Hintergrund Die bisherigen Chefs der ÖTV

Die Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV) wurde am 28. Januar 1949 in Stuttgart gegründet und hatte bislang vier Vorsitzende:

  • Adolph Kummernuss (1949 - 1964): Der erste ÖTV-Vorsitzende attackierte 1962 Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard wegen seiner Appelle, Maß zu halten. Am 1. Juli 1964 trat er - damals 69 Jahre alt - beim Dortmunder ÖTV-Gewerkschaftstag aus Altersgründen vom Vorsitz zurück. Er starb am 7. August 1979 im Alter von 84 Jahren.
  • Heinz Kluncker (1964 - 1982): In Klunckers Amtszeit fielen gewerkschaftliche Erfolge wie die Einführung der 40-Stunden-Woche für den Öffentlichen Dienst, die Angleichung der Altersversorgung von Arbeitern und Angestellten an die der Beamten und das 13. Monatsgehalt. Unter seiner Führung fand 1974 auch der erste große Streik im Öffentlichen Dienst in der Geschichte der Bundesrepublik statt, bei dem den Arbeitgebern nach vier Tagen elf Prozent mehr Lohn abgetrotzt wurden. Am 12. Juni 1982 trat der damals 57-Jährige aus gesundheitlichen Gründen von seinem Amt zurück.
  • Monika Wulf-Mathies (1982 - 1994): Die erste weibliche Vorsitzende einer DGB-Gewerkschaft erklärte die 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich zum Ziel der ÖTV. Mit der Wiedervereinigung stand für die ÖTV die gewerkschaftliche Einheit im Vordergrund. Wulf-Mathies erlebte ihre schwerste Niederlage 1992, als ihr die ÖTV-Basis nach einem elftägigen Streik im Öffentlichen Dienst die Gefolgschaft beim Tarifkompromiss verweigerte. Am 10. November 1994 trat die damals 52- Jährige zurück. Sie wechselte als EU-Kommissarin nach Brüssel.
  • Herbert Mai (1995 - 2000): Mit einer dezentralen Tarifpolitik, neuen Formen der Arbeitszeitgestaltung und mehr Basisdemokratie wollte Mai den anhaltenden Mitgliederschwund bei seiner Gewerkschaft stoppen. Eine Schlappe erlitt er 1997, als die Große Tarifkommission seinen Vorstoß für Lohnverzicht bei kürzerer Arbeitszeit gegen Beschäftigungssicherung ablehnte. Angesichts der mageren Zustimmung des Leipziger ÖTV-Bundeskongresses zur geplanten Dienstleistungsgewerkschaft gab der entschiedene Verdi-Befürworter Mai auf und verzichtete auf eine erneute Kandidatur als ÖTV-Chef.

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