Hessen-Wahl Ypsilanti macht Schäfer-Gümbel Mut

Andrea Ypsilanti will sich das erwartete Wahldebakel in Hessen nicht antun, aber ihrem nahezu unbekannten Ersatz Thorsten Schäfer-Gümbel macht die SPD-Landeschefin Hoffnung. Der Spitzenkandidat habe durchaus eine Siegchance gegen Ministerpräsidenten Roland Koch, behauptet sie.


Berlin - FDP-Chef Guido Westerwelle hat Andrea Ypsilanti vorgeworfen, sich vor dem Wähler wegzuducken. "Es wäre das Mindeste, dass Andrea Ypsilanti den Mut und die Charakterstärke hat, sich zur Wahl zu stellen", sagte er. Ypsilanti will ihren Vertrauten Thorsten Schäfer-Gümbel im Januar als Spitzenkandidaten für die hessische Landtagswahl ins Rennen schicken. "Das ist der nächste Betrug, der hier stattfindet", sagte Westerwelle.

Ypsilanti und Schäfer-Gümbel: Rückendeckung für den Nachfolger
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Ypsilanti und Schäfer-Gümbel: Rückendeckung für den Nachfolger

"Sozialdemokraten und Grüne werden, wenn die Wähler es zulassen, in jedem Land und auf Bundesebene Bündnisse mit der Linkspartei eingehen - sie werden es vielleicht anders nennen, aber sie werden es tun", sagte der FDP-Chef. Niemand könne SPD und Grünen trauen. Am 19. Jahrestag der Öffnung der deutsch-deutschen Grenze müsse bedacht werden: "Wir haben nicht für die deutsche Einheit gekämpft, um zuzusehen, dass Sozialisten und Kommunisten wieder etwas zu sagen haben in der Bundesrepublik", sagte Westerwelle.

Ypsilanti selbst macht Schäfer-Gümbel dagegen Mut. Der neue Spitzenkandidat der SPD sei zwar als Person nicht bekannt, aber die "von ihm gesetzten Themen", sagte Ypsilanti am Samstagabend in den ARD-"Tagesthemen". Sie traue ihm und ihrer Partei zu, mit einem inhaltlich geführten Wahlkampf Koch zu besiegen.

Erneut verteidigte Ypsilanti ihre Entscheidung, Partei- und Fraktionssitz zu behalten, auf die Spitzenkandidatur aber zu verzichten. "Ich bleibe an Bord, weil ich für meine Inhalte kämpfe", sagte sie. Eine erneute Kandidatur aber würde den anstehenden Wahlkampf zu sehr belasten, da mit Kampagnen des politischen Gegners gegen sie "zum Thema Wortbruch und Glaubwürdigkeit" zu rechnen seien. Gleichzeitig gestand Ypsilanti Fehler ein: Dazu zähle "die Aussage 'Nicht mit den Linken', die ich danach revidiert habe", sagte sie.

Der neue CSU-Generalsekretär Karl-Theodor zu Guttenberg warf derweil SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier vor, sich in der Diskussion über die Lage der SPD in Hessen "weggeduckt" zu haben. "Wo ist Steinmeier", fragte zu Guttenberg am Sonntag beim Deutschlandtag der Jungen Union im badischen Rust.

"Es wäre schon interessant, wie sich der Kanzlerkandidat äußert", fügte der CSU-Politiker hinzu. "Er schweigt aber. Er dürfte sich aber nicht drücken." Zu Guttenberg bezweifelte, dass das neue Führungstandem der SPD in Hessen mit der Landesvorsitzenden Ypsilanti und Spitzenkandidat Schäfer-Gümbel tatsächlich einen Neuanfang der Partei in Hessen bedeutet. Mit diesem Duo gebe es nur eine "Kultivierung der Lüge".

Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) kritisierte Ypsilanti nochmals scharf. "Ich freue mich saumäßig, dass Roland Koch Ministerpräsident bleiben wird und Andrea Ypsilanti eine Niederlage auf ihre geisteskranke Geisterfahrt gefunden hat", sagte er in Rust.

als/dpa/AFP



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