Hessen Fischer kehrt als Wahlkämpfer zurück

Lange hat Joschka Fischer geschwiegen. Doch nun kehrt der Ex-Außenminister wie zuvor schon Altkanzler Schröder für einen Kurzausflug ins politische Geschäft zurück. Grund: die Kampagne zur Jugendkriminalität von CDU-Ministerpräsident Koch.

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Berlin/Frankfurt - Die alte Riege der rot-grünen Ära sieht sich durch Roland Koch herausgefordert. Nach Gerhard Schröder will sich nun auch der frühere Bundesaußenminister Joschka Fischer in den hessischen Wahlkampf einmischen. Am kommenden Montagabend wird der Grüne in den Kurhaus-Kolonaden in Wiesbaden auftreten und seine hessischen Parteifreunde unterstützen.

Ex-Außenminister Fischer: "Kann ich was für euch tun?"
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Ex-Außenminister Fischer: "Kann ich was für euch tun?"

"Die Lektüre der letzten Wochen über den Wahlkampf von Roland Koch hat ihn offensichtlich bewogen, seine politische Abstinenz für einen Auftritt zu unterbrechen", bestätigte der hessische Grünen-Partei- und Fraktionschef Tarek Al-Wazir SPIEGEL ONLINE.

Fischer hatte den Grünen-Spitzenpolitiker aus Hessen vergangene Woche von sich aus angerufen. Im Verlaufe des Telefonats habe er ihn gefragt: "Kann ich was für euch tun?", so Al-Wazir weiter.

Fischer hatte sich nach dem Ende seiner Ministertätigkeit 2005 aus der Bundespolitik offiziell zurückgezogen und nahm zunächst an der Universität von Princeton in den USA eine Gastprofessur an. Im vergangenen Jahr legte er den ersten Teil seiner Memoiren vor und absolviert Vortragsreisen.

Der hessische Grünen-Spitzenpolitiker Al-Wazir zeigte sich erfreut über den Einsatz Fischers. "Das wird hoffentlich mit dazu beitragen, dass Roland Koch abgewählt wird", so der Grüne zu SPIEGEL ONLINE.

Hessen ist Fischers politische Heimat. Hier hatte er 1985 als Umweltminister der ersten rot-grünen Koalition auf Landesebene agiert, sechs Jahre später nahm er den Posten bei der Wiederauflage der rot-grünen Koalition in Wiesbaden erneut an und wurde zugleich stellvertretender Ministerpräsident.

In Wiesbaden waren vor neun Tagen Roland Koch und Bundeskanzlerin Angela Merkel gemeinsam aufgetreten. Im Kurhaus hatte die CDU-Vorsitzende erstmals öffentlich die Kampagne des hessischen CDU-Spitzenkandidaten und Ministerpräsidenten gegen Jugendkriminalität unterstützt.

CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla reagierte mit ironischem Unterton auf die Nachricht von Fischers Kurzzeitengagement. Wenn die "alten Helden und Grufties" in den Wahlkampf gingen, könne er nur sagen: "Herzlich Willkommen". Die Union setze sich dann gerne mit den sieben "verlorenen Jahren von Joschka Fischer und Gerhard Schröder auseinander", so Pofalla heute in der CDU-Bundeszentrale in Berlin.

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