Hessen Wahlgewinner, so weit das Auge reicht

Auch in Hessen fühlen sich alle Parteien von dem Wahlergebnis in Schleswig-Holstein bestärkt. Einige Politiker, namentlich Ministerpräsident Roland Koch, mussten sich jedoch gewaltig verrenken, um das Ergebnis positiv darzustellen.

Wiesbaden - Koch führte das gute Abschneiden der Liberalen auf Verlässlichkeit zurück, wie sie "in diesen Wochen das Markenzeichen der hessischen FDP" sei. Die 7,6 Prozent zeigten, dass die hessischen Liberalen mit ihrer Koalitionstreue keineswegs die Erfolgsaussichten ihrer Partei anderswo schmälerten.

Der Wortführer der rund 90 Koch-Gegner in der hessischen FDP, Frank Blechschmidt, hatte genau das Gegenteil gesehen: Er begründete den Erfolg damit, dass sich der FDP-Spitzenkandidat im Norden, Wolfgang Kubicki, klar für einen Rücktritt Kochs ausgesprochen hatte.

Diese Interpretation klang auch in den Ohren der Opposition plausibler: SPD-Fraktionschef Armin Clauss warnte die Liberalen, dass sie von den "Lügen Kochs" mit in die Tiefe gezogen würden. Es sei zynisch, wenn Koch aus dem Abschneiden seiner Partei neues Vertrauen herauslese. Die Grünen meinten, die Koch-Gegner hätten Auftrieb erhalten.

Fraktionsgeschäftsführerin Dorothea Henzler hingegen meinte, Kubickis Stellungnahmen gegen Koch hätten keinen Einfluss gehabt: "Ich glaube nicht, dass sich die Wähler in Schleswig-Holstein für die FDP-internen Streitigkeiten um Roland Koch interessiert haben." Die hessische FDP-Vorsitzende Ruth Wagner, die Koch unterstützt, sprach von einem "großartigen Erfolg". Es zahle sich für die Liberalen aus, souverän eigene Positionen zu vertreten.

Eine Woche vor dem Sonderparteitag, auf dem die hessische FDP über ihre weitere Zusammenarbeit mit Koch entscheidet, sind nach Henzlers Einschätzung noch etwa ein Drittel der 300 Delegierten unentschlossen. Der Rest verteile sich gleichmäßig auf die beiden Positionen. Das Ergebnis von Schleswig-Holstein werde mit Sicherheit nicht gegen Koch in die Waagschale fallen. Es zeige, dass die FDP ihre Stimmen im bürgerlichen Lager holten. Von einem Koalitionsbruch könne sie daher nicht profitieren.