Engagement für Flüchtlinge Hessischer Landrat erhält Morddrohungen

Landrat Erich Pipa engagiert sich öffentlichkeitswirksam für Flüchtlinge im Main-Kinzig-Kreis - jetzt erhielt er deswegen einen Drohbrief von Rechtsextremisten. Die nannten sogar ein konkretes Datum.

Landrat Pipa mit Drohbrief: "Das sind Verbal-Radikale"
DPA

Landrat Pipa mit Drohbrief: "Das sind Verbal-Radikale"


Der hessische Landrat Erich Pipa (SPD) setzt sich im Main-Kinzig-Kreis für Flüchtlinge ein - nun hat er Morddrohungen von Rechtsextremisten der "Initiative Heimatschutz Kinzigtal" erhalten. Doch der Verwaltungschef des Main-Kinzig-Kreises will sich nicht einschüchtern lassen: "Nichts tun, würde Schweigen bedeuten", sagte er bei einer Pressekonferenz in Gelnhausen und hielt das Schreiben selbstbewusst in die Kameras der Reporter.

In dem neunzeiligen Drohbrief heißt es, dass jemand den 67-Jährigen "aus dem Weg räumen" könnte. Es wird sogar ein konkreter Tag genannt, an dem die Gelegenheit "günstig" sei: Am kommenden Sonntag will Pipa die Freizeit- und Breitensportveranstaltung "Kinzig total" eröffnen.

Sein Programm will der Landrat trotz der Drohungen absolvieren. "Ich werde mein Verhalten nicht ändern und weiter unters Volk gehen", kündigte er an. "Diese Schreier und anonymen Schmierer dürfen nicht die Oberhand bekommen. Das sind Verbal-Radikale."

Polizei hat Ermittlungen aufgenommen

Die "Initiative Heimatschutz Kinzigtal" sei mit den Drohbriefen erstmals in Erscheinung getreten, teilten Polizei und Landratsamt mit. Die Polizei in Offenbach hat Ermittlungen aufgenommen, bei der Staatsanwaltschaft Hanau wurde ein Verfahren eingeleitet. Polizeisprecher Christoph Bosecker versicherte: "Wir werden die Sicherheit des Landrates gewährleisten."

Politiker, die sich für Flüchtlinge engagieren, sind in Deutschland schon häufiger bedroht worden. Im sächsischen Freital wurde im geparkten Auto des Linken-Kommunalpolitikers Michael Richter mit einem verbotenen Böller eine Explosion ausgelöst.

Mit einer Tötung drohen die Absender im Fall Pipas zwar nicht wortwörtlich. Das Landratsamt wertete die Formulierungen aber als "offensichtliche Morddrohung". Die Absender nahmen Bezug auf eine Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Schlüchtern. Dort hatte Pipa im Juli angekündigt, mehr Flüchtlinge aufzunehmen und laut einem Zeitungsbericht gesagt: "Das Boot ist nicht voll".

Bislang sind 2900 Flüchtlinge im Main-Kinzig-Kreis untergebracht. Bis Jahresende rechnet der Kreis mit rund 5000 Menschen.

kry/dpa



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