Hessen Waffen und Munition bei Bundeswehrsoldat gefunden

Kurz- und Langwaffen, eine Handgranate und Sprengmittel: Die Polizei in Hessen hat ein Waffenlager bei einem Soldaten ausgehoben. Neben unerlaubtem Waffenbesitz wird auch wegen Volksverhetzung und Körperverletzung ermittelt.
Bundeswehrsoldat

Bundeswehrsoldat

Foto: Robert Schlesinger/ dpa

Spezialkräfte der hessischen Polizei haben einen Bundeswehrsoldaten vorläufig festgenommen und Waffen sowie Munition sichergestellt. Der Mann wurde nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa am Sonntag nach einem Hinweis gestellt. Neben dem Soldaten sind zwei weitere Männer aus Hessen wegen illegalen Waffenbesitzes sowie rechtsextremer Äußerungen in Haft genommen worden.

Die Verdächtigen im Alter von 20, 21 und 63 Jahren sind miteinander verwandt, alle drei kamen in Untersuchungshaft. Wie die Ermittler weiter mitteilten, wurden bei der Durchsuchung von Privat- und Diensträumen der Männer aus der Gemeinde Glashütten bei Frankfurt am Main scharfe Schusswaffen, Sprengstoff und Munition beschlagnahmt. Dabei geht es nach ersten Erkenntnissen überwiegend um Material, das nicht aus Bundeswehrbeständen stammt. So handelt es sich bei der Handgranate wohl um ein Modell aus dem früheren Jugoslawien. Dazu kamen Unterlagen und Datenträger.

Den drei Männern wird demnach zur Last gelegt, illegal Waffen und Munition »gehortet« sowie »sich in rechtsextremer Weise geäußert zu haben«. Ihnen werden Volksverhetzung und Verstöße gegen Waffen- und Sprengstoffgesetze vorgeworfen. Details nannten LKA und Staatsanwaltschaft unter Verweis auf »ermittlungstaktische Gründe« zunächst nicht.

Der Soldat des Heeres ist am Standort in Pfullendorf in Baden-Württemberg eingesetzt, wo auch das Ausbildungszentrum Spezielle Operationen seinen Sitz hat. Die Ermittlungen werden aber von einer hessischen Staatsanwaltschaft und dem Landeskriminalamt Hessen geführt. Im Zusammenhang mit dem Einsatz soll mindestens ein weiterer Verdächtiger aus dem Umfeld des Soldaten festgenommen worden sein.

Mehrere Vorfälle beim KSK

Zuletzt machte mehrfach das Kommando Spezialkräfte (KSK) im Zusammenhang mit Munitionsvorfällen Schlagzeilen. So war bei einem Kommandosoldaten aus Sachsen im Garten ein Waffenversteck mit Munition und Sprengstoff gefunden worden. Und im Munitionsskandal in der Zeppelin-Kaserne in Calw war im Frühjahr 2020 bei einer internen Überprüfung aufgefallen, dass in den Waffenkammern des KSK Zehntausende Schuss Munition fehlen, aber auch Sprengstoff und Handgranaten fehlten.

Der verantwortliche Kommandeur Markus Kreitmayr ermunterte daraufhin seine Soldaten, zuvor entwendetes Material in Sammelboxen zurückzugeben – anonym. Dazu wurden Paletten vor den Gebäuden der Einsatzkompanien aufgestellt. Das Verteidigungsministerium war nach SPIEGEL-Informationen frühzeitig über den Vertuschungsversuch informiert, handelte aber nicht.

mrc/dpa