: "Panorama des Elends"
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Früherer Linkspolitiker Metz: "Panorama des Elends"

Landeswahlkampfleiter Oliver Nöll sagte SPIEGEL ONLINE, dass Metz seine Ämter bereits Ende November aus "gesundheitlichen und persönlichen Gründen" niedergelegt habe. Der frühere DKP-Mann und Vorsitzende der Linksfraktion im Marburger Stadtparlament hatte auch dem Landesvorstand der Linken angehört. Bereits zuvor hatten mehrere Mitglieder der Linkspartei in Nordhessen ihren Austritt erklärt und dem Landesvorstand teilweise Bespitzelung vorgeworfen.

Metz, 55, begründete seinen Schritt laut Hessischem Rundfunk mit der "desolaten inneren Verfasstheit" seiner Partei. Die innerparteiliche Situation sei "ein Panorama des Elends".

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Metz war in seiner Partei nicht unumstritten. Schon vor der Landtagswahl 2008 war der gebürtige Weinheimer als Spitzenkandidat zurückgetreten, weil er den Bundeswehreinsatz in Afghanistan in die Nähe des DDR-Schießbefehls gerückt hatte. Stattdessen wurde dann der seinerzeit noch parteilose Willi van Ooyen Spitzenkandidat, der die hessische Linke auch in die jetzt anstehende Neuwahl des Landtags am 18. Januar führt.

Die Landesvorsitzenden Ulrike Eifler und Ulrich Wilken bedauerten den Austritt von Metz, der viel dazu beigetragen habe, die Linke als Partei der Gerechtigkeit zu verankern. Wilken widersprach zugleich Berichten von einer Austrittswelle innerhalb seiner Partei. Vielmehr sei die Zahl der Mitglieder im vergangenen Jahr angestiegen. Auf ihrer Homepage berichtet die Linkspartei von einem deutlichen Zuwachs - von gut 1900 Anhängern im Januar 2008 auf rund 2650 Mitglieder Ende Dezember.

Bereits in der vergangenen Woche waren mehrere Mitglieder der Baunataler Linken ausgetreten. Sie hatten fehlende Basisdemokratie, Mobbing von Mitgliedern sowie "elitäre Kaderbildung" in ihrer Partei beklagt. Neben ihnen hatten 29 weitere nordhessische Genossen zum 31. Dezember 2008 aus ähnlichen Gründen ihren Parteiaustritt erklärt.

Das Verhältnis zwischen basisdemokratisch orientierten Mitgliedern und großen Teilen der Parteiführung sowie der Landtagsfraktion ist schon seit Monaten belastet. Der Parteispitze wird vorgeworfen, politische Inhalte zugunsten von Eigeninteressen und Machtpolitik aufzugeben.

sew/AFP/ddp



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